Ein neues Prothesenregister soll Informationen über Behandlungsqualität liefern
Jeder kennt jemanden, der so etwas in sich trägt. Allein 2009 wurden in Deutschland über 380 000 dieser „Ersatzteile“ neu eingesetzt. Die gesetzlichen Krankenkassen haben fast drei Milliarden Euro dafür ausgegeben. Die Rede ist von künstlichen Knie- und Hüftgelenken.
Den Zahlen der AOK zufolge nimmt die Anzahl der Operationen, mit denen sie eingesetzt werden, im Bundesland Nordrhein-Westfalen inzwischen Jahr für Jahr um zehn Prozent zu. Waren es bundesweit im Jahr 2002 noch 150 000 neue Hüft- und 90 000 neue Kniegelenke, so sind es im Jahr 2009 schon 209 000 und 175 000. Die Ersatzkassen Barmer und GEK kritisierten kürzlich eine Tendenz zur Überversorgung und fragten, ob Rentner ohne künstliches Gelenk bald in der Minderheit sein werden.
„Die Zunahme der künstlichen Gelenke ist nicht allein mit der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Alterung der Bevölkerung zu erklären“, sagt Reiner Gradinger, Orthopäde am Münchner Klinikum rechts der Isar. Denn die Operierten werden nicht nur immer älter und kränker, sondern auf der anderen Seite auch immer jünger und sportlicher. Sind wir auf dem Weg in eine Implantat-Gesellschaft?Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie, der im Oktober 2010 im Berliner ICC stattfindet, kritisierte Gradinger den Druck, der zunehmend auf den Ärzten laste, möglichst viele solcher für die Kliniken einträglichen, planbaren Operationen zu vorzunehmen. „Nötig kann ein Gelenkersatz sein, wenn der Patient starke Schmerzen hat und sich dann auf den Bildern zeigt, dass das Gelenk so verschlissen ist, dass keine Aussicht besteht, in Zukunft schmerzfrei zu leben“, sagte Kongresspräsident Daniel Frank vom St. Remigius-Krankenhaus in Leverkusen.
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(Artikel erschienen am 28. Oktober 2010)
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Adelheid Müller-Lissner
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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