Analleiden: Leiden in der Tabuzone

Hämorrhoiden sind zwar die häufigste Erkrankung im Analbereich, aber nicht die einzige


Analabszess

Bei Säugetieren sind sie häufig und auch bei den meisten Menschen zumindest rudimentär im Afterbereich noch vorhanden: Duftdrüsen, medizinisch Proktodealdrüsen genannt. Wenn sich diese entzünden, kann daraus ein Analabszess entstehen: Die durch die Entzündung entstehenden Eiter-Rückstände der weißen Blutkörperchen haben sich dann vom umgebenden Gewebe abgekapselt und können deshalb nicht vom Organismus abgebaut werden. Von einer solchen Eiterkapsel kann die Schließoder Beckenbodenmuskulatur betroffen sein.
Ein Abszess macht sich durch starke Schmerzen im Analbereich, Rötung, Schwellung, Fieber und ein generelles Krankheitsgefühl bemerkbar. Da der Eiter nicht abgebaut wird, muss der Abszess vom Arzt chirurgisch eröffnet werden. Dies geschieht meist unter Vollnarkose, bei oberflächlichen Abszessen unter örtlicher Betäubung. Die Operationswunde muss ausreichend groß sein, damit der Eiter gut abfließen kann, sonst droht das erneute Auftreten eines Abszesses. In vielen Fällen entsteht aus dem Analabszess eine Analfistel.

Analfistel

Eine Analfistel ist ein röhrenförmiger Verbindungsgang zwischen einer entzündeten Drüse und der äußeren Afterregion. Analfisteln entstehen meist als Folge eines Abszesses, der sich unter dem wachsenden Druck des eingelagerten Eiters spontan geöffnet hat. Sie können aber auch in selteneren Fällen Folge einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung sein. Die Eitergänge durchziehen unterschiedlich viele Haut- und Schließmuskelschichten und entleeren sich zur Hautoberfläche hin mit eitrigem Sekret. Proktologen diagnostizieren Analfisteln oft durch eine Inspektion und eine Tastuntersuchung der Analregion. Der Verlauf der Fistel kann markiert werden, indem man eine Farbstofflösung hineinspritzt. Bei einem komplizierten Verlauf ist eine Ultraschalluntersuchung hilfreich. In seltenen Fällen kann sogar eine Magnetresonanztomografie notwendig werden.
Wie Analabszesse werden auch Analfisteln operativ entfernt. Oberflächliche Fisteln werden einfach aufgeschnitten, der Arzt spricht dann von spalten. Für komplexere Fisteln muss möglicherweise sehr viel mehr operiert werden, gibt dann aber OP-Methoden, die den Schließmuskel schonen. Die eröffnete Fistel kann mit einer Plombe verschlossen werden, die der Körper mit der Zeit abbaut. Es ist auch möglich, die in den Analkanal führende Fistelöffnung mit einem Verschiebelappen, also einem Deckel aus Eigengewebe, zu verschließen.
Der Heilungsprozess kann lang sein. Trotz achtsamer Pflege der Wunde dauere dies etwa sechs Wochen, sagt der Berliner Proktologe Horst Loch.
Fisteln, die bei Patienten mit chronisch- entzündlichen Darmerkrankungen auftreten, können manchmal mit Medikamenten geheilt werden. Gelingt dies nicht, ist auch hier unter Umständen eine Operation angezeigt.

Analthrombose

Wenn ein Blutgerinnsel eine Ader verstopft, spricht der Mediziner von einer Thrombose. Geschieht dies in den oberflächlichen Venen, die den Anus umfließen, heißt das Perianalthrombose. Dadurch entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit eine schmerzhafte Schwellung am Afterrand. Die Knoten sind kirschkern- bis taubeneigroß. Patienten halten diese Knoten oft für eine Hämorrhoide.
Analthrombosen entwickeln sich nach Tagen oder innerhalb von zwei bis vier Wochen von allein zurück, sagt der Facharzt Horst Loch.
In akuten Fällen, vor allem bei starken Schmerzen, entfernt der Arzt den Knoten in örtlicher Betäubung. Die kleine Wunde heile schnell ab.

Marisken

Marisken sind Hautläppchen am After. Die Entstehungsursache ist bisher unbekannt. Die Hautfalten sind eher ein ästhetisches und hygienisches Problem und bereiten im allgemeinen keine Beschwerden. Es kann gelegentlich zu Hautirritationen und Ekzembildungen mit Juckreiz kommen. Wenn es geboten ist, lassen sich Marisken in örtlicher Betäubung mit einem unter Hochfrequenzstrom stehenden Skalpell oder ähnlichem entfernen.

Enddarmkrebs

Darmkrebs nennt man alle bösartige Geschwulste im Dickdarm. Am Dünndarm kommt Krebs nur selten vor. Im Enddarm, das ist das etwa 16 Zentimeter lange Endstück des Darmes (auch Mastdarm genannt), ist er wieder häufiger zu finden. In Deutschland gibt es pro Jahr rund 70 000 Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs, davon entfallen 25 000 auf den Bereich des Mastdarms. Zur Vorsorge eignet sich die Koloskopie, die Spiegelung des ganzen Dickdarmes. Zur Untersuchung des Mastdarmes eignet sich die Tastuntersuchung mit dem Finger und die Rektoskopie, also eine Enddarmspiegelung. Allerdings sei es sinnvoller, den ganzen Dickdarm zu untersuchen, sagt Loch.
In der Regel entwickelt sich ein Darmkrebs über Vorstufen wie Polypen (Adenome). Wenn man die Polypen entfernt, kann man in den meisten Fällen den Ausbruch der Krankheit vermeiden.
Ist er bereits ausgebrochen, muss operiert werden. In frühen Stadien ist der Tumor dadurch meist heilbar, in fortgeschritteneren Stadien ist zusätzlich noch eine Chemotherapie und Bestrahlung notwendig. “Liegt der Krebs sehr dicht am Schließmuskel, muss dieser unter Umständen entfernt und ein künstlicher Darmausgang angelegt werden”, sagt Horst Loch. Diese Versorgungssysteme seien heute so ausgereift, dass man damit ein ganz normales Leben führen könne.



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