Dupuytren-Kontraktur und schnellender Finger - welche Krankheiten der Hand chirurgisch behandelt werden können

Sie ist zwar ein sehr komplexes Gebilde. Das Zusammenspiel aus 33 Muskeln, 27 Knochen und drei Nervensträngen verleiht den Händen eine enorme Ausdruckskraft, lässt uns gestikulieren, schreiben oder hart anpacken. Gelenke verbinden Knochen. Muskeln und Sehnen bewegen und stabilisieren sie. Nerven leiten die Tasteindrücke in Hirn und Rücken greifen bevor es zu spät ist. Trotzdem kann die Hand bei einigen Krankheiten erfolgreich operiert werden.


Dupuytren-Kontraktur


Was ist das für eine Erkrankung?

Bei der Dupuytren-Kontraktur verhärtet sich das die Muskeln und Sehnen umgebende und schützende Bindegewebe der Handinnenfläche. Dadurch zieht sich das Bindegewebe zusammen und krümmt die Finger in Richtung des Daumenballens. Erstmals beschrieben hat die Erkrankung der französische Baron Guillaume Dupuytren im Jahre 1832. Deshalb trägt die Erkrankung seinen Namen.


Wie erkennt man eine Dupuytren- Kontraktur?

Zu Beginn der Erkrankung wuchern häufig Knoten am Ansatz zum Ring- und kleinen Finger. In späteren Stadien verhärten und schrumpfen die Wucherungen und beugen so einzelne oder mehrere Finger. Oft dauert es Jahre, bis sich die Finger dauerhaft krümmen. Eine Dupuytren-Kontraktur verläuft in schwer vorhersagbaren Schüben. Auch ein Stillstand ist möglich.


Warum erkranken Menschen daran?

Trotz der lange zurückliegenden Entdeckung liegen die Ursachen der Kontraktur noch immer im Dunklen. Vier von fünf Erkrankten sind Männer, meist zwischen 50 und 70 Jahren. Betroffen sind oft Nord- und Mitteleuropäer. Afrikaner und Asiaten erkranken hingegen nur selten. Forscher vermuten daher genetische Ursachen.


Wie wird die Krankheit diagnostiziert?

Um eine Diagnose zu stellen, tastet der Arzt Hand und Knoten ab und prüft die Fingerbeweglichkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie rät zu einer Operation, wenn sich die Finger um mindestens 30 Grad – Tendovaauf dem Uhrziffernblatt entspricht das dem Winkel von fünf Minuten – krümmen.


Wie wird die Dupuytren-Kontraktur operiert?

Der Eingriff erfolgt sowohl in Voll- als auch in Teilnarkose. Nachdem der Anästhesist den Patienten ganz oder nur seinen Arm betäubt hat, pressen die Chirurgen mit einer um den Arm gewickelten Gummibinde das Blut aus dem Körperteil. Anschließend verhindert eine Druckmanschette am Oberarm, dass das Blut wieder zurückfließt. Wenn der Operateur die Handinnenfläche aufgeschnitten hat, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Mit filigranen Schnitten trennt er zwischen den nah beieinander liegenden Sehnen, Nerven, Blutgefäßen und Muskeln der Hand gesundes von krankem Gewebe.


Welche Risiken birgt der Eingriff mit dem Skalpell?

Besonders, wenn die Wucherungen Blutgefäße oder Nerven umgeben, sind Verletzungen nicht immer zu vermeiden. Die möglicherweise durch den Eingriff geschädigten Nerven können das Tastempfinden der Hand vorübergehend oder dauerhaft stören. Es kann auch passieren, dass sich Finger oder die ganze Hand wie betäubt anfühlen. Selten treten Lähmungen des Daumenballens auf.


Wie stehen die Heilungschancen?

Der Heilungsprozess hängt auch vom Patienten ab. Schon ab dem vierten Tag wird mit der Krankengymnastik begonnen, um erschlaffte Sehnen und Muskeln wieder in Schwung zu bringen. Waren die Gelenke vor der Operation nicht zu stark beschädigt, ist die Fingerkrümmung danach deutlich geringer. Im Idealfall kann der Patient nach der Operation seine Finger wieder ganz strecken. Jedoch wuchern bei einem Drittel der Operierten an der behandelten Stelle irgendwann erneut Knoten.


Ringbandstenose


Was ist das für eine Erkrankung?

Schnellender Finger, Schnappfinger, Springfinger – lauten die Bezeichnungen des Volksmundes für die Tendova auf ginitis stenosans, der Ringbandstenose. Bei dieser Erkrankung entzünden und verdicken sich die Beugesehnen der Finger und verhaken sich deshalb in den Ringbändern, die die Sehnen an den Knochen entlang führen. Blockiert die Sehne, lässt sich auch der Finger nicht mehr strecken oder beugen, bis sich – unter großem Kraftaufwand – die Blockade löst und der Finger ruckartig nach vorn oder hinten schnellt.


Wie erkennt man die Symptome eines schnellenden Fingers?

Zunächst schmerzt die Handfläche, in den Fingern kann es ziehen und spannen. Doch je größer die Knötchen auf den Sehnen werden, desto schlechter können Betroffene den Finger kontrollieren und bewegen. Lässt sich der Finger nur noch ruckartig beugen, strecken oder blockiert er sogar, sind dies klare Hinweise auf eine Ringbandstenose.


Warum erkranken Menschen daran?

Noch haben das Mediziner nicht abschließend geklärt. Ärzte beobachten jedoch familiäre Häufungen – Veranlagung spielt also eine Rolle. Hinzu kommen Belastungen wie harte Arbeit auf dem Bau und ungewohnte, intensive Anstrengungen, zum Beispiel Umzüge. Aber auch Verletzungen können einen schnellenden Finger begünstigen. Frauen sind häufiger als Männer von einem schnappenden Finger betroffen: Denn in den Wechseljahren oder in der Schwangerschaft kann es zu Wassereinlagerungen und Knötchen auf den Sehnenscheiden kommen.


Wie diagnostizieren Ärzte die Erkrankung?

Oft lässt sich ein Knötchen an der Sehne ertasten und beim Strecken und Beugen von Sehne und Finger, mitverfolgen, wie es wandert. Schnappt oder blockiert dabei der Finger ist die Diagnose eindeutig: Der Patient leidet unter einer Ringbandstenose.


Muss eine Ringbandstenose operiert werden?

Nicht zwingend. Die konservative, also nicht chirurgische Methode zielt darauf ab, die Schwellung und Entzündung an der Sehne zu bekämpfen. Ärzte spritzen dazu Kortison, das entzündungshemmend und abschwellend wirkt, in die Sehnenscheide. Schlägt diese Therapie nicht an, ist der Handchirurg gefragt.


Wie heilen Handchirurgen den schnellenden Finger?

Wie bei den meisten handchirurgischen Eingriffen wird auch der schnellende Finger im blutleeren Operationsfeld kuriert. Erst pressen Assistenten das Blut mit einer Gummibinde aus dem Arm, anschließend verhindert eine Druckmanschette, dass frisches Blut zurückströmt. Das Prinzip der OP ist denkbar einfach: Was nicht passt, wird passend gemacht. Damit die verdickte Sehne wieder durch das straffe Ringband passt, wird dieses entweder eingeschnitten, um es zu weiten, oder vollständig gespalten. Die verbliebenen Ringbänder geben der Sehne immer noch genügend Halt, unter Einschränkungen leidet der Patient nicht. Vom Engpass befreit, kann der Finger oft umgehend nach dem Eingriff wieder normal bewegt werden. Falls nicht, wird die Hand mit Fingerübungen trainiert.



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