Hintergrund: Der HIV-Test - Wenn positiv negativ ist

Der HIV-Test: Ist er positiv, ist es schlecht. Denn dann ist klar, dass man sich mit dem Aids-Erreger infiziert hat. Doch den Test aus Angst zu vermeiden, könnte eine langfristig erfolgreiche Therapie gefährden

Was ist ein HIV-Test?

Der Test dient der Diagnose, ob eine Infektion mit dem Aids-Erreger HI-Virus vorliegt. Bei den meisten Testverfahren geht es um den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger im Blut. Diese entstehen als Abwehrreaktion des Körpers und bilden sich bis etwa drei Monate nach der Infektion. Deshalb ist der Test auch erst dann aussagekräftig. Es gibt auch Tests, die das Virus direkt nachweisen und die in einem früheren Stadium ansprechen. Doch diese sind im Vergleich zum Antikörper-Test viel teurer und dienen eher der Bestimmung der Virenzahl im Blut von Infizierten.


Wann sollte man einen Test machen?

Wenn man in einer Risikosituation war, sollte man sich auch testen lassen, rät die Deutsche AIDS-Hilfe. Also zum Beispiel nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem Partner, bei dem nicht sicher ist, dass er nicht infiziert ist. Ärzte meinen darüber hinaus, dass man regelmäßig einen Test durchführen sollte. "Wer zu einer Risikogruppe gehört, also beispielsweise häufig seine Geschlechtspartner wechselt oder intravenös Drogen konsumiert, sollte sich einmal im Jahr testen lassen", sagt Michael Rausch, HIV-Schwerpunktarzt in Berlin-Schönberg. So kann die Therapie gegen den Erreger zu einem optimalen Zeitpunkt beginnen. Der Schaden, den das Virus im Körper anrichtet, ist geringer und die Wahrscheinlichkeit, viele Jahre ohne den Ausbruch von Aids zu leben, höher.

 

Sollte man sich vor einem Test beraten lassen?

Auf jeden Fall. HIV-Spezialisten nehmen sich dafür auch meist etwas mehr Zeit als in manchen Hausarztpraxen allgemein zur Verfügung steht – erst für das Beratungsgespräch vor dem Test und dann bei der Übermittlung des Ergebnisses. Vor dem Test versucht der Arzt einzuschätzen, wie sich das Ergebnis auf seinen Patienten auswirken wird. "Ich frage jeden Patienten vor einem Test: Was würde ein positives Ergebnis denn für Sie bedeuten", sagt der HIV-Schwerpunktmediziner Christoph Schuler, der seine Praxis in Tiergarten hat. Im Zweifelsfall rate er, sich mit Vertrauten vorab zu besprechen. HIV-Arzt Michael Rausch führt im Monat durchschnittlich 40 solcher Testgespräche – darunter vielleicht drei oder vier Mal eines, in dem er seinem Patienten eine schlechte Nachricht verkünden muss. "Ich teile das Ergebnis prinzipiell nur bei einem persönlichen Besuch in der Paxis mit", sagt Rausch. Am Telefon gehe das nicht.

 

Wie reagieren Menschen auf ein positives Testergebnis?

Die einen, die sowieso schon damit gerechnet haben, dass sie sich infiziert haben, reagieren eher gelassen. Andere, die fest daran glauben, alles richtig, also "safe" gemacht zu haben, können durch solch eine Nachricht eine heftige Krise erleben. Viele HIV-Schwerpunktpraxen kooperieren deshalb auch mit einem Psychotherapeuten, der für eine Krisenintervention bereit steht.

 

Wie lange dauert es, bis man das Testergebnis erfährt?

In der Regel benötigt das Labor drei bis fünf Tage für die Analyse. In dieser Zeit findet im Falle eines positiven Ergebnisses auch der Bestätigungstest statt. Für viele Menschen ist besonders diese bange Wartezeit im Ungewissen ein Graus. Inzwischen gibt es auch einen Schnelltest, dessen Ergebnis nach einer halben Stunde vorliegt. Er wird unter anderem von vielen Ärzten und der Aids-Hilfe angeboten und kostet um die 30 Euro. Allerdings: Bei einem positiven Ergebnis muss es auch hier einen Bestätigungstest geben – und der dauert so lange wie der normale Test. Aids-Hilfe und auch Ärzte raten von per Internet käuflichen HIV-Schnelltests für zu Hause ab, da sie bei falscher Handhabung leicht falsche Ergebnisse liefern könnten.

 

Sollte man sich anonym testen lassen?

Die Aids-Hilfen und Gesundheitsämter in den Berliner Bezirken bieten anonyme HIV-Tests an (Kosten um die 15 Euro, bei sozialer Notlage auch kostenlos). Ein solcher anonymer Test könne laut der Deutschen AIDS-Hilfe wichtig sein, wenn es um spätere Versicherungsabschlüsse geht. Denn ein HIV-Test beim Hausarzt werde bei der Krankenkasse aktenkundig – nicht aber dessen Ergebnis. Aber spätestens wenn eine medikamentöse Therapie beginnt, weiß die Kasse sowieso, was los ist.



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