Arzneimitteltherapie im Alter: Priscus-Liste bietet praktische Hilfe

Manche Medikamente können für ältere Menschen gefährlich sein. Dennoch werden sie ihnen häufig verschrieben. Die PRISCUS-Liste hilft Ärzten, die richtigen Therapien für ihre älteren Patienten zu finden.


Noch immer nimmt fast jeder vierte Patient über 65 Jahren Medikamente ein, die für ältere Menschen möglicherweise gefährlich sind. Diese alarmierende Zahl hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) aktuell veröffentlicht. Dabei gebe es mit der Priscus-Liste seit einigen Jahren eine praktische Hilfe für Ärzte, die sie bei der Medikation von Senioren zur Hand nehmen könnten. Die AOK wolle Ärzte so noch besser für die besondere Situation von älteren Menschen sensibilisieren, heißt es. Vor allem bei ihren weiblichen Patienten sollten Ärzte genauer hinschauen. Denn Frauen würden überdurchschnittlich häufig Wirkstoffe der Priscus-Liste verordnet. Nach den bundesweiten Zahlen des WIdO sei beispielsweise der am zweithäufigsten an AOK-Patienten über 65 Jahren verordnete Wirkstoff auf der Priscus-Liste, das Antidepressivum Amitriptylin, Frauen etwa drei Mal so häufig wie Männern verschrieben worden. Auch den besonders oft verschriebenen Wirkstoff Etoricoxib, ein Rheumamittel, nähmen doppelt so viele Frauen wie Männer ein.

Insgesamt erhielte etwa jeder vierte Patient mindestens einen Wirkstoff der Priscus-Liste. In den neuen Bundesländern ist der Anteil der Patienten etwas geringer. Hier nimmt etwa jeder fünfte AOK-Versicherte über 65 Jahren ein Medikament, das für Senioren ungeeignet ist. In Berlin sind es genau 21,3 Prozent.

Die Priscus-Liste führt 83 Wirkstoffe auf, für die das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei älteren Menschen als ungünstig bewertet wird. Zu jedem dieser Wirkstoffe werden Alternativen aufgezeigt, die Wirkstoffsubstitutionen ebenso wie nicht-medikamentöse Therapien umfassen. Dabei habe der Forschungsverbund Priscus, der die Liste 2010 für den deutschen Markt erstellt hat, berücksichtigt, dass sich selbst kontraindizierte Arzneimittel nicht immer vermeiden ließen. Für diesen Fall führe die Liste begleitende Maßnahmen auf, die das Risiko des Patienten für unerwünschte Nebenwirkungen verringern sollten. Für den Arzt sei die Priscus-Liste eine verlässliche Entscheidungshilfe, heißt es.

Weitere Informationen unter www.priscus.net


(übermittelt am 30. März 2012)




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