Impfungen: Wirkungen und Nebenwirkungen, Kosten und Image

Impfungen gehören zu den größten und wichtigsten Erfolgen der modernen Medizin. Was sie so wichtig macht, wie sie wirken und was man über Nebenwirkungen weiß, lesen Sie hier.

Wer geimpft ist, der schützt sich und andere vor gefährlichen Infektionskrankheiten.


Foto: Thilo Rückeis/Tsp

Warum sind Impfungen so wichtig?

Impfungen gehören zu den größten und wichtigsten Erfolgen der modernen Medizin. Durch diese Präventionsmaßnahme, die von Medizinern auch als Vakzination bezeichnet wird, ist der Einzelne gegen zum Teil lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten gewappnet. Doch auch die Allgemeinheit profitiert: Sind in einer Bevölkerung durch die Impfung ausreichend viele Leute gegen bestimmte Krankheitserreger immun, um so die Weiterverbreitung der Keime zu behindern, werden auch die Nichtgeimpften geschützt.

Impfprogramme haben seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Verbreitung verschiedener Infektionskrankheiten gestoppt. Die Pocken-Viren, gegen die bereits Ende des 18. Jahrhundert geimpft werden konnte, sind inzwischen – bis auf ein paar Bestände zum Beispiel in Biowaffenlaboren - global ausgerottet. Und solch ein Erfolg ließe sich durch konsequentes Handeln auch bei anderen Krankheiten wiederholen. Experten sagen, dass jährlich rund 1,5 Millionen Kinder an Krankheiten sterben, die durch Impfungen verhindert werden könnten.

Wie ist das Wirkungsprinzip der Immunisierungen?

Die Wirkung dieser Behandlungen beruht auf zwei Grundprinzipien, die als aktive und passive Immunisierung bezeichnet werden:

Bei der aktiven wird das Immunsystem angeregt, selbst tätig zu werden und Antikörper zu bilden, die speziell auf die Bekämpfung bestimmter Krankheitserreger zugeschnitten sind. Dazu werden dem Organismus entweder die abgeschwächten Keime oder deren Bausteine injiziert oder mittels Schluckimpfung oder Nasenspray verabreicht, worauf das Immunsystem reagiert. Dabei unterscheidet man zwischen Lebend- und Totimpfstoffen. Erstere bestehen aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime, die aber so stark abgeschwächt sind, dass sie sich zwar noch vermehren, aber keine Krankheit mehr bei Menschen mit einem gesunden Immunsystem auslösen können. Totimpfstoffe hingegen enthalten abgetötete Viren oder Bakterien oder ausgewählte Bestandteile davon, die sich im Körper nicht mehr vermehren können, aber trotzdem eine Immunreaktion auslösen. Kommt der Organismus später erneut mit einem Krankheitserreger in Kontakt, kann das Immunsystem schnell auf den schon bekannten Schädling reagieren, wodurch es schließlich nicht oder nur deutlich abgeschwächt zur Krankheit kommt.

Bei der so genannten Passiv-Impfung hingegen stellt das Immunsystem die Antikörper nicht selbst her. Der Empfänger wird mit einem Serum geimpft, das in hoher Konzentration bereits Antikörper gegen den Krankheitserreger enthält. Mit der Passivimpfung will man erreichen, dass der Organismus schnell auf einem ihm unbekannten Erreger, mit dem er sich infiziert hat, reagieren kann. Denn die Bildung eigener Antikörper dauert seine Zeit. Doch dieser schnelle Schutz hält oft nur drei Monate an.

Wie lange wirken Impfungen?

Manche Immunisierungen bieten nach derzeitigem Wissensstand einen dauerhaften Schutz. Aber ob sie wirklich ein Leben lang wirken, ist bisher nicht belegbar, weil erst seit einigen Jahrzehnten geimpft wird. „Ein lebenslanger Schutz zum Beispiel nach zwei Impfungen gegen Masern ist plausibel, da wir gegen diese Viren seit 40 Jahren ohne Hinweis auf Abnahme des Impfschutzes vorgehen“, sagt der Kinderarzt Martin Terhardt. Terhardt ist seit 2011 Mitglied der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut, die Empfehlungen für Impfungen ausspricht. Der Hintergrund dafür, dass es noch keine Beweise für einen lebenslangen Immunisierungsschutz gibt, ist, dass es noch keine Geimpften gebe, die die natürliche Altersgrenze unbeschadet erreicht hätten. Andere Impfungen müssen in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden. Um dabei den Überblick zu behalten, ist es ratsam, eine Impfdokumentation – Impfpass genannt – zu führen. Aus ihm ist schnell ersichtlich, welche Immunisierungen zu welchem Zeitpunkt fällig sind. Der Pass soll außerdem verhindern, dass falsche oder unnötige Impfungen durchgeführt werden.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Immer wieder wird über unerwünschte Nebenwirkungen von Immunisierungen heftig diskutiert. Und diese sind auch durchaus möglich, grundsätzlich aber selten und wenn sie auftreten sollten, sind sie fast immer harmlos. Infolge der Impfung wird das Immunsystem angeregt, wodurch eine Entzündungsreaktion abläuft. Diese kann am Ort der Einstichstelle zu Schwellung, Rötung, Juckreiz oder Schmerzen führen. Manchmal können auch nah gelegene Lymphknoten tastbar anschwellen. Erkältungsähnliche Symptome mit Fieber und Abgeschlagenheit sind dann möglich. Diese sind zwar lästig, aber fast immer ungefährlich und dauern rund drei Tage an. Nur selten sind sie schwerwiegender und dann als Impfkomplikation vom Arzt meldepflichtig. Weiterhin gibt es als Besonderheit - beispielsweise bei den Masern-Impfungen - noch die so genannte Impfkrankheit, die bei etwa fünf Prozent der Geimpften auftritt. Bei diesen Patienten kommt es kurzzeitig zu Symptomen, die denen der zu verhütenden Erkrankung gleichen, die aber nicht zur Ansteckung führen.

