Individualisierbare Therapien bei Alkoholismus
Die meisten Bundesbürger haben sich wahrscheinlich als erstes Lebensmittel im neuen Jahr einen Schluck Schaumwein gegönnt. Prosit, es möge nützen, wird beim Ritual des Anstoßens gesagt. Mehr als neun Millionen Menschen schaden sich allerdings mit dem Alkoholkonsum eher. Mit „Schaden“ ist dabei das ganze Spektrum zwischen Trinkmengen, die zum Beispiel der Gesundheit der Leber abträglich sind, und einer echten Abhängigkeit gemeint. Die Zahl fasst also alle zusammen, die ein Alkoholproblem haben. Wenn Ärzte und Psychotherapeuten hier helfen wollen, dürfen sie es allerdings nicht als einheitliches Problem betrachten, so wurde jetzt bei den 6. Berliner Psychiatrietagen deutlich.
„Für eine individualisierte Therapie könnte es in Zukunft nützlich sein, die Genetik und Bilder aus dem Gehirn einzubeziehen“, sagte der Psychiater Karl Mann, der am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim forscht. Mann und seine Arbeitsgruppe haben einige ihrer Patienten in den Hirnscanner, den funktionellen Magnetresonanztomographen, gelegt und ihnen dort zum Beispiel verlockende Bilder von kühlen Bierchen und gut sortierten Bars gezeigt.
„Wer hier stärkere Reaktionen erkennen lässt, wird auch stärker von Alkoholwerbung beeinflusst und kommt im wirklichen Leben schwerer an der früheren Stammkneipe vorbei, wird also nach einer Entzugsbehandlung mit größerer Wahrscheinlichkeit rückfällig“, erläuterte Mann. Allerdings profitiert diese Gruppe von Alkoholabhängigen anscheinend auch stärker von dem Medikament Naltrexon, das dem unwiderstehlichen Verlangen nach Alkohol („Saufdruck“, fachsprachlich: Craving) entgegenwirkt.
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(erschienen am 26. Januar 2011)
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Adelheid Müller-Lissner
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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