Fragen und Antworten zur Reha (II): Wer den Therapieaufenthalt bezahlt und die Nebenkosten trägt, welche Selbstbeteiligung auf Sie zukommt und wie Sie den Antrag stellen

Vor allem Rentenversicherung und Krankenkassen übernehmen die Rehabilitationskosten – und manchmal sogar noch mehr, wie zum Beispiel Haushaltshilfen.

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Grafik: Nils Klöpfel, Quelle: Statistisches Bundesamt

Wer bezahlt die Rehabilitation?

Die Kosten von genehmigten Rehabilitationsmaßnahmen übernehmen Leistungsträger, also die gesetzlichen Krankenkassen, die Deutsche Rentenversicherung (auf Bundes- oder Landesebene), die Berufsgenossenschaften und die Privaten Krankenversicherungen – letztere kommen nur für Anschlussheilbehandlungen auf. Daneben können auch die Agenturen für Arbeit, die Kriegsopferversorgung und -fürsorge sowie die öffentliche Jugendoder Sozialhilfe Leistungsträger sein.

Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?

Versicherte müssen sich an den Kosten ihrer Reha beteiligen. Bei den gesetzlichen Krankenkassen beträgt die Zuzahlung für eine Anschlussheilbehandlung (AHB) zehn Euro pro Kalendertag für maximal 28 Tage. Hierbei werden die in dem laufenden Kalenderjahr bereits geleistete Eigenbeteiligung für Krankenhausbehandlungen angerechnet. Ging also zum Beispiel der AHB ein zehntägiger Krankenhausaufenthalt voran, muss für die Reha nur noch für weitere 18 Tage zugezahlt werden. Bei medizinischen Rehabilitationen, die oft ohne eine vorherige stationäre Behandlung erfolgen, müssen die Rehabilitanden ebenfalls zehn Euro pro Kalendertag bezahlen. Frühere Zuzahlungen des Jahres werden jedoch nicht angerechnet. Allerdings gilt hier die allgemeine Belastungsgrenze von zwei Prozent der Bruttoeinkünfte des Patienten beziehungsweise einem Prozent bei chronisch Kranken. Ist die Rentenversicherung Leistungsträger der Rehamaßnahmen, zahlen die Patienten maximal zehn Euro pro Kalendertag für längstens 14 Tage bei einer AHB respektive 42 Tage bei einer medizinischen Reha pro Jahr zu.

Welche Anträge müssen ausgefüllt werden?

Prinzipiell gilt: Sowohl die Rentenversicherung als auch die gesetzlichen Krankenkassen werden nur auf Antrag tätig. Das Antragsverfahren unterscheidet sich allerdings je nach Kostenträger. Bei der Rentenversicherung beantragt der Versicherte selbst eine Reha. Allerdings empfiehlt Annette Carl vom Verein Berliner Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin, den Antrag gemeinsam mit dem behandelnden Mediziner auszufüllen, da dieser bei Fragen und Formulierungen helfen könne. Der Antrag wird durch eine Anlage zur Krankheitsgeschichte, die die Krankenkasse erstellt, sowie einen ärztlichen Befundbericht ergänzt. Bei Anträgen auf eine Entwöhnungsbehandlung ist zusätzlich noch ein Sozialbericht notwendig. Diese Formulare erhalten Patienten entweder im Internet auf den Seiten der Gesetzlichen Rentenversicherung oder in den Geschäftsstellen der Sozialversicherungsträger und der Krankenkassen. Die ausgefüllten Papiere könnten schließlich zusammen oder getrennt an den Leistungsträger geschickt werden, sagt Rehaärztin Carl, "und zwar sowohl von dem Patienten als auch von dem Arzt." Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben dagegen ein zweistufiges Antragsverfahren, bei dem nicht der Patient, sondern der Arzt die notwendigen Formulare ausfüllt: Laut Rehabilitationsrichtlinie beantragt er zunächst die "Einleitung von Leistungen zur Rehabilitation oder alternativen Angeboten" (siehe Kapitel III). Wird diese von der Kasse bewilligt, kann der Arzt anschließend eine medizinische Rehabilitation verordnen. Versicherte von Privaten Krankenversicherungen brauchen für ihre Reha keine speziellen Formulare auszufüllen. "Sie müssen jedoch wie üblich zuvor eine Kostenübernahme bei ihrer Versicherung beantragen", sagt Jens Wegner, Pressereferent des Verbandes der privaten Krankenversicherungen (PKV).

Wird von der Krankenkasse eine Art Gehaltsersatz für die Dauer der Reha bezahlt?

Im Krankheitsfall muss der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen weiter Gehalt zahlen. Anschließend kann er Übergangs- oder Krankengeld von seiner Versicherung bekommen, wenn er weiterhin krankgeschrieben ist. Bei den Privaten Krankenversicherungen (PKV) würde dieses nur mit einer zusätzlichen Krankentagegeldversicherung bezahlt, so PKV-Sprecher Jens Wegner. Während einer Reha betrifft diese Zahlung üblicherweise Versicherte der Deutschen Rentenversicherung (DRV), da diese die Reha für Berufstätige übernimmt. Sie beträgt 68 Prozent des Gehalts bei Patienten ohne Kinder, mit Kindern 75 und als Selbständiger 80 Prozent. Bei Arbeitslosen richte sich die Höhe der Finanzhilfe nach dem Arbeitslosengeld, sagt DRV-Sprecher Dirk von der Heide. Bei den gesetzlichen Krankenkassen wird auch Krankengeld gezahlt, und zwar 70 Prozent des Gehalts über maximal 78 Wochen alle drei Jahre.

Was ist, wenn Kinder während der Reha versorgt werden müssen?

Generell gibt es zwei Möglichkeiten für die Versorgung der Kinder während einer Reha: Kinder können entweder mit in die Reha kommen oder zu Hause von einer Haushaltshilfe betreut werden. Die Kosten dafür übernehmen die Deutsche Rentenversicherung und – mit Zuzahlung – die gesetzlichen Krankenkassen. Dafür müssen einige Voraussetzungen stimmen: Die Leistung gilt nur für Kinder unter zwölf Jahren oder für behinderte Kinder. In einigen Rehakliniken wird Kinderbetreuung angeboten, manche haben Kooperationsverträge mit Kitas oder Schulen in der Nähe, wo die Sprösslinge der Rehabilitanden tagsüber untergebracht sind.

Stellt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe für das Kind?

Beim Antrag für eine Haushaltshilfe gilt: Eine Kostenübernahme ist möglich, wenn keine andere Person im Haushalt auf die Kinder aufpassen kann. Die Haushaltshilfe kann selbst ausgewählt werden, darf aber nicht verwandt oder verschwägert (bis zum zweiten Grad) mit dem Versicherten sein. Die vom Patienten zu tragende Zuzahlung belaufe sich bei den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auf fünf bis zehn Euro pro Tag, so Ann Marini, Sprecherin des GKVSpitzenverbands. Wenn Verwandte einspringen, zahle die GKV die Fahrtkosten und den Verdienstausfall. Aber nur, wenn das nicht teurer wird als eine Haushaltshilfe.

Können Begleitpersonen in die Reha mitkommen?

Auch andere Personen können den Patienten zur Reha begleiten. "Behinderte mit ständigem Betreuungsbedarf können zum Beispiel eine Begleitperson mitnehmen, wenn diese in der Reha therapeutische Verfahren einüben soll und das nicht am Wohnort möglich ist", so GKV-Sprecherin Ann Marini.



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