HPV-Impfung: Drei Spritzen gegen Krebs

Als die HPV-Impfungen eingeführt wurden, waren sie zunächst sehr umstritten. Heute aber sind die meisten Experten von ihrem Nutzen in der Krebsvorsorge überzeugt


Was sind HPV?

Humane Papillomaviren – kurz HPV – sind Krankheitserreger, die über direkten Körperkontakt übertragen werden. Daher findet die Übertragung häufig bei sexuellen Kontakten statt. Die Viren nisten sich auf Haut oder Schleimhaut ein, die meisten der über hundert verschiedenen Typen führen jedoch nur zu harmlosen Infektionen oder Warzen.


Was für eine Rolle spielen die Viren bei der Entstehung von Krebs?

Alle Papillomaviren schleusen ihr Erbgut in Hautzellen ein, um sich in diesen zu vermehren. Dadurch können Wucherungen entstehen– eben die beschriebenen Warzen. Bei manchen Virentypen können diese Geschwulste dann aber bösartig werden. Verschiedene Varianten werden mit Genital-, Anal-, Mandel-, Zungen-, Kehlkopfkrebs und weißem Hautkrebs in Verbindung gebracht. Besonders prägnant ist der Zusammenhang mit dem Gebärmutterhalskrebs. Rund 5500 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an solchen Tumoren, 1500 sterben daran. Bei 70 Prozent dieser Frauen waren bestimmte Typen der Papillomviren – so genannte HPV 16 oder HPV 18 – für die Entstehung der Wucherung verantwortlich.


Schützt eine Impfung gegen Krebs?

Die Wirksamkeit der Impfungen bei der Krebsbekämpfung wird man erst in ein paar Jahren gesichert beurteilen können, aber es gibt bereits erste Erfolge. Denn sowohl klinische Studien als auch Daten aus der Bevölkerung zeigen, dass durch die Immunisierung die Häufigkeit von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses sinkt. Laut dem Robert-Koch-Institut wurde in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass eine Impfung die Bildung solche Vorstufen bei bis zu 98 Prozent der Probandinnen verhindert. In Australien, wo um die 70 Prozent aller Mädchen im Alter von 12 bis 13 Jahren geimpft werden, sinken bei jungen Frauen die Neuerkrankungen an Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Ob als Folge davon auch die tatsächlichen Krebserkrankungen zurückgehen, bleibt abzuwarten. Offen ist auch noch, wie lange der Impfschutz anhält.


Was für Nebenwirkungen hat die Impfung?

Die Nebenwirkungen unterscheiden sich nicht von denen anderer Impfungen und treten auch nicht häufiger auf. Häufig schwillt die Einstichstelle an und schmerzt. Seltener sind Kopf- oder Gelenkschmerzen, Nesselsucht, Übelkeit oder Erbrechen. In sehr wenigen Fällen litten Geimpfte unter Atemnot oder erlitten neurologische Erkrankungen.


Wer sollte sich impfen lassen?

Seit 2006 sind in Deutschland zwei Impfstoffe gegen HPV zugelassen. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes empfiehlt eine Impfung für Mädchen zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr, die Kosten werden für diese Gruppe von den Krankenkassen getragen. Für Jungen gibt es bislang keine bundesweite Empfehlung, die Impfkommission des Landes Sachsen spricht eine solche aber bereits aus. Dadurch soll insgesamt die Infektionshäufigkeit eingedämmt werden, da die Jungen Viren an die Mädchen übertragen könnten. Jungen könnten aber auch direkt von der Impfung profitieren, denn wie beschrieben werden Papillomviren mit verschiedenen Krebsformen in Verbindung gebracht, die auch sie treffen könnten. Um zuverlässig eine Infektion zu verhindern, sollte die Immunisierung möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr stattfinden. Allerdings gibt es Hinweise, dass eine Impfung auch Frauen schützen kann, die schon einmal wegen einer HPV-Infektion behandelt wurden. So empfiehlt die sächsische Impfkommission die Impfung inzwischen für Frauen bis zum 26. Lebensjahr.


Wer lässt sich impfen?

Als die Krankenkassen 2008 begannen, die Kosten für die Impfung zu übernehmen, ließen sich viele Mädchen impfen: Laut der deutschen Krebsgesellschaft sind 40 % der 1991 geborenen Mädchen geimpft. Doch seitdem geht die Zahl der Impfungen zurück – von den 1996 geborenen haben nur noch 12 % den Impfschutz. Damit gehört Deutschland im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern. Besonders hohe Durchimpfungsrate werden in Ländern erreicht, die Schulimpfungsprogramme haben – wie beispielsweise Großbritannien und Australien. Und während es in anderen europäischen Ländern üblich ist, die Mädchen möglichst jung impfen zu lassen, wird in Deutschland oft bis zum 17. Lebensjahr gewartet. Andreas M. Kaufmann, Experte für Gynäkologische Tumorimmunologie an der Charité, hofft, dass sich bald wieder mehr Eltern und junge Frauen für die Impfung entscheiden, denn “weniger Vorstufen bedeuten weniger Krebs”.



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