Diese Vorsorgeuntersuchungen zahlen die Krankenkassen

Viele Menschen wissen nicht, dass die Krankenkassen auch zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt bezahlen, um Krankheiten zu verhindern oder wenigstens so frühzeitig zu erkennen, dass sie noch gut geheilt werden können. Denn obwohl in Deutschland jeder gesetzlich Krankenversicherte ein Recht auf solche Untersuchungen hat, nehmen sehr viele diese nicht wahr. Nur die Hälfte aller Frauen ab dem 20. Lebensjahr geht regelmäßig zu den ihnen zustehenden Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung. Bei den Männern, für die ab dem Alter von 45 Jahren solche Leistungen gezahlt werden, ist es noch nicht einmal jeder Fünfte. Wir sagen Ihnen, welche Vorsorgeuntersuchungen auf Kassenkosten Ihnen zustehen.

Wer krank ist, geht zum Arzt – soweit, so klar. Weit weniger klar ist vielen Menschen offenbar, dass die Krankenkassen auch zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt bezahlen, um Krankheiten zu verhindern oder wenigstens so frühzeitig zu erkennen, dass sie noch gut geheilt werden können. Denn obwohl in Deutschland jeder gesetzlich Krankenversicherte ein Recht auf solche Untersuchungen hat, nehmen sehr viele diese nicht wahr. Nur die Hälfte aller Frauen ab dem 20. Lebensjahr geht regelmäßig zu den ihnen zustehenden Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung. Bei den Männern, für die ab dem Alter von 45 Jahren solche Leistungen gezahlt werden, ist es noch nicht einmal jeder Fünfte. Die Möglichkeit zu einem ausführlichen Gesundheits-„Check-up“, der Kassenpatienten ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre angeboten wird, nutzen sogar nur 17 Prozent aller Frauen und Männer. Zum Teil auch einfach aus Unkenntnis über das, was ihnen zusteht.

Viele der gesetzlichen Krankenkassen übernehmen zwar die Kosten einer Vielzahl von Vorsorgeuntersuchungen - aber nicht für alles, was möglich ist, werden grundsätzlich die Kosten übernommen. Zum größten Teil zahlen die Krankenkassen die Kosten für regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder Gesundheits-Check-ups. Außerdem fördern sie die Teilnahme an Nichtraucher- oder Stressbewältigungs-Kursen.

Keinen Zuschuss gibt es dagegen beispielsweise für Vorsorgeuntersuchungen der Augen, Lunge, Knochendichte oder Hirnleistung. Patienten, die sich für eine spezielle Untersuchung interessieren, sollten sich per Internet oder Telefon bei der eigenen Krankenkasse erkundigen, welche Leistungen diese zahlt. Denn obwohl die Kostenübernahme für viele Vorsorgeuntersuchungen per Gesetz vorgeschrieben ist, können die Kassen bei anderen, nicht zentral geregelten Leistungen selbst entscheiden, ob sie diese zahlen.

Hier eine Übersicht, welche Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchungen die gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich tragen:

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen eine Reihe von Früherkennungs- und Vorsorgemaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen von der Geburt bis zur Volljährigkeit. In den ersten sechs Lebensjahren stehen insgesamt zehn Untersuchungen auf dem Programm, in denen Sinnes-, Atmungs- und Verdauungsorgane sowie Zähne, Kiefer, Mund, Skelett und Muskulatur und angeborene Stoffwechselstörungen vom Arzt begutachtet werden. Weiterhin können mögliche Entwicklungs- und Verhaltensstörungen festgestellt werden. Mehrere Regelimpfungen – unter anderem zu Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Masern, Mumps und Röteln – runden das Vorsorgepaket für Unter-18-Jährige ab.

Die Eltern erhalten gleich nach der Geburt des Kindes im Krankenhaus oder beim Kinderarzt ein gelbes Gesundheitsheft, in dem alle wichtigen Untersuchungen aufgelistet sind. Die zehn Untersuchungen, die für Mädchen und Jungen von der Geburt bis zum Alter von sechs Jahren stattfinden sollen, werden U-Untersuchungen genannt.

Die J-Untersuchung richtet sich an Teenager zwischen dem 13. und 14. Lebensjahr zur Beurteilung der körperlichen Verfassung und seelischen Entwicklung. Außerdem erhebt der Arzt den Impfstatus und warnt die Jugendlichen vor den Folgen des Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsums. Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren sind nach einer frauenärztlichen Beratung von den Kosten für Schutzimpfungen gegen Gebärmutterhalskrebs - Mediziner sprechen hierbei von einer HPV-Impfung - befreit.

Untersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten sind dreimal bis zum Alter von sechs Jahren und einmal je Kalenderhalbjahr bei Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 18 Jahren sinnvoll.

Altersabhängige Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene

Der Vorsorgekalender für gesetzlich versicherte Erwachsene ist umfangreich und unterscheidet sich teilweise von Kasse zu Kasse. Deshalb sind im Folgenden nur die wichtigsten und zentral vorgeschriebenen Vorsorgeleistungen genannt:

Frauen

Ab dem 20. Lebensjahr kann einmal jährlich eine Genitaluntersuchung zur Früherkennung von Krebserkrankungen bei Frauen erfolgen. Für sexuell aktive Frauen bis zum 25. Lebensjahr übernimmt die Kasse einmal jährlich einen Test auf Chlamydien, die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektionskrankheit. Ab dem 30. Lebensjahr kommt zur Krebsvorsorge bei Frauen eine jährliche Tastuntersuchung der Brust hinzu. Der Frauenarzt leitet die Patientinnen in der Selbstuntersuchung an. Diese erfolgt immer zu Anfang des weiblichen Zyklus’.

