Das Narkosemittel Ketamin hilft gegen Depressionen
Niedergeschlagenheit, die nicht weichen will. Etliche Medikamente, die gegen den Trübsinn versagt haben. Und dann eine einzige Spritze – und die Stimmung hellt sich innerhalb von ein bis zwei Stunden deutlich auf. Dieses bemerkenswerte Ergebnis haben amerikanische Ärzte bei Patienten mit schwerer Depression oder manisch-depressiver (bipolarer) Krankheit erzielt. Der Wirkstoff, den sie eingesetzt haben, heißt Ketamin, ein in der Medizin erprobtes Narkosemittel und zugleich eine Partydroge („Vitamin K“).
Ketamin wird als Rauschmittel missbraucht, weil es das Bewusstsein verändert, Halluzinationen und „dissoziative“ Zustände erzeugt.Der Berauschte glaubt, wie bei einem Nahtod-Erlebnis aus seiner Haut zu fahren. Er steht gewissermaßen neben sich.
Auch Carlos Zarate von den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA in Bethesda und sein Team beobachteten, dass ihre depressiven Patienten unter Ketamin solche Wahrnehmungsstörungen hatten, allerdings nur vorübergehend und nicht besonders schwerwiegend. Der positive antidepressive Effekt hielt dagegen mitunter sogar mehrere Tage an. Im Gehirn beeinflusst Ketamin unter anderem den Stoffwechsel des Botenstoffs Glutamat. Das Mittel blockiert den NMDA-Rezeptor, eine Andockstelle für Glutamat auf Nervenzellen. Dieser Effekt ist möglicherweise auch entscheidend für die Rauschzustände. Wichtiger ist aber vielleicht, dass Ketamin AMPA-Rezeptoren anregt. Sie sind ebenfalls auf Glutamat ausgelegt und möglicherweise entscheidend für die antidepressive Wirkung.
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(Artikel erschienen am 22.08.2010)
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Hartmut Wewetzer
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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