„Die Impfstoffe werden von großen Einrichtungen wie der Weltgesundheitsorganisation, der STIKO und den nationalen und internationalen Zulassungsbehörden ständig überwacht“, sagt der Impfexperte Martin Terhardt. In solch einer Ausführlichkeit werde sonst keine andere Medikamentengruppe beaufsichtigt.

Das Risiko von Nebenwirkungen bei Impfungen ist zwar bekannt, steht aber aus medizinischer Sicht in keinem Verhältnis zum Nutzen und den langfristigen Vorteilen von Impfungen. „Die Risiken dieser negativen Auswirkungen sind um ein Vielfaches kleiner als das Risiko von Komplikationen, wenn die entsprechende Krankheit auftritt“, betont Terhardt. Nicht umsonst habe sich die Schutzimpfung als eine der ersten Präventionsmaßnahmen seit dem 19. Jahrhundert bis heute bewährt.

Wie gut sind die Deutschen geimpft?

In Deutschland besteht keine Impfpflicht, Immunisierungen werden hierzulande empfohlen. Diese Empfehlungen, die vor allem bedeuten, dass die Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen, stammen von der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Trotzdem ist der Durchimpfungsgrad - also der Anteil der Personen einer bestimmten Zielgruppe, der immunisiert ist - bei Kindern relativ hoch. „Wir wissen, dass aktuell in Deutschland bis zu 95 Prozent aller kleinen Kinder zwischen zwei und sechs Jahren ausreichend geimpft sind“, sagt Terhardt. Jugendliche und Erwachsene hingegen wiesen einen verhältnismäßig schlechten Impfschutz auf. Auch bei chronisch Kranken oder älteren Menschen, für die beispielsweise eine Grippeimpfung empfehlenswert sei, gebe es große Impflücken. „Außerdem sind viele Beschäftigte im Gesundheitswesen, die höhere Risiken für Ansteckungen und Weiterverbreitung von Krankheiten in sich tragen, oft nicht ausreichend gegen Krankheitserreger wie Grippe oder Masern gewappnet.“

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Herbst 2013 eine Umfrage mit 1269 Personen ab 16 Jahren durchgeführt. Demnach kenne fast jeder zweite Deutsche seinen Impfstatus nicht. Ebenso kümmere sich nur gut die Hälfte der Bürger um eine regelmäßige Auffrischung. Dabei werde noch am meisten „auf die Erneuerung von Tetanusimpfungen (47 Prozent) geachtet, mit deutlichem Abstand gefolgt von den Grippeimpfungen (23 Prozent) und den Impfungen gegen Diphtherie (20 Prozent)“. 16 Prozent würden auf  einige, 0,4 Prozent sogar auf alle Impfungen verzichten. Weitere ausführliche Informationen zu Impfungen bietet auch die Webseite www.impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Was kosten Impfungen?

Die gesetzlichen Krankenkassen oder auch die Arbeitgeber übernehmen in der Regel die Kosten für die von der Stiko empfohlenen Immunisierungen. Diese Empfehlungen werden einmal jährlich auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts (RKI) veröffentlicht.

Es gibt aber auch Impfungen, die man eigenständig zahlen muss - zum Beispiel gegen Grippe, wenn man noch nicht 60 Jahre alt ist. Die Kosten für eine Spritze liegen dabei zwischen sieben und 17 Euro.

Außerdem sind bestimmte Reiseimpfungen Eigenleistungen. Dazu zählen sowohl allgemein empfohlene gegen zum Beispiel Hepatitis A oder B als auch speziell empfohlene gegen beispielsweise FSME, Typhus, Pneumokokken oder Tollwut. Dabei liegen die Preise für diese Impfstoffe zum Teil im dreistelligen Bereich. Aber immer mehr gesetzliche Krankenkassen erstatten Impfungen und Malariaprophylaxe für den privaten Auslandsurlaub. Für einen besseren Überblick, welche Krankenkassen für welche Reiseimmunisierungen aufkommen, hat das Centrum für Reisemedizin eine Tabelle erstellt. Außerdem informiert das Tropeninstitut darüber, welche Impfnachweise man vor der Einreise in bestimmte Länder vorweisen muss.

Für einen besseren Überblick, wann welche Impfung angebracht ist, finden Sie in im Präventionsportals einen Impfkalender, der sämtliche von der STIKO empfohlene Immunisierungen, Zeiträume, Wirkungen und weitere Informationen enthält.

Leonard Hillmann



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