Prävention für ein gesundes Gebiss: Zähneputzen vom ersten Milchzahn an

Je eher Schäden am Gebiss entdeckt werden, desto besser kann man sie behandeln. Deshalb haben die Krankenkassen ein neues Präventionsprogramm für gesunde Zähne von Anfang an ins Leben gerufen.

Eine gute Zahnpflege von Anfang an sorgt dafür, dass das Gebiss lange gesund bleibt.


Foto: proDente e.V.

Ein gesundes Gebiss für viele Jahre, möglichst bis ins hohe Alter, das wünschen sich alle.  Die Grundlage dafür wird schon in dem Moment gelegt, wenn die ersten Beißerchen wachsen. Zwar ist gerade bei den Kleinen Zahnpflege äußerst unbeliebt, aber besonders  wichtig. Denn je eher Schäden am Gebiss entdeckt werden, desto besser kann man sie behandeln. Deshalb haben die Krankenkassen ein neues Präventionsprogramm für gesunde Zähne von Anfang an ins Leben gerufen.

Schmerzen, Unwohlsein, Angst – das sind meistens die ersten Reaktionen, wenn Kinder an den Zahnarzt denken. Der häufigste Grund dafür sind unschöne Erinnerungen an den Praxisbesuch – zum Beispiel wegen Karies oder Zahnfehlstellungen. Bei ersterem muss der Zahnarzt bohren, bei letzterem die Fehlstellung mit Spangen korrigieren.

Wer profitiert von den neuen Präventionsleistungen?

Im Idealfall soll damit bald Schluss sein: Um diese traumatischen Erlebnisse bei der jüngsten Generation gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist Anfang 2014 das Präventionsprogramm „Junge Zähne“ in Berlin und Brandenburg gestartet. Es soll die letzten Lücken schließen, die es in der dentalen Vorsorge noch gibt, nämlich bei den Kleinkindern. Grundgedanke dabei: Werden Schäden am Gebiss früher als bisher erkannt, kann man sie effizienter behandeln – was sich langfristig auf die gesamte Gesundheit positiv auswirkt. An dem Programm haben sich bisher die AOK Nordost und die Barmer GEK beteiligt. Für die Versicherten entstehen durch die zusätzlichen Früherkennungsuntersuchungen keine Kosten.

Konkret heißt das, dass den Kindern, die bei der AOK versichert sind, im Alter von einem bis zu sechs Jahren nun kostenfrei vier zusätzliche zahnmedizinische Vorsorgeuntersuchungen zustehen. „Das ist ein wichtiger Schritt, um junge Eltern früh rund um die Mundgesundheit der Kleinsten aufzuklären und um die sogenannte Nuckelflaschenkaries zu verhindern“, sagt Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung bei der Bundeszahnärztekammer. Denn vor dem Start dieser neuen Präventionsangebote gebe es zwischen dem 30. und 72. Lebensmonat zwar drei gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen im Abstand von jeweils zwölf Monaten, die aber leider zu spät ansetzen, sagen Zahnmediziner.

Welche Untersuchungen sind neu?

Es geht nicht nur um frühere und häufigere Vorsorgeuntersuchungen in kürzeren Abständen, sondern auch um verbesserte Abläufe. Diese vier neuen Früherkennungs-Untersuchungen für AOK-Versicherte beziehen sich nicht nur auf die Zähne:

  • Selbstverständlich nimmt der Zahnarzt diese zwar eingehend unter die Lupe, aber er sucht auch gezielter als zuvor nach Mund- oder Kiefererkrankungen: Besonders achtet er dabei auf Plaqueablagerungen auf den Zähnen und auf Zahnfleischentzündungen.
  • Außerdem schätzt der Zahnarzt mit einem Index das Kariesrisiko des kleinen Patienten ein: Hierzu wird bei jedem Zahn einzeln überprüft, ob er kariös, gefüllt oder überhaupt vorhanden ist.
  • Drittens werden den Eltern geeignete Fluoridierungsmittel zur Schmelzhärtung der Kinderzähne empfohlen: Flouridlacke und -gele verhindern direkt die Kariesentstehung. Außerdem sorgen sie dafür, dass beginnende Kariesvorläuferstadien remineralisiert oder erste nicht weit fortgeschrittene Kariesanzeichen gestoppt werden.
  • Zu guter Letzt steht noch eine ausführliche Beratung zur Ernährung und Mundhygiene auf dem Programm. Dies seien auch die Punkte, den man als Mutter oder Vater am besten beeinflussen könne. „Die Eltern sollen ihren Kindern keine zuckerhaltigen Getränke anbieten, sie möglichst früh von Nuckelflaschen entwöhnen und ab dem ersten Zahn putzen“, sagt Ziller.

