Schlaganfall - Experten beantworten die häufigsten Fragen

Ein Schlaganfall kann schlimme Folgen haben: Die Hand funktioniert nicht mehr richtig, auf einem Auge blind, sogar epileptische Anfälle drohen  Wie beugt man am besten vor? Was tun, wenn es passiert ist? Vier Experten aus Berlin beantworten Fragen von Tagesspiegel-Lesern

Bei unserer Telefonaktion zum Start der Kampagne „Berlin gegen den Schlaganfall“ haben zahlreiche Tagesspiegel-Leser Fragen zum Thema Schlaganfall gestellt. Wir dokumentieren die wichtigsten Antworten von Jan Sobesky ( Klinik für Neurologie der Charité ), Christian Dohle (Median Kliniken), Elisabeth Steinhagen-Thiessen ( Evangelisches Geriatriezentrum Berlin-geriatrie-zentrum-berlin-ggmbh ) und Hans-Christian Koennecke ( Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum am Urban).

Wie beuge ich einem Schlaganfall vor?

DOHLE: Lassen Sie wichtige Risikofaktoren – Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Herzrhythmus – über Jahre hinweg kontrollieren. Auch Übergewicht und Rauchen zählen dazu. Sie können mit der Kontrolle auch im Alter anfangen. Dazu ist es nie zu spät.

Ich bin 78 Jahre alt und lebe allein. Was ist, wenn ich einen Schlaganfall habe, und niemand merkt es?

SOBESKY: Wenn Sie den Schlaganfall selbst bemerken, rufen Sie sofort die 112 an. Generell sollten Sie möglichst viele soziale Kontakte halten. Das erhöht die Chancen, dass jemand auf Ihren Schlaganfall aufmerksam wird.

Ich hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. Seither ist meine Hand, wenn es mir schlecht geht, oft leicht gelähmt. Warum?

KOENNECKE: Der Körper kompensiert die ausgefallenen Funktionen, aber hundertprozentig kann er sie nicht wiederherstellen. Gerade in Stresssituationen oder bei Fieber kann es dann zu Störungen kommen, die aber wieder vorbeigehen.

Meine Mutter hatte vor einiger Zeit einen Schlaganfall und ist seither häufig schlechter Stimmung. Ist das normal?

STEINHAGEN–THIESSEN: Das ist verständlich. Schließlich sind oft wesentliche Körperfunktionen eingeschränkt. Gerade deshalb ist es wichtig, diese Funktionen wieder zu trainieren. Wenn das nicht hilft, gibt es auch die Möglichkeit, sich in antidepressive Behandlung zu begeben.

Ich sehe nach einem Schlaganfall in meinem rechten Gesichtsfeld nichts mehr. Wie kann ich das Sehen wieder trainieren?

DOHLE: Es gibt Programme, die Sie zu Hause anwenden können. Ein niedergelassener Neurologe hilft Ihnen weiter. Adressen von Neurologen erfahren Sie beim Servicepunkt Schlaganfall (Tel. 450560600). Wichtig ist, dass Sie nicht Auto fahren. Wenn Sie der Meinung sind, Sie könnten trotzdem gut sehen, dann müssen Sie sich von einem Augenarzt mit verkehrsmedizinischer Zusatzqualifikation ein Gutachten erstellen lassen, sonst machen Sie sich strafbar.

Ich habe häufig Schwindel. Ist das ein Anzeichen für einen drohenden Schlaganfall? 

SOBESKY: Nicht unbedingt. Schwindel ist häufig und kann viele Ursachen haben. Neben einer neurologischen Untersuchung sollten Sie deshalb Kreislauf, Blutzucker und Gleichgewichtsorgane überprüfen lassen.

Woher weiß ich, wenn ich einen Schlaganfall habe, wo die nächstgelegene Spezialklinik (Stroke Unit) in Berlin ist?

KOENNECKE: Der Rettungsdienst der Feuerwehr, den Sie über 112 rufen, weiß es. Jeder Wagen hat eine Liste. Wenn Sie für eine blutverdünnende Therapie infrage kommen, wird der Rettungsdienst dort anrufen, damit alles vorbereitet ist.

Meine Tante hatte einen Schlaganfall mit 49, mein Vater mit 62, sein Bruder mit 60. Gibt es „Schlaganfallfamilien“, und was kann ich tun, um nicht selbst einen Schlaganfall zu bekommen?

STEINHAGEN–THIESSEN: Der Schlaganfall selbst ist nicht vererbbar. Aber die Konditionen, die dazu geführt haben, sind es. Bei Veranlagung für hohen Blutdruck oder Blutzucker ist auch die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls höher. Sie sollten die Risikofaktoren regelmäßig überprüfen lassen.

Ich hatte bereits einen Schlaganfall. Steigt damit mein Risiko, einen weiteren zu bekommen?

KOENNECKE: Ja. Deswegen ist es wichtig, die Ursache des ersten Schlaganfalls herauszufinden, um dann mittels Medikation oder Operation darauf reagieren zu können. Die häufigsten Ursachen sind: Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), Erkrankung der großen hirnversorgenden Gefäße oder Erkrankung der kleinen Hirngefäße.

Ich nehme zur Blutverdünnung Phenprocoumon (Marcumar). Man sagte mir, ich könne nicht operiert werden, weil ich die Einnahme nicht absetzen darf. Stimmt das?

STEINHAGEN-THIESSEN: Das stimmt in der Regel nicht. Sie können Phenprocoumon unter ärztlicher Kontrolle absetzen und stattdessen Heparin erhalten. Wie lange vorher Sie das tun müssen, ist von Patient zu Patient verschieden. Das entscheidet Ihr Hausarzt.

Seit meinem Schlaganfall nehme ich zur Blutverdünnung regelmäßig ASS (Azetylsalizylsäure) zusätzlich zu vielen anderen Medikamenten. Muss das wirklich alles sein? Kann ich nicht mit der Einnahme dieser Arznei aufhören?

KOENNECKE: Nein. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand muss die Einnahme lebenslang erfolgen. Nur so kann das Risiko eines weiteren Schlaganfalls reduziert werden.

Seit meinem Schlaganfall habe ich epileptische Anfälle. Warum?

SOBESKY: Das ist keine Seltenheit. Fast jeder zehnte Schlaganfallpatient ist davon betroffen. Grund ist, dass das Gewebe um die Hirnnarbe, die der Schlaganfall zurückgelassen hat, irritiert ist und elektrische Störungen auslöst, die zu Anfällen führen. Diese können aber heute mit Medikamenten behandelt werden.



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