Ein Gentest kann die Chemotherapie ersparen
Das erste Gesetz der Technik besagt, dass die Folgen großer technischer Fortschritte zu Beginn überschätzt und langfristig unterschätzt werden. Genau das trifft auch auf die Entzifferung des menschlichen Erbguts zu. Vor zehn Jahren als Jahrhundertereignis gefeiert, verschwand unser Genom wieder aus den Medien. Zu Unrecht, denn die Medizin hat begonnen, sich des Wissens aus dem Erbgut zu bedienen. Bestes Beispiel dafür ist die Behandlung von Brustkrebs.
Wir Menschen besitzen mehr als 20 000 Gene, aber in unseren Zellen sind nur jeweils drei bis fünf Prozent dieser Erbanlagen aktiv. Welche, das hängt vom Organ ab. Jedes Gewebe besitzt also ein typisches genetisches Profil.
Das gilt in gewissem Maße auch für Krebs. Denn bei dieser Krankheit kommt es zu auffälligen genetischen Veränderungen. Deshalb ist es möglich, ein charakteristisches „Täterprofil“ einer Tumorzelle zu entwerfen.
Eben das haben die Entwickler des „Oncotype“-Tests getan. Auf der Basis des Wissens vom menschlichen Erbgut (Genom-Projekt!) filterten sie aus Brustkrebszellen 21 Gene heraus. Anhand der Aktivität dieser Erbanlagen sagt „Oncotype“ voraus, wie wahrscheinlich es ist, dass ein neu entdeckter und behandelter Brustkrebs „wiederkommt“. Und gibt damit Frauen größere Sicherheit.
Mehr noch: Mithilfe des Tests kann man Patientinnen nach einer Brustkrebs-Operation eine zusätzliche Chemotherapie ersparen. Die „ Chemo“ bewahrt zwar viele Patientinnen vor einer Rückkehr des Tumors. Das Problem besteht aber darin, dass man bisher viele Frauen mit den Zellgiften behandelt, denen diese belastende und nicht ungefährliche Rosskur gar nichts nützt. Etwa, weil der Krebs nach der Operation bereits besiegt ist und eine weitere Therapie nicht mehr erforderlich ist.
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(Artikel erschienen am 17.10.2010)
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Hartmut Wewetzer
Artikel zuletzt aktualisiert am: 07.03.2012
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