Mit dem AOK-Angebot können Eltern nun halbjährig ihre Kinder untersuchen lassen.

Wann sollte man mit dem Kleinkind zum Zahnarzt gehen?

Die Zeit zwischen dem sechsten und neunten sowie zwölften und 30. Lebensmonat des Kindes seien geeignete Termine für die frühe Kontrolle beim Zahnarzt. Für Kinder, die älter als 30 Lebensmonate sind, ist die zahnärztliche präventive Betreuung bereits gesetzlich sichergestellt. Damit die gesamte Zielgruppe erreicht wird, schreibt die AOK die Eltern direkt nach dem ersten Geburtstag des Kindes an. Dabei wird auch gleich das Bonusheft versandt, das die Eltern bei allen Vorsorge-und-Früherkennungsuntersuchungen von ihren Zahnarzt abstempeln lassen können. Das sichert finanzielle Vorteile für den Fall, dass der junge Patient später eine kieferorthopädische Behandlung benötigt. Um das neue Präventionsprogramm in Anspruch zu nehmen, kann man zu fast jedem Berliner oder Brandenburger Zahnarzt gehen – es ist also nicht notwendig, einen speziellen Fachzahnarzt aufsuchen.

Die Barmer GEK zielt mit ihrem Programm sogar auf noch jüngere Kinder: Sie bietet zwei neue Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten bis zum 30. Lebensmonat an. Ähnlich wie bei der AOK soll auch hiermit das Kariesrisiko der Mädchen und Jungen besser eingeschätzt werden. Bisher war es üblich, dass für Kinder erst ab einem Alter von zweieinhalb Jahren individuelle dentale Präventionsleistungen bereitgehalten wurden. Dass auch hier Bedarf für Neuerungen bestand, zeigte der Bericht zur Mundgesundheit Berliner Kinder und Jugendlicher 2011/2012: Aus den Erhebungen wurde deutlich, dass fast die Hälfte aller Berliner Kinder im Alter von sechs Jahren kariöse Zähne aufwiesen. „Karies und ihre Folgen sind nach wie vor Grund Nummer Eins für einen zahnärztlichen Besuch im Kindesalter“, sagt Ziller.

Wie werden Kinderzähne richtig geputzt?

Beim gesunden Kind brechen die Zähne nach etwa sechs Monaten durch. Dann sollten Eltern beginnen, die Zähne ihres Kindes jeden Abend mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta auf einer weichen Kinderzahnbürste zu putzen. Zur Information: Kinderzahnpasta mit 0,05 Prozent Fluoridgehalt führt nach dem Essen von 70 Gramm Zahnpasta allenfalls zu Bauchschmerzen. Eine Vergiftung ist nicht zu befürchten. Neben der fluoridhaltigen Zahnpasta ist es sinnvoll, jodiertes und fluoridiertes Speisesalz zu verwenden. Dann sollte man auf zusätzliche Fluoridtabletten verzichten. Ab dem 2. Lebensjahr sollte die fluoridhaltige Kinderzahncreme zweimal täglich verwendet werden. Bei Kleinkindern müssen Eltern das Zähneputzen selbst übernehmen. Aber auch bei größeren Kindern bis in das Grundschulalter hinein sollten sie weiterhin nachputzen. Experten empfehlen, die Zähne ab dem sechsten Lebensjahr mit Fluoridzahnpasten für Erwachsene sauber zu halten. Wenn sich trotzdem Kariesvorstufen ausbilden, ist der Besuch beim Zahnarzt unumgänglich. Er behandelt die geschädigten Stellen dann mit lokalen Fluoridierungen.

Und wenn noch Fragen offen bleiben?

Die neuen Präventionsangebote halten Experten für vielversprechend. Wirklich erfolgreich können sie aber nur sein, wenn die Eltern richtig beraten werden. Man sollte sich also im Beratungsgespräch nicht scheuen, den Zahnarzt zu fragen, wenn es Unklarheiten gibt oder bestimmte Punkte noch nicht zur Sprache kamen. Es ist schließlich dessen Aufgabe zu erklären, wie die Kinderzähne geputzt werden müssen oder welche Nahrungsmittel für das Kind ungeeignet sind. Er ist auch der Ansprechpartner für die Frage, wann welche Untersuchung am Gebiss ansteht. Weitere Auskünfte findet man zusätzlich bei der Bundeszahnärztekammer, die gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband (DHV) einen Aufklärungs-Comic für junge Eltern und ihre Kinder publiziert hat.



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