HIV: Die Berliner Heilung durch Stammzelltransplantation
Als ich im November 2008 zuerst von dem „Berliner Patienten“ hörte, war ich skeptisch. Es hieß, an der Charité habe man einen Mann vom Aidsvirus HIV befreit. Ich erinnerte mich an das, was mir der Berliner Aidsforscher Karl-Otto Habermehl vor vielen Jahren gesagt hatte: „Es wird immer wieder behauptet, dass man Aidspatienten geheilt hat. Aber wenn man genau hinguckt, findet man das Virus. Wenn es einmal da ist, wird man es nicht mehr los.“
Oder doch? Es sieht ganz danach aus, als habe Gero Hütter, damals am Klinikum Benjamin Franklin der Charité, das Unmögliche geschafft und Medizingeschichte geschrieben. Der „Berliner Patient“, das ist der Amerikaner Timothy Ray Brown.
Er war HIV-positiv und arbeitete als Übersetzer in Berlin, als er zusätzlich zu seiner HIV-Infektion an Blutkrebs erkrankte.
Hütter, Spezialist für Blutkrebs und Browns Arzt, hatte einen genialen Geistesblitz. Sein todkranker Patient brauchte eine Stammzelltransplantation, um den Blutkrebs aus der Welt zu schaffen. Der Arzt wusste, dass es Menschen gibt, die von Natur aus gegen das Aidsvirus geschützt sind. Bei ihnen ist das Gen für das Eiweiß CCR5 verändert. Über CCR5 dringt HIV in die weißen Blutkörperchen ein. Das mutierte Gen, für den Betroffenen harmlos, macht die Tür für das Virus zu, es kommt nicht mehr in den Körper. Es gelang Hütter, einen geeigneten Stammzellspender mit der CCR5-Mutation ausfindig zu machen. Im Februar 2007 wurde Brown transplantiert und damit auf einen Schlag von zwei Krankheiten befreit, dem Blutkrebs und der HIV-Infektion.
Geheilt: ein großes Wort. Doch bis heute hat keines der auf Aids spezialisierten Labors ein noch intaktes Virus in Browns Körper nachweisen können…
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(Artikel erschienen am 15.05.2011)
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Hartmut Wewetzer
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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