Dr. Fegelers Sorgenkinder: Auf den Kopf gefallen.

Von Dr. Ulrich Fegeler

Ein Sturz mit dem Fahrrad, ein Sprung von einer Mauer: Gehirnerschütterungen können durch ganz unterschiedliche Ereignisse ausgelöst werden. Die häufigste Ursache bei Babys ist der Sturz vom Wickeltisch - der sich dadurch vermeiden lässt, dass Eltern ihr Kind immer mit einer Hand festhalten, wenn sie ihren Kopf für einen Moment abwenden.

Eine Gehirnerschütterung ist neben der einfachen (aber schmerzhaften) Schädelprellung die am häufigsten auftretende Form eines Schädel-Hirn-Traumas. Bei der Gehirnerschütterung wird nicht nur der Schädelknochen geprellt, sondern das "Gehirn erschüttert", an den Prellorten entsteht eine kleine Schwellung. Das - selten eintretende - Risiko solcher Kopfverletzungen besteht darin, dass es eventuell zu (meist venösen) Blutungen zwischen Hirn und Schädeldecke kommen kann, die unter Umständen das Hirn einquetschen. Ist das Gehirn geprellt, verlieren die Betroffenen häufig kurz (Bruchteile von Sekunden bis ein paar Minuten) das Bewusstsein, ein paar Stunden später wird ihnen meist übel, sie müssen sich übergeben. Außerdem haben sie starke Kopfschmerzen und können sich an den Moment des Unfalls typischerweise nicht mehr erinnern (retrograde Amnesie).

Bei Säuglingen ist die Unterscheidung zwischen Schädelprellung und Gehirnerschütterung schwieriger. Im Zweifelsfall sollten sie einem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden. Sind Kinder und Jugendliche betroffen, gilt: Ruhe bewahren. Bei stark blutenden äußeren Verletzungen sollten sie sofort zum Arzt beziehungsweise in die Erste-Hilfe-Station einer Klinik gebracht werden. Ansonsten ist die Verlaufsbeobachtung wichtig. Eltern sollten sie zunächst hinlegen und für Ruhe sorgen. Dann sollte man in kurzen Abständen die Bewusstseinslage und die Pupillenreaktion überprüfen: die Betroffenen ansprechen, mit der Taschenlampe in die Pupillen leuchten. Im Regelfall sind diese auf beiden Seiten gleich groß und ziehen sich beim Lichteinfall in gleicher Weise zusammen. Wirken die Kinder oder Jugendlichen aber wesensverändert, besteht ein nach wie vor starkes Erbrechen oder ist die Pupillenreaktion auffällig, sollten sie unverzüglich ins Krankenhaus gebracht werden. Dort werden sie nach einem bestimmten Schema überwacht. In der Regel dauert dies zwischen 24 und 48 Stunden.

Zur weiteren Genesung brauchen die Patienten vor allem Ruhe: Sie sollten ein bis zwei Wochen zu Hause bleiben und mindestens sieben Tage auf Fernsehen und Internet verzichten.

aufgezeichnet von Rita Nikolow



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