Krankhaftes Bettnässen: Nicht immer sind psychische Ursachen schuld

Wenn bei Kindern der Urindrang zur Krankheit wird, liegt das nicht nur an der Psyche. Häufig ist eine verzögerte Entwicklung der Harnblase die Ursache

Dass Kleinkinder ins Bett machen, ist normal. Doch irgendwann wird das Einnässen (medizinisch Enuresis), zu einer Krankheit.

Ab wann ist eine Behandlung nötig?

Das Einnässen gehöre zu den häufigsten Störungen im Kindesalter, sagen Experten. Etwa ein Viertel der Vierjährigen braucht nachts noch Windeln, ebenso wie jeder zehnte Siebenjährige und ein bis zwei Prozent der älteren Kinder. Zwei Drittel der Betroffenen sind Jungen. Bis zum fünften Lebensjahr sei der gelegentliche, unfreiwillige Verlust von Urin – ob nun tagsüber oder nachts – völlig normal, heißt es von der Deutschen Kontinenzgesellschaft. Das nächtliche Einnässen sei erst dann behandlungsbedürftig, wenn das Kind älter als sechs Jahre ist und öfter als zwei Mal monatlich ins Bett macht, ohne dass dafür eine organische Ursache vorliegt. In den betroffenen Familien werde das Thema noch immer häufig auch im engsten Kreis verschwiegen, heißt es bei der Fachgesellschaft.

Was sind die Ursachen?

Viele Eltern führten die Störung meist auf psychische Probleme zurück, doch das sei oft falsch. So zumindest sieht es die Fachgesellschaft. Häufig sei zum Beispiel eine verzögerte Entwicklung der Harnblase schuld. Enuresis kann aber zu starken psychischen Problemen führen. Die Betroffenen leiden darunter, fühlen sich als Versager. "Einige werden von Schulkameraden gehänselt, besonders wenn das Einnässen auch tagsüber auftritt, oder trauen sich nicht mehr auf Klassenfahrten", sagt Maike Pellarin, Chefärztin der AHG-Klinik für Kinder und Jugendliche Beelitz-Heilstätten.

Wie wird das Einnässen in der Rehabilitationsklinik therapiert?

Die Kinder lernen, den Körper und die anatomischen Vorgänge beim Wasserlassen besser wahrzunehmen und mit speziellen Muskelübungen die Blasenfunktion zu kontrollieren. Aber auch die psychotherapeutische Betreuung gehört dazu. "Wir kümmern uns um Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, helfen dabei, dass Scham und Peinlichkeit nicht überhand nehmen und bestätigen Erfolgserlebnisse", sagt AHGChefärztin Pellarin. Die Rehabehandlung einer Enuresis dauert sechs Wochen. "Eine Heilung ist in dieser Zeit nur bei einem Teil der Kinder zu erzielen", sagt Pellarin. Deshalb müssten die Eltern in die Behandlung einbezogen werden, damit sie diese zu Hause fortsetzen könnten. "Wir empfehlen, regelmäßig den Kinderarzt aufzusuchen."

Was können Eltern tun?

Die Kontinenzfachgesellschaft rät, auf die Trinkgewohnheiten des Kindes zu achten: Viele Heranwachsende trinken tagsüber zu wenig – das verzögere die Entwicklung der Blase. Wird am Abend "nachgetrunken", ist die Harnblase überlastet: das Bettnässen wird begünstigt. Außerdem sollte das Kind von einem Kinderurologen untersucht werden: Der kann organische Ursachen der Erkrankung ausschließen. Die Untersuchungen seien für die Kleinen nicht schmerzhaft.



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