Neuer Einsatz für altes Medikament: Wirkt Clioquinol gegen Alzheimer?

Unser Gesundheitsexperte fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Ein Wirkstoff gegen Metalle – und gegen Alzheimer?


Es ist schon merkwürdig. Pharmafirmen investieren viele Millionen in die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Aber zugelassen werden immer weniger innovative Arzneimittel. Aus einem Wasserfall überschäumender Ideen wird am Ende ein Rinnsal. Wie wäre es da mit einem Recycling? Viele Medikamente lassen sich nämlich gegen mehrere Übel einsetzen. Bei dem als Herzmittel erprobten Sildenafil etwa stellte sich nebenbei heraus, dass der Stoff Erektionen fördert. “Viagra” war geboren.

Traurige Berühmtheit als “Contergan” erlangte dagegen Thalidomid. Das einstige Schlafmittel führte zu schweren Fehlbildungen bei Ungeborenen. Heute erlebt Thalidomid als Lepramedikament und Krebsmittel eine Renaissance.

Ähnlich könnte es eines Tages einem anderen “Skandalmedikament” ergehen: dem Durchfallmittel Clioquinol. Vor allem in Japan erfreute es sich in den 1950er Jahren großer Beliebtheit und wurde in immensen Mengen “zur inneren Reinigung” konsumiert. Bis es mit einer schwerwiegenden schleichenden Nervenerkrankung, der Multiplen Sklerose nicht unähnlich, in Verbindung gebracht wurde. 1985 nahm der Hersteller Ciba-Geigy das Mittel vom Markt.

Auf die Spur des Wirkstoffs hatte die Ärzte ein bizarres Symptom bei den Konsumenten geführt – eine schwarzgrüne Zunge. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um eisenhaltige Clioquinol-Ablagerungen. Das liegt daran, dass die Substanz mit Metallen im Bunde ist. Sie koppelt sich an Metalle und blockiert sie so.

Möglicherweise “schaufelt” Clioquinol auch Metalle in die Zelle hinein. Das wiederum macht es zu einem potenziellen Mittel gegen die Gedächtniskrankheit Alzheimer.


weiterlesen auf www.tagesspiegel.de (Artikel erschienen am 28. Juni 2009)



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