Wirbelsäulendeformationen: Wie Moorbäder gegen Schmerzen im Rücken helfen - Interview mit einer Orthopädiechefärztin

Spondylopathien sind Veränderungen an Rückenwirbeln, die schmerzhaft die Bewegungen beeinträchtigen.

Gudrun Zander, Chefärztin der Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde

Foto: promo

Frau Zander, was sind Spondylopathien?
Als Spondylopathien bezeichnet man verschiedene Formen von Veränderungen an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, die Beschwerden verursachen. Es gibt degenerative Spondylopathien wie die Spondylose und die Spondylarthrose oder entzündliche wie die Wirbelsäulenversteifung Spondylitis ancylosans, die auch als Morbus Bechterew bezeichnet wird und zu den entzündlichen rheumatischen Erkrankungen gehört. Daneben exisitieren auch traumatische Spondylopathien sowie infektiöse, bei denen Krankheitserreger wie zum Beispiel Tuberkulose- oder Brucellosebakterien die Ursache sind.

Welche Formen der Wirbelkörper-Degeneration sind besonders oft zu beobachten?
Am häufigsten dürfte die Spondylose sein: Wenn im Laufe des Lebens die schützende Knorpelschicht an den Wirbelkörpern und die Bandscheibe zwischen ihnen abnehmen, bildet der Organismus quasi als Reparaturmaßnahme Verknöcherungen an den Wirbelkörpern. Diese gleichen zwar die durch den Knorpelschwund wachsende Instabilität des Rückens aus, verschlechtern aber auch dessen Beweglichkeit. Auf Röntgenaufnahmen zeigen sich diese Veränderungen deutlich als angebaute Kanten oder Zacken am Rand der Wirbelkörper. Ähnliche Veränderungen können sich auch an den kleinen Zwischenwirbelgelenken abspielen. Dann spricht man von einer Spondylarthrose, die ebenfalls eine häufige Form der Wirbelkörper-Degeneration ist.

Wie machen sich die Kanten und Zacken an den Wirbelkörpern bemerkbar?
Die zusätzlichen Verknöcherungen schränken die Bewegungsfähigkeit ein. Das heißt zum Beispiel, dass sich der Betroffene immer schlechter bücken kann. Außerdem können die neugebildeten Kanten so weit in den Wirbelkanal hineinragen, dass sie Rückenmark und Nervenstränge einengen. Dies verursacht starke, in die Gliedmaßen ausstrahlende Schmerzen. Auch neurologische Ausfallerscheinungen wie etwa Taubheitsgefühle oder Muskelschwächen können auftreten.

Wie werden Spondylopathien behandelt?
Akute Schmerzen behandeln die Ärzte meist mit Schmerzmitteln oder natürlichen Heilmitteln wie beispielsweise Wärme. Dies kann sowohl ambulant als auch stationär geschehen. Treten zusätzlich Taubheitsgefühle und leichte Muskellähmungen auf, wird zunächst ebenfalls ein konservativer Behandlungsansatz versucht. Verschlimmern sich die Muskellähmungen jedoch oder funktionieren Mastdarm und Blase nicht richtig, so dass Stuhlgang und Wasserlassen nicht möglich sind, ist eine Operation unumgänglich. Dabei werden dann die unerwünschten knöchernen Zacken abgetragen und das Rückenmark und die Nerven dadurch entlastet. Auf eine solche Behandlung im Krankenhaus folgt meist eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Einrichtung.

Was genau geschieht bei einer Reha?
Eine Rehabilitation bei diesen Rückenleiden ruht auf drei wesentlichen Säulen. Die erste sind balneophysikalische Behandlungen. Der Begriff Balneotherapie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Bäderbehandlung – es handelt sich also um schmerzlindernde und entspannende Maßnahmen, die in der Wanne oder auch als Packungen stattfinden. Dazu zählen zum Beispiel Moorbäder: Der gelöste Torf enthält viele wertvolle Stoffe wie zum Beispiel Schwefel, der ein immer wieder notwendiger Baustein der schützenden Knorpelschicht ist. Der Körper nimmt ihn beim Bad in seinen Blutkreislauf auf und transportiert ihn zum Knorpel. Als Bestandteile der physikalischen Therapie kommen zudem häufig Massagen oder Verfahren mit elektrischem Strom zum Einsatz. Die zweite und wichtigste Säule besteht aus Bewegungstherapien, und zwar vor allem aus Gymnastik. Diese dient dazu, die Muskeln eines Patienten zu kräftigen. Denn um die Wirbelkörper zu entlasten, braucht man eine starke Rückenmuskulatur. Am effektivsten ist es dabei, die Gymnastikübungen abwechselnd an Land und im Wasser durchzuführen.

Und die dritte Säule?
Das Gesundheitstraining. Hier lernen die Patienten ihren Körper kennen und erfahren mehr über ihre Erkrankung: Über deren Ursachen genauso wie darüber, wie sie Risikofaktoren wie schmerzverstärkende Belastungen, Stress oder Übergewicht vermeiden können. Denn beispielsweise neigen Menschen mit Übergewicht dazu, ins Hohlkreuz zu gehen – eine Haltung, die dann zusätzlichen Druck auf die durch den Knorpelschwund ohnehin schon belasteten Rückenwirbel ausübt. Sie lernen also auch, was sie tun könnte, um erneuten Beschwerden entgegenzuwirken. Deshalb sind die Rückenschule und ein Arbeitsplatztraining immer wichtige Bestandteile des Gesundheitstrainings.

Was geschieht dort?
Im Alltag verlernen viele die richtige Körperhaltung und auch der Arbeitsplatz ist nicht immer rückenfreundlich eingerichtet. In der Rückenschule erfahren die Rehabilitanden, welche Körperhaltungen natürlich und gesund sind, wie sie also ihren Rücken im täglichen Leben schonen und stärken können – beim Stehen, Sitzen oder auch, wenn sie sich bücken, um etwas aufzuheben. Beim Arbeitsplatztraining wird den Patienten gezeigt, wie sie ihren Arbeitsplatz am besten einrichten, also so, dass ihr Rücken möglichst wenig belastet wird. Es geht dabei zum Beispiel um Fragen wie: Wie stelle ich meinen Stuhl richtig ein? Wo platziere ich meinen Computer- Monitor? Und wo die Tastatur?

Können bei den Behandlungen Komplikationen auftreten?
Richtige Komplikationen, bei denen Körperschäden auftreten, eigentlich nicht. Aber es sind durchaus Therapieunverträglichkeiten möglich, wenn zum Beispiel ein Patient auf Inhaltsstoffe der Bäder allergisch reagiert. Auch können einzelne Bewegungen zu große Schmerzen bereiten. Diese sind als Warner immer zu respektieren. Es kommt zudem häufig vor, dass sich die Rückenleiden während der Reha periodisch verbessern und verschlechtern.



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