Vom 50. bis zum 69. Lebensjahr werden Frauen alle zwei Jahre zur Mammographieuntersuchung eingeladen, also einer Röntgenanalyse der Brust auf Tumoren.

Männer

Ab dem 45. Lebensjahr ist für Männer eine jährliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Genitalien und Prostata empfehlenswert.

Frauen und Männer

Ab dem 35. Lebensjahr erfolgt alle zwei Jahre ein Gesundheits-Check-up für Männer und Frauen zur Früherkennung insbesondere von Nieren-, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, eine Ganzkörperuntersuchung inklusive Blutdruckmessung, die Laboranalyse von Blutproben zur Ermittlung der Blutzucker- und Cholesterinwerte sowie eine Untersuchung des Urins. Zusätzlich ab dem 35. Lebensjahr findet alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening mit einer Ganzkörperuntersuchung der Haut statt. Außerdem erfolgt eine Tastuntersuchung der Lymphknoten.

Vom 50. bis zum 54. Lebensjahr werden eine jährliche Dickdarm- und Enddarmuntersuchung für Frauen und Männer angeboten. Dies geschieht in der Regel in Form eines Testes auf verborgenes Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr erfolgt die Darmkrebsfrüherkennung für beide Geschlechter alle zwei Jahre per Test auf verborgenes Blut im Stuhl oder durch maximal zwei Vorsorge-Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. Diese werden mit einem Endoskop durchgeführt, mit dem der Arzt den gesamten Dickdarm auf Krebs beziehungsweise dessen Krebsvorstufen durchsucht. Generell gilt diese Vorsorgeuntersuchung als mustergültiges Beispiel für eine sinnvolle Krebsprävention, da Darmkrebs im Frühstadium sehr gut heilbar ist.

Diabetiker

Für Typ-II-Diabetiker gelten spezielle Vorsorgemaßnahmen für bestimmte Bereiche des Körpers, die durch die Zuckerkrankheit geschädigt werden können. Um Komplikationen vorzubeugen, sollten folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

Augen: Einmal jährlich sollte der Augenhintergrund gespiegelt werden. Nerven: Mindestens einmal jährlich sollte die Nervenfunktion getestet werden, um Erkrankungen des Nervensystems wie Neuropathien entgegenwirken zu können. Blutgefäße: Mindestens einmal pro Jahr ist ein EKG erforderlich. Regelmäßige Blutdruckkontrolle und Kontrolle der Pulse sind unabdinglich, um den Blutstrom im Körper beurteilen zu können. Nieren: Mindestens einmal im Jahr sollte die Nierenfunktion getestet, alle drei Monate der Urin auf Mikroalbumin, also bestimmte Einweiße, untersucht werden.Füße: Es muss eine regelmäßige Kontrolle der Füße und unteren Unterschenkel durch den Hausarzt erfolgen, um Geschwüre zu behandeln und Amputationen vorzubeugen.

Altersunabhängige Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene

Zusätzlich gibt es weitere altersunabhängige, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen für Erwachsene

Zahnvorsorge: Jedem Patienten wird geraten, mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt zu gehen, besser für die Prophylaxe ist allerdings ein halbjährlicher Besuch. Dabei werden die Kosten von beiden Terminen von der Krankenkasse gedeckt. Die einmal jährlich zu empfehlende Entfernung von Zahnstein ist Kassenleistung. Eine professionelle Zahnreinigung, die speziell ausgebildete Prophylaxefachkräfte durchführen, muss man hingegen selbst bezahlen.

Schwangerschaftsvorsorge: Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für Vorsorgeleistungen während der Schwangerschaft und nach der Entbindung auf. Dazu gehören Verfahren zur Erkennung und Überwachung von Risikoschwangerschaften, Ultraschalldiagnostik, HIV-Tests und weitere Blutuntersuchungen auf Infektionen sowie die Untersuchung und Beratung von Wöchnerinnen. Wenn ein Verdacht auf eine Fehlentwicklung des Kindes besteht, werden auch weitere Ultraschalluntersuchungen von der Kasse übernommen. Alle Kassenleistungen sind in den so genannten Mutterschafts-Richtlinien aufgeführt. Diese umfassen geregelte Vorgaben zu Screening-Verfahren, Diagnose und Therapie bei eventuell auftretenden Komplikationen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Schwangere bestmöglich über ihren eigenen Zustand und den ihres Kindes informiert wird.

Schutzimpfungen: Zu den Vorsorgeleistungen zählt auch ein lang anhaltender Schutz durch ein gestärktes Immunsystem. Regelimpfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche wirken gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Haemophilus-influenzae-Typ-B (Hib)-Infektionen, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Hepatitis B, Pneumokokken, Rotaviren, Meningokokken C, Mumps, Masern, Röteln, Varizellen (Windpocken) und Humane Papillomaviren für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren.

Darüber hinaus können Krankenkassen die Kosten für bestimmte Reiseimpfungen übernehmen.

Auffrischimpfungen und Indikationsimpfungen sind unterschiedlich in den Satzungen der Kassen geregelt. Die Indikationsimpfungen sind bei erhöhter Gefährdung von Personen in bestimmten Berufen und bei Angehörigen bestimmter Alters- oder Risikogruppen sinnvoll: Beispielsweise bietet sich für Personen ab dem 60. Lebensjahr, und generell für Lehrer und Krankenpflegepersonal die Impfung gegen Influenza an. Von Impfungen gegen Pneumokokken-Infektionen profitieren ebenfalls Personen über 60 Jahre. Impfungen gegen Frühsommermeningo-Enzephalitis (FSME) haben sich für Leute, die im Verbreitungsgebiet der durch Zecken übertragenen FSME leben, als nützlich erwiesen.

Leonard Hillmann



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