Fragen und Antworten zur Reha (VI): Wie man die Qualität der Therapie misst und wie das bei der Wahl der besten Einrichtung hilft

Um die Güte der Rehabehandlung beurteilen zu können, werden vor allem die Patienten zu ihrer Zufriedenheit befragt und Experteninterviews zur medizinischen Qualität geführt.

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Ein Qualitätsindikator: Wie zufrieden waren die Patienten mit der Reha-Organisation? / Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wie misst man die Therapiequalität der Rehabilitation?

Das deutsche Gesundheitssystem ist gut überwacht – Fachleute sprechen von qualitätsgesichert. Das gilt auch in der Rehabilitation. So hat die Deutsche Rentenversicherung, die die Rehakosten für Berufstätige trägt, ein Prüfsystem etabliert, das verschiedene Indikatoren, die die Qualität sichtbar machen sollen, misst. Bisher lagen diese Auswertungen meist unter Verschluss. Doch nun werden sie erstmals in den Vergleichstabellen des Rehaführers Berlin-Brandenburg für alle beteiligten Rehazentren veröffentlicht.
Einer dieser Indikatoren ist die Meinung der Patienten. Dazu werden je Fachabteilung der Rehaeinrichtung monatlich 20 zufällig ausgewählte Rehabilitanden acht bis zwölf Wochen nach Abschluss der Behandlung schriftlich befragt, wie zufrieden sie mit der Reha waren und ob sie durch die Reha eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes (subjektiver Behandlungserfolg) feststellen konnten. Die Ergebnisse fließen in eine Gesamtauswertung ein, die die Rehaeinrichtung in der Regel einmal jährlich erhält – wenn im Berichtszeitraum eine Mindestzahl von Rehabilitanden geantwortet hat. Für eine Auswertung der Zufriedenheit mit der Reha müssen danach mindestens 35 Patienten geantwortet haben, für die Auswertung zum subjektiven Behandlungserfolg mindestens 20.
Die Rehabilitandenbefragung als Qualitätsparameter wurde 1997 zunächst für die stationäre Reha eingeführt. 2009 folgte die ambulante Sucht-Entwöhnung. Für die übrigen Fachabteilungen der ambulanten Zentren begannen die Befragungen im Oktober 2010, so dass hier erste Ergebnisauswertungen ab 2012 vorliegen werden. Geplant ist demnächst auch die Befragung von Patienten in der Kinder- und Jugendreha.
Außerdem lässt die Rentenversicherung eine Stichprobe von Entlassungsberichten der Patienten, in denen unter anderem die Erhebung der Krankengeschichte und die durchgeführten Therapien in der Reha dokumentiert werden, von externen Ärzten auf Mängel prüfen. Je mehr Mängel bei der Anamnese oder bei den Therapien entdeckt wurden, desto weniger Qualitätspunkte erhält die Einrichtung. Damit sollen Schwachstellen im Rehaprozess aufgedeckt werden. Diese Erhebung ist allerdings bei einigen Rehabetreibern umstritten. Sie beklagen, dass die beurteilenden Ärzte von der Konkurrenz kommen und dass sie außerdem nur nach Aktenlage urteilten.
Darüber hinaus installiert die Rentenversicherung derzeit vier weitere Messinstrumente für die Rehaqualität, darunter ein Indikator für die langfristige Qualität (sozialmedizinischer Verlauf nach der medizinischen Rehabilitation). Dabei wird erhoben, wie viele Rehabilitanden bis zu zwei Jahre nach der Reha im Erwerbsleben verblieben oder durch Berentung oder Tod ausgeschieden sind. Ein weiteres Instrument ist die Rehabilitandenstruktur. Dabei wird dokumentiert, wie alt die Rehabilitanden einer Klinik sind, welche Schulabschlüsse sie erreicht haben oder ob sie neben der Hauptdiagnose unter weiteren Erkrankungen leiden. Dieses Instrument ist wichtig, um die Qualitätsdaten fair vergleichbar zu machen. Denn das durchschnittliche Alter der behandelten Patienten, deren Bildungsniveau oder Nebenerkrankungen beeinflussen die Qualitätsergebnisse. Behandelt etwa eine Klinik in der Regel hochbetagte und schwer Kranke, sehen die Ergebnisse der Zufriedenheit mit der Reha ganz anders aus, als bei Behandlungszentren, die vorwiegend junge Patienten mit einer Sportverletzung rehabilitieren. Mit Hilfe der Rehabilitandenstruktur lassen sich die Ergebnisse interpretieren und in fair vergleichbare Daten umrechnen.
Auch die Gesetzlichen Krankenkassen, die die Reha für die nicht Berufstätigen finanzieren, haben mit dem QS-Reha ein eigenes Kontrollsystem aufgebaut. Dieses System pausiert aber derzeit, so dass hierfür keine aktuellen Auswertungen vorliegen. Die letzte Datenerhebungsrunde war 2007. Man müsse das System an die durch die Gesundheitsreform geänderten Gesetze anpassen, heißt es bei den Kassen. Zudem laufe eine europaweite Ausschreibung, um eine unabhängige Auswertungsstelle für die Daten aufzubauen.

