Hintergrund: Kardiologen unterliegen mehreren Kontrollen

Kardiologen unterliegen mehreren Kontrollen. Wir stellen die wichtigsten Qualitätssicherungen vor


Qualitätsvorschriften bei den Kassenärzten

Laut dem Qualitätsbericht 2009 der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin besaßen im Jahr 2008 insgesamt 20 niedergelassene Ärzte in Berlin die Genehmigung, Herzkatheteruntersuchungen durchzuführen, 17 Ärzte dürfen auch Katheterbehandlungen – also etwa die Implantation von Stents – vornehmen. Für diese Genehmigungen unterliegen die Mediziner bestimmten Qualitätsvorgaben der KV.

Mindestmengen: Der Arzt muss nachweisen, dass er jährlich mindestens 150 Linksherzkatheteruntersuchungen vornimmt. Darunter müssen mindestens 50 Katheterbehandlungen sein, sofern er die Genehmigung auch dafür besitzt. Im Jahr 2008 erreichten neun Ärzte diese Mindestfallzahlen nicht – darunter sind drei Praxen, die weniger als 100, fünf, die zwischen 100 und 129 und eine, die zwischen 130 und 149 Untersuchungen vornahmen. Diese neun Ärzte haben sich nicht am Praxisführer beteiligt. Unterschreitet ein Arzt die Fallzahlen zweimal hintereinander, kann ihm die Genehmigung entzogen werden. Dies war laut Qualitätsbericht im Jahr 2008 nicht nötig.

Wer in der Hauptstadt als Katheterspezialist arbeiten will, muss außerdem nachweisen, dass er über mindestens eine medizinische Fachkraft für eine Intensivtherapie verfügt, die während des Eingriffs im jeweiligen Herzkatheterlabor anwesend ist. Ein zusätzlicher Arzt muss für Hilfseinsätze zur Verfügung stehen. Patienten müssen bei Komplikationen innerhalb von 30 Minuten in eine herzchirurgische Abteilung einer Klinik transportiert werden können, mit der verbindliche, schriftliche Absprachen bestehen.


Freiwillige Qualitätssicherung für ambulante Katheteruntersuchungen im QUIK-Register

Kardiologen haben vor 14 Jahren ein frei williges Programm zur “Qualitätssicherung in der Invasivkardiologie” (Quik) ins Leben gerufen. Ziel des Programms ist es, die flächendeckende Erfassung der Herzkatheterbehandlungen mithilfe von Einzel- und Gruppenvergleichen zu erreichen. Kurz: eine statistische Auswertung, um die Qualität zu verbessern. Das Quik-Programm soll die Behandlungsqualität dokumentieren, Auffälligkeiten herausfiltern und dadurch die Frage beantworten: “Wo stehe ich im Vergleich mit meinen Kollegen?”

Quik arbeitet mit einer Art virtuellen, zweiten Patientenakte. In der Erfassungsmaske des Dokuments vermerkt der Arzt Vorbefunde, Komplikationen und Therapievorschläge ebenso wie Risikofaktoren oder die Menge des bei einer Untersuchung eingesetzten Kontrastmittels zum Sichtbarmachen der Gefäße auf dem Röntgenmonitor. Dennoch machen bei Weitem nicht alle Kardiologen mit. Bundesweit haben sich rund 120 Praxen angeschlossen, in Berlin sind es derzeit nur eine Handvoll.


Qualitätssicherung für stationäre Katheteruntersuchungen im BQS-Verfahren

Da viele niedergelassene Kardiologen ihre Leistungen stationär im Krankenhaus erbringen, unterliegen diese Eingriffe auch der Qualitätssicherung der Kliniken. Alle Krankenhäuser in Deutschland müssen dafür Therapiedaten an das AQUA-Institut melden: zum Beispiel zur Operationsdauer, zur Sterblichkeit oder zum Behandlungserfolg. Das Institut ist auch für die Veröffentlichung der jetzt EQS (Externe Qualitätssicherung) genannten Daten (ehemals BQS) verantwortlich. Diese EQS-Daten dokumentieren etwa Behandlungsabläufe, Komplikationen und Todesfälle. Seit 2008 müssen die Krankenhäuser einen Teil dieser Qualitätsdaten veröffentlichen. Dazu zählen auch Daten aus dem Bereich der Herzkatheterbehandlungen und -untersuchungen wie etwa die “Leitliniengerechte Wahl der Untersuchungsmethode” oder das “Erreichen des Behandlungszieles”. Sie können diese Daten auf dem Kliniksuchportal des Tagesspiegels und Gesundheitsstadt Berlin nachlesen und die Kliniken vergleichen.



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