Depressionen erhöhen Herzinfarktrisiko

Stress am Arbeitsplatz oder der Tod eines geliebten Menschen können nicht nur für die Psyche verheerend sein – auch körperliche Reaktionen wie der Herzinfarkt drohen


Mir geht das Herz auf. Es bricht mir das Herz. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Wenn Menschen vom Herzen sprechen, geht es oft um Gefühle. Doch was machen Gefühle wie Traurigkeit, Ärger, Aufregung oder Stress mit dem Herzen, fragt die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in einer Pressemitteilung.
Schwere Depressionen, Angst, familiäre und berufliche Belastungen setzten den Körper unter chronischen Stress und erhöhten dadurch das Risiko, an verengten Herzkranzgefäßen zu erkranken und einen Herzinfarkt zu erleiden. Oft gesellten sich dann die klassischen Herzrisiken, wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen oder die Zuckerkrankheit, fast automatisch hinzu – es entstünde geradezu ein “Risiko-Cocktail”, warnt die DAK.
Trotzdem werde dieses Risiko zu oft unterschätzt. Eine Depression erhöhe das Herzinfarktrisiko um mindestens 60 Prozent und stehe damit den anderen Risikofaktoren in nichts nach. Junge Frauen mit Depressionen seien besonders gefährdet: Ihr Sterberisiko durch Herzinfarkt liege 14-mal höher als bei Gesunden, das depressiver Männer unter 40 Jahren sei dagegen dreimal höher. Allerdings blieben Depressionen bei Männern auch oft im Verborgenen.
Doch auch der Infarkt selbst belaste die Psyche: Gut ein Fünftel der Herzinfarktpatienten erkranke nach dem Infarkt an einer Depression. Das Herz leide ebenso unter tiefer Trauer. In der ersten Woche nach dem Tod eines geliebten Menschen sei das Herzinfarktrisiko 6-mal, am Todestag selbst sogar 21-mal höher.
Am Arbeitsplatz stressten das Herz hohe Anforderungen und gleichzeitig geringer Entscheidungsspielraum, gefühlte Unterbezahlung, mangelnde Anerkennung sowie schlechte Karrierechancen. Derart unzufriedene Beschäftigte hätten ein etwa 2-mal höheres Risiko einer koronaren Herzkrankheit als ihre zufriedenen Kollegen, schreibt die DAK.
Laut Gesundheitsreport 2012 der DAK fühlten sich Facharbeiter weniger ausreichend “belohnt” als leitende Angestellte und Selbstständige. Bei Umstrukturierungen im Unternehmen und ständigen Veränderungen der Arbeitsinhalte litten zwei- bis dreimal so viele Beschäftigte unter diesem Gefühl. Angst um den Job, widersprüchliche Anweisungen und inkompetente Vorgesetzte verstärkten den Arbeitsstress. Die Betroffenen klagten 3-mal so häufig über Stimmungsschwankungen mit Angst, Motivationsverlust und Hoffnungslosigkeit wie zufriedene Beschäftigte.
Die Unternehmen täten gut daran, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren, heißt es in der Pressemitteilung. Denn bisher gäben lediglich 16 Prozent der Befragten im Gesundheitsreport der DAK an, durch betriebliche Maßnahmen vor Stress geschützt zu werden. Deshalb sieht die Deutsche Angestellten Kasse hier auch Arbeitgeber gefordert, mehr für die Gesundheit der Belegschaft zu sorgen.
übermittelt am 19.04.2012



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