Wie können die Qualitätsdaten dem Patienten bei der Auswahl der am besten für sie geeigneten Rehaklinik helfen?

Die Qualitätsdaten, die die Rentenversicherung erheben, sind bisher nicht allgemein öffentlich zugänglich. Der Redaktion des Portals gesundheitsberater-berlin.de ist es gelungen, die Rehakliniken in Berlin und Brandenburg davon zu überzeugen, diese Daten freiwillig offenzulegen. In den Vergleichstabellen zu den einzelnen Krankheitsbildern finden Sie diese Angaben zur Rehabilitationsqualität, sofern diese aus dem Verfahren der Deutschen Rentenversicherung vorliegen. Denn nicht alle Rehaeinrichtungen verfügen über solche Qualitätsangaben. Das hat verschiedene Gründe. So ist die Rentenversicherung derzeit der einzige Kostenträger, der Qualitätsdaten aus der Reha zentral erhebt und damit vergleichbar macht. Das entsprechende Verfahren der Gesetzlichen Krankenkassen pausiert gerade. Deshalb liegen auch nur für diejenigen Häuser, die Versicherte der Rentenkasse betreuen, solche Ergebnisse vor. Ein anderer Grund: Für die meisten ambulanten Rehazentren wurden bis vor kurzem keine Rehabilitandenbefragungen durchgeführt.
Für den Rehavergleich auf gesundheitsberater-berlin.de wurden die - aus Patientensicht - drei aussagekräftigsten und verständlichsten Angaben ausgewählt. Das sind zum einen zwei Ergebnisse aus den regelmäßigen Rehabilitandenbefragungen: 1) wie zufrieden waren die Befragten mit der Reha im Allgemeinen und 2) stellten sie subjektiv eine Besserung ihres Gesundheitszustandes durch die Behandlung fest? Zum 3) werden die Ergebnisse des sogenannten Peer-Review-Verfahrens dargestellt. Dabei bewerten medizinische Experten aus anderen Rehaeinrichtungen die Entlassungsberichte, also ob es zum Beispiel in den im Bericht dokumentierten Therapiemaßnahmen Mängel gab.

Welche Aussagen erlauben Zertifizierungen für das Qualitätsmanagement?

Die Rentenversicherung (DRV) schreibt für stationäre Rehaeinrichtungen vor, dass ihr Qualitätsmanagement zertifiziert sein müsse. Für den ambulanten Bereich ist das bisher noch nicht obligatorisch. Viele Rehakliniken – auch die, die mit der DRV keinen Versorgungsvertrag haben – unterziehen sich freiwillig einer solchen aufwendigen Zertifizierung, die sich hinter diversen Abkürzungen wie QMSReha, deQus, KTQ, Degemed und vielen anderen verbirgt. Es gibt derzeit 26 von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) anerkannte Zertifikate, die etwa festlegen, welche Arbeits- und Brandschutzbestimmungen es gibt, wie mit Fehlern umgegangen werden soll oder dass ein Beschwerdemanagement existiert. Diverse Prüfinstitute wie Tüv, Dekra oder Procumcert vergeben dann die Siegel. Zertifikate zeigen also an, ob das Qualitätsmanagement unabhängig geprüft wurde. Sie machen jedoch keine Aussage über die Behandlungsqualität an sich.



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