Komfortstationen im Krankenhaus

Immer mehr Kliniken bieten teure Zimmer für finanzkräftige Patienten an. Doch wer zahlt am Ende

Es gibt teure und billige Hotels, Bio-Essen und Fast Food. Bei Krankenzimmern ist es nicht anders. Und wer zahlungskräftige Patienten möchte, bietet ihnen komfortable Zimmer an, gegen Entgelt. Inzwischen werben Krankenhäuser fast aller Ausrichtungen um Zuzahler – nicht nur Kliniken, die sich auf die Versorgung Privatversicherter oder von Selbstzahlern konzentrieren. Selbst kommunale, gemeinnützige und christliche Einrichtungen haben Zimmer für die, die sich den Aufenthalt etwas mehr kosten lassen können. Und das sind auch Gesetzlich Versicherte, etwa wenn sie eine private Krankenhauszusatzversicherung abgeschlossen haben. Die Anbieter stellen fest, dass immer mehr Kassenpatienten eine Zusatzpolice abschließen wollen – für Privatheit und eine möglichst ungestörte Nacht.

Die fünf Komfortstationen von Vivantes bieten neben Zimmern im Hotelstil Übersetzer, Wasch- und Bügeldienste, Internet, Satellitenfernsehen und bis zu zehn Mittagsmenüs. Auch Helios betreibt in seinen beiden Berliner Häusern eine Komfortabteilung. Patienten werden mit Flachbildfernsehern, Tageszeitungen und Internet gelockt, Einzelzimmer kosten derzeit 100 Euro in Zehlendorf und 128 Euro in Buch. In der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) will man sich nicht zu sehr auf das Komfortgeschäft konzentrieren. Doch auch dieser gemeinnützige Krankenhausbetreiber hat in Köpenick eine Komfortstation eingerichtet. Auch die Charité will im sanierten Bettenhochhaus in Mitte eine Komfortstation eröffnen, noch fehlt aber die Genehmigung der Aufsichtsbehörden. Man reagiere, so die Charité, damit auf die seit Jahren unverändert hohe Nachfrage besonders von ausländischen Patienten nach Komfort in der Behandlung. Kassenpatienten, die nicht über eine Zusatzversicherung verfügten, müssten für diese Leistungen zwischen 80 und 150 Euro pro Tag zuzahlen, so die Charité. Die medizinische Behandlung in der Komfortstation unterscheide sich jedoch nicht von anderen Stationen. Patienten können sich auf Wunsch chefärztlich behandeln lassen, das sei in allen anderen Stationen auch möglich. Auch bei Vivantes weiß man, dass sich die meisten Kassenpatienten die Komfortbetten wohl nicht leisten können. Dennoch müssten sie keine schlechtere Behandlung fürchten, heißt es. Von der in der Komfortstation üblichen Chefarztbehandlung abgesehen sei die Versorgung klinikweit auf gleichem Niveau.

Nicht alle wollen dem Argument folgen, zahlungskräftige Patienten seien ein Segen für die normale Krankenversorgung. „Komfortstationen profitieren eher von den Kassenpatienten, nicht umgekehrt“, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die gesetzlich Versicherten bezahlen mit ihren Beiträgen die Infrastruktur. Nur so seien die Ressourcen zu schaffen, mit denen Krankenhäuser ein Segment für zahlungskräftige Kundschaft ausgliedern können. „Reine Privatkliniken haben sich hierzulande bislang nämlich kaum rentiert“, sagte Lauterbach. Und obwohl die Masse an Kassenpatienten die Komfortstationen erst ermögliche, sei die Wahrscheinlichkeit, von einem Spezialisten versorgt zu werden, für zahlungskräftige Patienten größer. Davor warnt auch Berlins Patientenbeauftragte Karin Stötzner: „Solche Stationen dürfen nicht von denjenigen mitfinanziert werden, die ein Bett dort gar nicht bezahlen könnten.“


Von Gwendolin Gurr und Laura Stelter

Der Artikel erschien am 15.02.2016



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