Herta Thärigen, 84 (Katarakt-Operation)

Auf dem rechten Auge erblindet, links nur noch 40 Prozent Sehkraft: Herta Thärigen entschloss sich zu einer Katarakt-OP. Seitdem sieht sie links wieder zu 100 Prozent.

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Foto: Mike Wolff


Herta Thärigen, 84


Diagnose: Grauer Star

Behandlung: Kataraktoperation

Praxis: Praxis Schwarz/Dr. Kuhlicke, Warschauer Straße 36–38, 10243 Berlin


Vorgeschichte:

Ihre 84 Jahre sieht man Herta Thärigen nicht an. Dennoch hat sich das Alter bei der Berlinerin bemerkbar gemacht. Thärigens Augen wurden mit den Jahren schwächer, verschiedene Leiden wechselten sich ab. Schon 1992 musste sich Thärigen einer Augenoperation unterziehen. In einer großen Berliner Klinik wurde sie wegen einer Netzhautablösung am rechten Auge behandelt. Doch das Auge blieb anfällig, Thärigen erblindete schließlich auf der rechten Seite.

Wie bei den meisten Betroffenen trat das Leiden auch bei ihr erst im Rentenalter auf. Zuvor arbeitete Thärigen 25 Jahre lang in der Mollstraße in Mitte als Pressestenografin, einen Beruf, den es heute kaum noch gibt. Damals tippten Stenografen die Texte der Reporter ab, die ihre Geschichten in die Redaktionszentrale per Telefon durchgaben. In der Mollstraße saß der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ADN), die staatliche Nachrichten- und Bildagentur der DDR.

Der ADN nahm eine Monopolstellung bei der Belieferung von Zeitungen und Sendern der DDR mit überregionalen Berichten ein. Bildschirme gab es übrigens erst kurz bevor Herta Thärigen 1985 in Rente ging. Ihr Mann ist vor vier Jahren verstorben, der gemeinsame Sohn wurde Ingenieur.


Behandlung:

Bei nur etwa 40 Prozent lag zuletzt die Sehkraft auf ihrem verbliebenen linken Auge. Anfang November dann hat sich Thärigen entschlossen, es mit einer OP zu probieren. Wenn man nur noch ein funktionierendes Auge habe, sei auch ein relativ risikoarmer Standardeingriff psychologisch sehr belastend, erklären Ärzte. “Mein Sohn hat mir Mut gemacht”, sagt Thärigen.

In einer Praxis wollte sie deshalb operiert werden, weil Thärigen für die vielen Keime in Krankenhäusern anfällig ist. Die OP selbst dauert keine 30 Minuten. Ihr Sohn hat sie danach mit dem Auto abgeholt. In ihren Augenverband hatten die Ärzte ein transparentes Guckloch eingefügt – schließlich hat sie nur das linke Auge.


Das Leben danach:

Nach der OP merkt Herta Thärigen erst, wie viel ihr in den vergangenen Jahren entgangen ist: “Ich war überrascht, plötzlich sah ich all die Farben, diese intensiven Farben.” Das Sehvermögen ihres linken Auges heute: 100 Prozent.


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