Hintergrund: Die Möglichkeiten der Ultraschalluntersuchungen

Der Ultraschall hat die Diagnostik revolutioniert, auch in der Kinderkardiologie. Inzwischen gibt es sogar Geräte mit 3-D-Technologie. Im Praxisalltag sind diese allerdings noch nicht angekommen.


In den 70er Jahren revolutionierten die ersten Ultraschallbilder die Arztpraxen – und ohne Ultraschall geht in der Medizin heute wenig. Für Herzspezialisten ist es das wichtigste Instrument, um Herzfehler zu entdecken. Denn auch wenn der Ultraschall im Vergleich zu Röntgenstrahlen nicht immer die besten Bilder liefert, so ist er im Gegenzug ungefährlich. Im Gegensatz zu Röntgenstrahlen können Ultraschallwellen keinen Krebs verursachen.


Ultraschall: Die erste Wahl aller Untersuchungsmethoden

Das Prinzip ist einfach: Ein Gerät entsendet für den Menschen nicht wahrnehmbare Schallwellen. Je stärker ein Gewebe durchblutet wird und je weicher es ist, desto leichter kann es der Schall durchdringen und desto schwächer wird er reflektiert. Umgedreht prallt der Schall an festem Gewebe, etwa an Muskeln, fast vollständig ab und wird sehr schnell zurückgeworfen. Doch nicht nur die Konturen der einzelnen Körperteile werden sichtbar, auch unerwünschte Schatten – Gallensteine zum Beispiel oder Magengeschwüre.

Auch die Kinderkardiologen untersuchen ihre Patienten vorrangig mit Ultraschall. “Wir sind massiv darauf angewiesen”, sagt Felix Berger, Leitender Kinderkardiologe am Deutschen Herzzentrum in Berlin. “Der Ultraschall ist bei weitem die erste Wahl aller Untersuchungsmethoden.” Mit dessen Hilfe können Ärzte mögliche Herzklappenfehler, Kurzschlussverbindungen zwischen rechter und linker Herzkammer oder gar fehlmündende Gefäße entdecken.
Aufgrund ihres noch nicht voll entwickelten Körpers haben Kinder bei ihrer Untersuchung sogar einen Vorteil gegenüber den Erwachsenen: Die Bildqualität ist meist besser. Denn während die Schallwellen bei Erwachsenen insgesamt mehr Körpermasse zwischen Hautoberfläche und Herz durchdringen müssen, stören die Organe der kleinen Patienten unter Umständen noch nicht die notwendigen Detailaufnahmen ihres Herzens.


Herzfehler bereits bei Ungeborenen entdecken – mit Hilfe von 3-D

Die technische Weiterentwicklung hilft, früher und genauer als bisher Erkrankungen am Herzen zu erkennen. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Bildgebungsverfahren deutlich verbessert, sagen Experten. Die Entwicklung verläuft rasant. “Heute ist ein Ultraschallgerät schon nach drei Jahren überholt”, sagt Dieter Nürnberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Das liege vor allem an den Neuerungen in der Soft- und Hardware der Computer.
Die kardiologischen Praxen und Herzkliniken müssten demnach regelmäßig ihre Geräte überprüfen und spätestens nach fünf Jahren austauschen. Diese Forderung halten viele Kinderkardiologen aber für überzogen. Immerhin liegt der Anschaffungspreis für ein Gerät derzeit bei etwa 100 000 Euro.
Eine der jüngsten Entwicklungen ist das dreidimensionale Bild. Gynäkologen arbeiten bereits teilweise mit hochauflösenden Bildern in Echtzeit. Herzfehler können so bereits bei Ungeborenen entdeckt werden. In der Kinderkardiologie werden diese Geräte allerdings noch relativ selten angewandt. Bislang verfügen nur wenige niedergelassene Kinderkardiologen über diese Technologie. Bundesweit arbeiten aber bereits viele Klinikärzte an den Herzzentren mit diesen High-Tech-Instrumenten.


Die neuen Geräte: Noch nicht im Praxisalltag angekommen

Unklar ist bislang, welchen Mehrwert diese Weiterentwicklung für die Diagnostik wirklich hat. “Die dreidimensionale Technik bringt noch keinen Vorteil”, meint Thomas Boeckel, niedergelassener Kinderkardiologen in Berlin. Die zweidimensionale Bildgebung reiche zur Erkennung von Herzfehlern bei Kindern aus. Standardgeräte verfügten heute über eine Farbdoppler-Funktion . Diese könne sogar die Fließgeschwindigkeit des Blutes und Drucksprünge in den Herzkammern mit Hilfe unterschiedlicher Farben – Rot, Blau und Grün – sichtbar machen, sagt Boeckel.
Klinikärzte sehen das anders. Nach Ansicht von Kinderkardiologe Berger vom Deutschen Herzzentrum hat die 3-D-Technik einen Vorteil: Dadurch seien räumliche Verhältnisse im Herzen besser erkennbar, die in schwierigen Fällen über die Beschaffenheit von Herzkammern und Herzklappen Aufschluss geben, sodass die nötige Behandlung auch erfolgen kann.
Die neuen Geräte sind im Praxisalltag noch nicht wirklich angekommen. Trotzdem denken Forscher bereits an die Weiterentwicklung der 3-D-Technologie. So sollen auf Ultraschall basierende Messinstrumente zusätzlich mehrere bildgebende Diagnoseverfahren mischen, etwa mit Computertomografie oder Röntgenbildern. Unklar ist, ob und wie derartig aufgerüstete Geräte wirklich in Praxen außerhalb der Kliniken jemals zum Einsatz kommen.



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