Altersheilkunde: Geriatrische Rehabilitation in der eigenen Wohnung

Bei der mobilen geriatrischen Rehabilitation findet die Therapie bei den schwer erkrankten Patienten zu Hause statt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Für Haltegriffe und Hilfsmittel sorgen geriatrische Reha-Kliniken, aber auch zu Hause muss sturzfreies Laufen geübt werden. / Foto: Kitty Kleist-Heinrich (2), Kai-Uwe Heinrich

Aufstehen und zur Toilette gehen: Für Senioren in einer geriatrischen Rehabilitation stellt das eine Herausforderung dar, die geübt werden muss. Ein Sturz könnte in dem hohen Alter der Patienten fatale Folgen haben. Doch gerade zu Hause lauern überall Stolperfallen. Deshalb haben die gesetzlichen Krankenkassen 2007 ein neues Reha-Angebot in ihren Leistungskatalog aufgenommen: Die mobile geriatrische Rehabilitation.

Was passiert bei der mobilen geriatrischen Rehabilitation?

Zu Beginn der Reha legt ein Arzt, wie bei einer stationären oder ambulanten Reha auch, einen Therapieplan fest. Pro Woche finden sechs bis zehn Therapieeinheiten statt, die jeweils 45 bis 60 Minuten dauern. Das mobile Therapeuten-Team fährt dafür zur Wohnung des Patienten. Dort finden die üblichen Anwendungen statt, wie Physio- und Ergotherapie oder Logopädie. Auch Psychotherapie und Sozialberatung gehören dazu. Je nach Zustand des Kranken werden die Einheiten über mehrere Tage verteilt. Das Team bringt die benötigten Hilfsmittel für die Reha zu jedem Besuch mit. Doch das wichtigste Hilfsmittel ist die Wohnung selbst: Hier kann gezielt geübt werden, den alltäglichen Hindernisparcours aus Teppichen und Treppen zu überwinden. Bei den Rehabehandlungen sollte auch eine Bezugsperson des Patienten mit dabei sein, die nach Abschluss der Reha die Übungen in Alltagssituationen fortsetzen und festigen kann. "Die Behandelten machen durch diese Reha enorme Fortschritte, weil die Therapien Alltagsrelevanz haben. Das fördert auch die Motivation", sagt Thomas Wurm, Koordinator der mobilen geriatrischen Rehabilitation am Wichernkrankenhaus des evangelischen Johannesstifts. "Wir hatten mal eine Patientin, die schwer dement war und an "Parkinson(Link zum Infoartikel)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/parkinson/ litt. Sie war nicht rehabilitierbar, nicht ansprechbar. Zusammen mit ihrem Ehemann hat sie im häuslichen Umfeld wieder laufen und sprechen gelernt. Zum Schluss verabschiedete sie die Kollegen mit selbstgemachten Buletten. Das war ein unglaublicher Reha-Erfolg."


Für wen ist das Angebot sinnvoll?

Diese neue Form der Reha schließt eine Lücke für Patienten, die zwar eine geriatrische Reha benötigen, aber weder für eine stationäre noch eine ambulante Reha in Frage kommen. Das sind Senioren mit Bewegungseinschränkungen, seelischen Leiden, starken Sinnesbehinderungen oder Einschränkungen in der Kommunikationsfähigkeit. Gerade solche Menschen müssen sich wieder in ihrer Wohnung zurechtfinden können, weshalb die Reha-Übungen idealerweise eben genau dort stattfinden. Das trifft beispielsweise auf "Schlaganfall-Geschädigte(Link zum Infoartikel)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/schlaganfall--4/ oder an Demenz Erkrankte zu. Diese Patienten waren bisher nur bedingt rehabilitationsfähig.
Eine andere, besonders für die mobile Reha geeignete Gruppe, sind Menschen, die sich mit bestimmten multiresistenten Keimen infiziert haben und damit eine Gefahr für andere Patienten darstellen. Sie können in Krankenhäusern nur abgeschirmt behandelt werden. Mit der mobilen Reha könne man diese Patienten zu Hause therapieren, wo sie sich ungehindert bewegen könnten, sagt Thomas Wurm vom Wichernkrankenhaus.

Was muss man tun, um diese Reha zu bekommen?

Der Klinikarzt oder Hausarzt stellt den Antrag bei der Krankenkasse. Meist wird die mobile geriatrische Reha als Anschlussheilbehandlung verordnet, das heißt, ein Klinikaufenthalt ging ihr voraus. In diesem Fall zahlt die Krankenkasse. Dorothee Binder-Pinkepank, Sprecherin des Ersatzkassenverbands, sagt: "Zunächst ist die mobile Reha teurer als eine ambulante oder stationäre. Doch die Motivation der Kassen ist, auch sonst nicht rehafähigen Personen eine Reha zu ermöglichen." So ließen sich auch spätere Kosten beispielsweise für Klinikbehandlungen oder Pflegeheime vermeiden. Etwa durch das Training, Stürze zu vermeiden, sind die Senioren mobiler und für den Alltag im eigenen Zuhause gewappnet.
h4. Ist die Behandlung überall in Berlin und Brandenburg möglich? Anders als in weiten Teilen Deutschlands gibt es in Berlin und Brandenburg vergleichsweise viele Einrichtungen, die eine solche Reha anbieten. Zwei Kliniken in der Hauptstadt und eine in Brandenburg versorgen ihre Region mit der mobilen geriatrischen Reha. Das evangelische Krankenhaus Gottesfriede im brandenburgischen Woltersdorf war eine der ersten Einrichtungen bundesweit, die auf das Bedürfnis nach mobiler Reha einging. Ebenfalls dabei ist seit 2008 die Median Klinik in Berlin-Mitte und 2011 reihte sich das Wichernkrankenhaus des Evangelischen Johannesstifts in Berlin-Spandau ein. Alle verfügen bereits über eine Geriatrie-Station im Haus. Deshalb sind Ärzte und Therapeuten schon vorhanden, sie müssen nur noch ins Auto steigen.



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