Fragen und Antworten zur Reha (I): Zweck und Inhalt der Behandlung - und wie man sich auf die Therapie vorbereitet

Rehabilitationen sollen die Arbeitskraft erhalten, vor einem Rückfall schützen oder auch vor einen drohender Pflegebedürftigkeit bewahren.

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Wer zu einer Rehabilitation fährt, sollte vorher überlegen, was er in den Koffer packt. Foto: Thilo Rückeis

Welche Aufgaben erfüllt eine Rehabilitation?

Es gibt in der Medizin vier Säulen: Die Akutversorgung in Arztpraxen und Krankenhäusern, die Prävention, um Krankheiten zu vermeiden, die Rehabilitation und schließlich die Pflege. Eine sich an die Akutversorgung anschließende Rehabilitation erleichtert es den Betroffenen, in ihr altes Leben, in ihre Selbstständigkeit und ihren Job zurückzukehren. "Eine Reha soll erkrankte Erwerbsfähige in das Berufsleben zurückführen oder deren Arbeitskraft erhalten", sagt Holger Hoppe, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Rehabilitationsärzte Deutschlands. "Doch auch Rentner können einen Antrag stellen: Bei ihnen geht es darum, sie aus der Pflegebedürftigkeit zu holen oder sie davor zu bewahren." Dabei spielen aber auch Einspareffekte für das Sozialsystem eine Rolle. Denn durch die Erhaltung der Arbeitskraft beziehungsweise die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit kann eine Rehabilitation den Bezug von laufenden Sozialleistungen vermeiden oder diese vermindern. Und schließlich geht es bei einer Reha darum, Behinderungen und chronische Krankheiten zu überwinden, zu lindern oder wenigstens deren Verschlimmerung zu verhindern.

Was beinhaltet eine Rehabilitationsbehandlung?

Das hängt vom Krankheitsbild ab: Die Rehabilitation zielt darauf ab, den Folgen von Erkrankungen, Operationen oder Behinderungen entgegenzuwirken. Bei einem Kniegelenkersatz wird der Patient aus der Klinik entlassen, sobald die Wunde verheilt ist. "Die Aufgabe in der Reha ist es nun, beispielsweise Muskelschwund und Schwellungen zu therapieren und die Beweglichkeit des Gelenks wieder herzustellen", sagt Rehabilitationsarzt Holger Hoppe. Dazu müssen die Patienten beispielsweise durch eine Physiotherapie die Bewegungsabläufe neu trainieren. Bei erwerbstätigen Rehabilitanden werden die Leistungen durch berufsspezifische Angebote ergänzt. Letztendlich soll der Patient wieder am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können: Er soll seiner Erwerbstätigkeit nachgehen, die Kinder zur Schule bringen, im Supermarkt einkaufen oder Theatervorstellungen besuchen können. Und während es bei geriatrischen Behandlungen darum geht, älteren Menschen einen selbstständigen Alltag zu ermöglichen, ist es die vorrangige Aufgabe einer Suchtrehabilitation "Alkohol- und Drogenabhängige(Link zum Infotext über Rauschgiftsucht)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/rauschgiftsucht/ zu entwöhnen und sozial zu reintegrieren. Schlaganfallpatienten müssen in einer neurologischen Rehabilitation unter anderem mithilfe von Logopäden die Sprache wiedererlangen oder in der Krankengymnastik den Gleichgewichtssinn trainieren.

Welche Formen der Rehabilitation gibt es?

Es gibt mehrere Gruppen: Die Frührehabilitation ist eine Sonderform, da diese bereits im Krankenhaus nach der Akutbehandlung stattfindet. Auf bestimmte Klinikbehandlungen – etwa einer Kniegelenksimplantation – folgen oft stationäre oder ambulante sogenannte Anschlussrehabilitationen als fester Bestandteil der Therapie. Bei Erwerbstätigen, bei denen die Gefahr eines Ausscheidens aus dem Berufsleben aus gesundheitlichen Gründen droht, können Reha-Leistungen auf Antrag von der Rentenversicherung erbracht werden. Bei Rentnern, denen die Pflegebedürftigkeit droht, kann ein niedergelassener Arzt eine medizinische Rehabilitation zulasten der Gesetzlichen Krankenkassen verordnen.

