Diabetes: Folgeerkrankungen werden seltener

Erblindung, Nierenversagen oder Amputationen – das sind gefürchtete Folgen einer langjährigen Diabeteserkrankung. Neuen Untersuchungen zufolge treten diese Folgeerkrankungen jedoch seltener auf als gedacht.


Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Netzhaut des Auges. Sehschwäche oder sogar Blindheit können die Folge sein. Das Forscherteam um Ulrich Müller, Leiter der Klinik für Innere Medizin III am Uniklinikum Jena verglich nun eine Studie aus dem Jahr 1956 mit Untersuchungen aus den Jahren 1997 bis 2012, berichtet das Wissenschaftsmagazin Deutsche Medizinische Wochenschrift. Das Ergebnis: Während 1956 noch 39 Prozent der Diabetespatienten unter einer Retinopathie – so wird die Erkrankung im Fachjargon genannt – litt, waren es in den neuren Untersuchungen nur noch 15 Prozent der Diabetes Typ 2-Patienten und 25 Prozent der Diabetes Typ 1-Erkrankten.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) führt den Rückgang von Retinopathien auf eine verbesserte augenärztliche Versorgung der Diabetespatienten zurück. Ein Meilenstein sei die Lasertherapie der Netzhaut, die ein Fortschreiten der der Erkrankung oft stoppen könne. Weniger als ein Prozent der Diabetespatienten erblinde vollständig, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vom 14. Mai 2014.
Auch die Nieren können durch die Zuckerkrankheit schwer geschädigt werden, mitunter müssen nierengeschädigte Diabetespatienten sogar zur Blutwäsche. Doch auch die diabetische Nephropathie – also durch hohen Blutzucker ausgelöste Nierenschäden – wird scheinbar überschätzt. Bisher wurde bei 40 Prozent aller Diabetespatienten ein Nierenschaden vermutet. Aktuellen Untersuchungen zufolge leiden jedoch nur zehn Prozent der Diabetes Typ 2-Patienten an einer Nephropathie, bei Diabetes Typ 1 sind es fünfzehn Prozent. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft vermutet einen häufig besser eingestellten Blutzuckerspiegel und Blutdruck als Ursache für die Rückläufigen Zahlen.
Auch Nervenschädigungen können als Folgeerkrankung eines Diabetes auftreten. Im Extremfall können solche Neuropathien sogar zu Amputationen führen. Am häufigsten sind die Füße von dieser Erkrankung betroffen – Mediziner sprechen vom diabetischen Fußsyndrom. Dabei kommt es zu Gefühlsstörungen an den Füßen – mit der Folge, dass die Betroffenen Druckstellen übersehen, etwa durch zu enges Schuhwerk. Daraus können sich Geschwüre entwickeln. Manchmal bleibt Chirurgen als letztes Mittel dann nur noch die Amputation des Fußes.
Noch zu Beginn der 1990er Jahre waren Amputationen bei Diabetespatienten 20-mal häufiger im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes, berichtet das Forscherteam um Müller. Inzwischen sei das relative Risiko auf bis zu 8,8 bei Männern und 5,7 bei Frauen gesunken.



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