Rat und Tat: Wie wird eine Mutter-Kind-Kur beantragt?

Wer berät, wie sieht der Antrag auf eine Kur aus und was tun bei einer Ablehnung.

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Mutter-Kind-Kuren zählen seit April 2007 zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen. / Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Beratung

Das Müttergenesungswerk berät bundesweit in 1300 Servicestellen - auch zu Mutter-Kind-Kuren. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie unter www.muettergenesungswerk.de oder telefonisch unter der Rufnummer (030) 3300 2929.

In der Beratung erhalten Sie ein Attestformular. Dieses sollten Sie zu dem für die Antragstellung notwendigen Arztbesuch mitnehmen. Der Arzt sollte die darin formulierten Fragen möglichst ausführlich beantworten. Den Vordruck für das Attest und Ausfüllhinweise finden Sie auch auf der Website des Müttergenesungswerkes.

Antragstellung

Mit dem ausgefüllten Attest können Sie nun den Antrag für eine Mutter- oder eine Mutter-Kind-Kur bei Ihrer Krankenkasse stellen. In der Beratungsstelle des Müttergenesungswerkes können Sie die weiteren notwendigen Unterlagen mit Hilfe eines Beraters ausfüllen und sich dort auch über die Mutter-Kind-Kliniken Ihrer Wahl informieren. 49.000 Mütter und 71.000 Kinder nahmen 2013 an Kurmaßnahmen im Müttergenesungswerk teil. Dies
ist ein Anstieg von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, teilte das Müttergenesungswerk mit.

Auswahl der Klinik

Sie besitzen auch in der Rehabilitation ein Wunsch- und Wahlrecht für eine Klinik. Die Krankenkasse kann Ihren Klinikwunsch nur in begründeten Ausnahmefällen ablehnen.

Widerspruchsrecht

Rund 140 Rehakliniken bieten in Deutschland Mutter-Kind-Kuren an. Doch das Müttergenesungswerk, Dachorganisation der 77 für gesetzlich Versicherte anerkannten Einrichtungen, sieht seit Jahren die Arbeit der Rehakliniken bedroht. Schuld daran seien die Krankenkassen. Diese lehnten zu häufig Kuranträge ab – nicht selten unter fadenscheinigen und rechtswidrigen Gründen, so der Vorwurf. Nach den Zahlen des Vereins, der in bundesweit 1300 Beratungsstellen zur Wahl einer Kur berät und bei der Antragsstellung begleitet, wurden im Jahr 2013 14 Prozent der Anträge im ersten Anlauf abgelehnt - 2011 lag diese Quote sogar noch bei 35 Prozent. Dass die Quote aber immer noch zu hoch sei, erkenne man bereits an der Zahl der erfolgreichen Widersprüche gegen abgelehnte Anträge, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes. Im Jahr 2013 wurde in 65 Prozent der Fälle den Widersprüchen stattgegeben. "Den Müttern, die oft dringend Hilfe benötigen, raubt das aber einfach Zeit, Nerven und Kraft", sagt Schilling.

„Die am häufigsten genannten Ablehnungsgründe sind der Verweis auf ambulante Maßnahmen oder das Nichtanerkennen der medizinischen Notwendigkeit", sagt Schilling. Jeder sechste der Abgelehnten würden – meist zu Unrecht – an den Rentenversicherungsträger verwiesen, der bietet allerdings Mutter-Kind-Kurmaßnahmen nicht an.

Der Widerspruch muss innerhalb einer Frist von vier Wochen eingelegt werden. Die Krankenkasse seien angehalten, zügig über den Widerspruch zu entschieden. Seit Änderung der Begutachtungs-Richtlinie des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen hat sich die Bewilligungssituation bei Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen deutlich verbessert. "59 Prozent der Mütter, die eine Ablehnung auf ihren Kurantrag erhalten haben, gehen in den Widerspruch, zwei von drei betroffenen erfolgreich."

Sollte Ihr Kurantrag nicht bewilligt werden, können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen. Beachten Sie dazu auch die gesetzlich vorgeschriebene Rechtsbehelfsbelehrung, die dem Ablehnungsschreiben beigefügt sein muss. Auch beim Widerspruch steht Ihnen die Beratungsstelle des Müttergenesungswerkes zur Seite.

Vater-Kind-Kuren

Bundesweit machen nach Angaben des Müttergenesungswerkes jährlich nur rund 900 meist alleinerziehende Väter mit ihren Kindern eine vater-Kind-Kur. Väter können deutschlandweit in alle Rehabilitationseinrichtungen, die auf Mutter-Kind-Kuren ausgerichtet sind, eine Reha wahrnehmen.



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