Was unterscheidet die Reha von einer Kur oder einem Wellnessaufenthalt?

Wellness-Angebote dienen dazu, die Gesundheit zu erhalten und fit zu bleiben. "Diese werden jedoch nicht ärztlich verordnet, sondern müssen aus der eigenen Tasche gezahlt werden", sagt der Rehabilitationsarzt Hoppe. Beim "Kurlaub" steht ebenfalls das Wohlbefinden – also Wellness – im Mittelpunkt. Der Begriff "Kur" werde heute – mit Ausnahme der Mutter-Kind-Kuren nicht mehr für Rehabilitationsleistungen verwendet, die von den Sozialversicherungen gezahlt werden und die genau definierten Qualitäts- und Ablaufvorschriften unterliegen.

Was sollte man vor dem Aufenthalt in der Reha-Klinik erledigen?

Um die Rehabilitation zu planen und auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen, benötigen die Mediziner und Therapeuten der Rehaklinik Ihre medizinischen Dokumente. Bitten Sie deshalb Ihren behandelnden Hausarzt, alle für Ihre Rehabilitation notwendigen Unterlagen zusammenzustellen und Ihnen für Ihren Klinikaufenthalt zu überlassen. Dazu gehören unter anderem: Arztbriefe, Krankenhausentlassungsberichte, Röntgenaufnahmen, EKG- und Labordaten, sonstige Befunde und - wenn vorhanden - die Dokumentationsbögen von Chronikerprogrammen, an denen Sie teilnehmen.
h4. Woran sollte man denken, wenn man den Koffer für den Klinikaufenthalt packt? Akute Erkrankungen können nicht immer in der Rehabilitationsklinik behandelt werden. Nehmen Sie deshalb Ihre Krankenkassen-Chipkarte mit, um sie einem anderen Arzt vorlegen zu können. Gemeinsam mit den medizinischen Unterlagen sollten Sie alle verschriebenen und bereits vorhandenen Medikamente einpacken, die Sie regelmäßig einnehmen. Arzneien, die Sie während ihrer Rehabilitation benötigen sollten, bekommen Sie von der Rehaklinik.

Welche Kleidung eignet sich für den Rehabilitationsaufenthalt?

Viele Kliniken und auch die Deutsche Rentenversicherung empfehlen Patienten, für einen Rehabilitationsaufenthalt Badebekleidung, Bademantel, schuhe und kappe, Trainingsoder Jogginganzug, festes Schuhwerk für Wanderungen, wetterfeste Kleidung wie Wind- oder Regenjacken, Regenschirm und Sonnenschutz mitzunehmen.

Wen sollte man über seine Rehabilitation informieren?

In jedem Fall sollten Sie Ihrem Arbeitgeber so früh wie möglich die bevorstehende Auszeit ankündigen. Das erleichtert Ihnen und Ihrem Vorgesetzten einen reibungslosen Übergang in die Reha.

Wo kann man sich informieren, ob man als Rehabilitant an alles gedacht hat?

Neben den "Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation", deren Aufgabe darin besteht, Betroffene und Angehörige zu beraten und in "allen Fragen der Rehabilitation" zu unterstützen, wie es auf der Website der Deutschen Rentenversicherung heißt, veröffentlichen auch die meisten Rehaklinken online eine Checkliste. Falls Sie auf der Klinik-Website keine Liste finden oder über keinen Internetzugang verfügen, können Sie direkt in Ihrer Rehaeinrichtung eine entsprechende Checkliste anfordern. Besteht für bestimmte Erkrankungen ein besonderer Bedarf für Rehamaßnahmen, senden Ihnen die Kliniken von sich aus Infoblätter zu, denen Sie die nötigen Informationen entnehmen können.



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