Hintergrund: Erst Operation, dann Chemotherapie

Für 90 Prozent der Gebärmutterhalstumoren sind Viren verantworlich – Oft hilft nur eine Totalentfernung des Organs


Wie häufig trifft krebs die weiblichen Geschlechtsorgane?

Krebs an den weiblichen Geschlechtsorganen wird in der Medizin in drei große Gruppen unterteilt: Die größte unter ihnen ist ein Karzinom in der Gebärmutter, an dem jährlich rund 11 700 Frauen in Deutschland erkranken. Die zweitgrößte Gruppe ist Eierstockkrebs, der pro Jahr bei rund 9 600 Frauen diagnostiziert wird. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei diesem Tumor zwischen 60 und 70 Jahren. Nach den Wechseljahren nimmt der Anteil an bösartigen Tumoren bei Neubildungen an den Eierstöcken übrigens zu. Und schließlich die dritte Gruppe der an Gebärmutterhalskrebs Erkrankten: Etwa 6200 Frauen erhalten nach Angaben des Berliner Robert-Koch- Instituts Jahr für Jahr die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt rund 52 Jahre. Der häufigste Krebs bei Frauen ist jedoch der Brustkrebs. In Deutschland erkranken daran derzeit Jahr für Jahr rund 57 000 Frauen. Knapp 18 000 Frauen sterben daran pro Jahr.


Wann kommt es zu einer sicheren Krebsdiagnose?

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind zur Früherkennung von Krebserkrankungen wichtig. Gebärmutterhalskrebs kann der Gynäkologe mithilfe eines Abstriches vom Muttermund nachweisen. Diese Methode ist auch geeignet, um massenhaft Frauen in sogenannten Screenings regelmäßig darauf zu testen, da sie schnell und relativ unkompliziert durchzuführen ist. Gebärmutterkörperkrebs verursacht im Frühstadium keine Beschwerden, sondern macht sich erst später durch unerwartete Blutungen aus der Scheide bemerkbar. Die Diagnose kann durch eine Ausschabung einer Gewebe probe gesichert werden. Der Nachweis eines Eierstockkrebses gilt als schwer, denn der Tumor verursacht anfänglich keine oder nur sehr untypische Symptome, etwa Verdauungsstörungen, Kreuzschmerzen, Zunahme des Bauchumfanges, Übelkeit und Völlegefühl. Bei solchen unklaren Beschwerden kann der Arzt durch Tastuntersuchungen oder durch Ultra schall Veränderungen an den Eierstöcken feststellen. Außerdem können Blutuntersuchungen Hinweise auf Krebs liefern, etwa wenn der Gehalt eines bestimmten Eiweißes hoch ist. Allerdings sind diese sogenannten Marker für eine Krebssuche auf Verdacht zu ungenau und nur für die Überwachung einer Chemotherapie geeignet.


Wie werden diese Tumorarten behandelt?

Die vollständige operative Entfernung des Tumors ist das A und O der Therapie. Dieser Behandlung folgt dann meist eine Chemotherapie. Weitere Behandlungsformen sind Bestrahlungen oder eine spezielle Antihormontherapie bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Die Operation erfolgt meist stationär im Krankenhaus. Im Jahr 2008 haben die Berliner Krankenhäuser laut einer Auswertung der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung wegen Krebsbefalls rund 600 Mal die Gebärmutter einer Patientin entfernen müssen. Im selben Zeitraum wurden rund 420 Operationen wegen Eierstockkrebs durchgeführt. Ein Zehntel aller Eierstocktumoren treten bei Frauen unter 45 Jahren auf. Das ist ein Problem, da die besten Heilungschancen durch eine Totalentfernung der befallenen Eierstöcke erreicht werden können – was die Frauen aber unfruchtbar macht. Eine nur teilweise Entfernung des Krebses birgt dagegen das Risiko, dass sich Krebszellen im Bauchraum verteilen und so neue Krebsgeschwüre in anderen Organen entstehen. Der Operation folgt dann häufig eine Chemotherapie, die immer weniger in Kliniken und dafür in ambulanten Spezialpraxen durchgeführt wird. Diese Therapie soll ein Wiederauftreten des Krebses (medizinisch: Rezidiv) verhindern bzw. die eventuell von der Operation nicht erfassten Krebszellen zerstören.


Welche Vorbeugung wird empfohlen?

Seit 2008 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Impfung gegen das sogenannte Humane Papillomavirus (HPV). Experten schätzen, dass mehr als 90 Prozent der bösartigen Tumoren des Gebärmutterhalses von diesen Viren verursacht werden. Eine Impfung soll die Infektion und damit den späteren Krebs verhindern. Die ständige Impfkommission empfiehlt sie derzeit für Mädchen zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr und möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr.


Wo bekomme ich Informationen?

Die Deutsche Krebsgesellschaft ist im Internet unter www.krebsgesellschaft.de vertreten. Deren Berliner Dependance ist telefonisch unter (030) 283 24 00 oder im Internet unter www.berliner-krebsgesellschaft.de zu erreichen.



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