Sportunfälle: Jugendliche Sportler riskieren Brüche durch Ermüdung der Knochen

Besonders junge Sportler riskierten mit Knochenbrüchen und Gelenkverschleiß auch langfristig ihre Gesundheit, warnt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Bei der Therapie dieser Verletzungen müsse auf das noch zu erwartende Wachstum der Knochen und Muskeln geachtet werden.


Sportunfälle sind nach häuslichen Verletzungen die zweithäufigste Verletzungsursache in Deutschland. Mehr als fünf Prozent der sportlich aktiven Deutschen erleiden innerhalb eines Jahres eine Sportverletzung, so die DGOOC . Männer unter 30, die mehr als vier Stunden Sport pro Woche treiben, sind am meisten gefährdet. Im jugendlichen Alter verursache in mehr als der Hälfte der Fälle Überlastung die Beschwerden: Orthopäden und Unfallchirurgen stellten 42 Prozent aller Stressfrakturen allein bei jungen Menschen zwischen 15 und 19 Jahren fest. Knorpelschäden beim Jugendlichen und beim jungen Erwachsenen beinhalteten stets das Risiko eines frühzeitigen Gelenkverschleißes, müssten frühzeitig erkannt und adäquat behandelt werden. Bei einer Operation gelte es, wachstumsbedingte Unterschiede zwischen Jugendlichen und Erwachsenen zu beachten. Ansonsten drohe eine Fehlstellung der betroffenen Gliedmaßen.

So gesund Sport und Bewegung sind, Sportverletzungen erleiden vor allem die Menschen, die regelmäßig aktiv sind: Sie verletzen sich fast doppelt so häufig beim Sport wie Nicht-Aktive. Besonders schwere Folgen könnten Sportverletzungen bei jungen Menschen haben, sagt Gerhard Bauer, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Sportklinik Stuttgart. Denn ihre Knochen und Muskeln befänden sich noch im Wachstum. Bei einer Kreuzband-Operation etwa müssten Orthopäden und Unfallchirurgen daher unbedingt offene Wachstumsfugen bei der Auswahl der OP-Technik berücksichtigen. Nur so können sie einen vorzeitigen Fugenschluss oder eine Fehlstellung der Gliedmaßen nach der Operation verhindern.

Eine häufige Folge wiederholter Überlastung junger Sportler sind Knorpelschäden an den Gelenken. Ist die Knorpelschicht völlig zerstört, liegt der Knochen frei. Das ist sehr schmerzhaft. Da Knorpelgewebe über keine eigene Blutversorgung verfügt, gibt es nur begrenzte Heilungschancen. Unbehandelt bedeute eine solche Verletzung das Aus für die Sportkarriere. Orthopäden regten bei Erwachsenen den Heilungsprozess an, indem sie den unter dem Knorpel liegenden Knochen anrauhen oder anbohren. Noch effektiver sei eine Knorpelzelltransplantation, sagt Bauer. Dabei verpflanzten Ärzte im Labor gezüchtete Knorpelzellen des Patienten an die Stelle des Knorpeldefekts.

Bei Jugendlichen sei diese Therapie jedoch noch nicht anwendbar, sagt Bauer. Denn man wisse nicht, ob eine solche Transplantation ein Krebsrisiko darstelle. Langzeitstudien hierzu stünden noch aus. Um Überlastungsschäden oder Verletzungen an den Gelenken beziehungsweise Sehnen oder Bändern zu verhindern, seien regelmäßige Erholungsphasen bei jungen Sportlern daher unerlässlich, so Bauer.

Untersuchungen des German National Health Surveys ergaben, dass Ballsportarten die meisten Sportschäden verursachen: Junge Männer unter 30 Jahren seien daher am häufigsten betroffen. Denn 44 Prozent der befragten Männer waren aktive Vereinsfußballer, während 25 Prozent der Frauen derselben Altersgruppe in der Gymnastik engagiert und somit weniger gefährdet sind. Bei Profi-Sportlerinnen zwischen 14 und 18 Jahren treten die meisten Verletzungen hingegen im Feldhockey auf. Bei den jugendlichen Frauen wie auch Männern steht der Fußball an zweiter Stelle. Das ergab eine systematische Auswertung der Sommer Jugend Olympiade in Singapur 2010. Knorpelschäden entstünden einerseits durch ein Trauma, andererseits aber auch durch ein Missverhältnis zwischen biologischer Reife und sportlicher Belastung der jungen Athleten, sagt Dieter M. Kohn, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.


(übermittelt am 18.10.2011)



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