Dialyse: Transplantation als Erlösung vom Waschzwang

Ein Nierentransplantation kann Dialysepatienten nicht nur die aufwändige künstliche Blutwäsche ersparen, es kann auch die schleichende Vergiftung verhindern, die nach vielen Jahren der Dialyse auftritt. Das Warten auf ein Spenderorgan kann aber viele Jahre dauern.

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Nierenkranke sind lange Zeit auf die Maschinen bei der Dialyse angewiesen

Wozu brauchen wir eigentlich unsere Nieren?

Jeder Mensch besitzt zwei Nieren. Das Zwillingsorgan befindet sich im Bereich der Lendenwirbelsäule und ist dafür zuständig, Gifte aus dem Blut zu filtern und den Urin zu produzieren, mit dem diese aus dem Körper ausgeschieden werden. Außerdem regeln die Nieren den Flüssigkeitshaushalt, beeinflussen den Blutdruck und ermöglichen die Kalziumablagerung in den Knochen.


Welche Symptome zeigen geschädigte Nieren?

Nierenerkrankungen sind tückisch, da sie oft erst sehr spät bemerkt werden. Denn das Zwillingsorgan kann Schäden sehr lange kompensieren, ohne zu schmerzen. Erst wenn die Nieren weniger als 15 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung erbringen, klagen Betroffene über Beschwerden. Sehr häufig ist den Erkrankten ständig übel, denn der Harnstoff, den die Niere eigentlich aus dem Blut filtern sollte, reizt die Magenschleimhaut. Nierenkranke leiden unter Müdigkeit und können sich nur schlecht konzentrieren, da im Knochenmark nicht ausreichend viele Blutkörperchen produziert werden. Der Grund: Die Niere schüttet zu wenig vom Botenstoff Erythropoetin – besser bekannt unter der Abkürzung Epo, das man auch als Dopingmittel kennt – aus. Dieses Hormon regt im Knochenmark die Bildung des Hämoglobin an. Mangelt es an dem Stoff, droht eine Blutarmut. Erst in einem sehr späten Stadium vermindert sich die Harnproduktion. Dadurch wird Wasser im Körper, insbesondere in den Beinen und der Lunge, eingelagert und es kann zu Atembeschwerden kommen. Auch Herzrhythmusstörungen sind nicht selten.


Warum versagt das Zwillingsorgan?

Es ist eines der sensibelsten Organe des Menschen. Schon ein Schockzustand nach einem Unfall kann zu akutem Nierenversagen führen. Allerdings können sich die Nieren auch wieder regenerieren und nach mehreren Tagen wieder normal funktionieren. Häufig geht einem Nierenversagen ein schlecht eingestellter Diabetes voraus. Auch eine Arterienverkalkung schädigt durch anhaltenden Bluthochdruck die Nierengefäße. Chronische Nierenentzündungen, Schädigungen durch Zysten und Schmerzmittel – vor allem mit dem Wirkstoff Ibuprofen – können ein Nierenversagen verursachen.


Wie kann einem Menschen mit Nierenversagen geholfen werden?

Bei endgültigem Nierenversagen kann zunächst nur die regelmäßige Dialyse den Patienten am Leben halten – bis eine passende Niere gefunden ist. Doch nicht immer werden Patienten auf die Möglichkeit einer Nierentransplantation rechtzeitig hingewiesen. Denn selbst wer auf die offizielle Warteliste für eine Transplantation kommt, muss lange warten. Patienten sollten sich deshalb bei Dialysebeginn auf die Möglichkeit einer Transplantation hin untersuchen lassen, raten Experten. Heute ist die Nierentransplantation ein etabliertes Verfahren und gilt als Standardbehandlung.


Wie lange müssen Betroffene auf eine Spenderniere warten?

Derzeit im Schnitt fünf bis sechs Jahre. Denn wie alle Organe sind Nieren Mangelware. Das liegt zum einen an fehlenden gut erhaltenen Organen von Verstorbenen: Nach den Skandalen um manipulierte Transplantationslisten im Jahr 2012 brach die ohnehin geringe Bereitschaft zur Organspende weiter ein. Von den rund 60 000 deutschen Dialysepatienten warten derzeit rund 7650 auf ein Spenderorgan, berichtet die für die Zuteilung von Organen zuständige Organisation Eurotransplant . Pro Jahr können jedoch nur rund 1800 Menschen mit einem Organ versorgt werden. Insbesondere “Notwendigkeit, Erfolgsaussicht und Dringlichkeit” bestimmen den Rangplatz auf der Warteliste, heißt es von Eurotransplant. Jedes Jahr des Wartens, das verstreicht, ist nicht nur eine Qual für Betroffene und Angehörige. Auch die Organe werden weiter geschädigt und die Erfolgsaussichten geschmälert.


Kann die Wartezeit auf ein Spenderorgan verkürzt werden?

Ja. Allerdings nur, wenn ein Lebender eine Niere spendet. Um Organhandel zu verhindern, kommen dafür nur Ehepartner oder Familienangehörige infrage. Und das auch nur, nachdem sichergestellt wurde, dass die Nierenlebendspende aus freiem Willen heraus erfolgt. Anders als bei der Leber, die nachwächst, wird bei einer Lebendspende jedoch nicht nur ein Teil, sondern ein komplettes gesundes Organ entnommen. Das ist möglich, weil die beiden Nieren identische Aufgaben haben und ein Mensch auch mit nur einem Organ überleben kann. Doch selbst wenn ein Freiwilliger für den Erkrankten gefunden ist, heißt das noch lange nicht, dass dessen Niere auch für eine Lebendspende in Fra ge kommt. Spender werden deswegen auf ihre Krankengeschichte hin untersucht. Wichtigste Vorraussetzung für eine Organspende: die Blutgruppen von Spender und Empfänger müssen – ähnlich einer Bluttransfusion – kompatibel sein. Das Spenderalter liegt zwischen 18 und 75 Jahren – die Freiwilligen sollten keine schwerwiegenden Erkrankungen wie chronische Nierenentzündungen oder Diabetes erlitten haben.




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