Brustkrebsvorsorge: Pro und Contra des Mammographie-Screenings

Im Laufe ihres Lebens erkrankt jede neunte bis zehnte Frau an Brustkrebs. Dieses Ergebnis langjährig geführter Studien ist erschreckend. Gleichzeitig aber auch enorm wichtig zu wissen, um medizinisch dagegen vorzugehen. Deshalb wurde das Mammographie-Screening entwickelt – um das Risiko zu senken, an Brustkrebs zu sterben. Doch der Nutzen der Untersuchung ist umstritten und wird immer wieder diskutiert.

Im Laufe ihres Lebens erkrankt jede neunte bis zehnte Frau an Brustkrebs. Dieses Ergebnis langjährig geführter Studien ist erschreckend. Gleichzeitig aber auch enorm wichtig zu wissen, um medizinisch dagegen vorzugehen. Deshalb wurde das Mammographie-Screening entwickelt – um das Risiko zu senken, an Brustkrebs zu sterben. Doch der Nutzen der Untersuchung ist umstritten und wird immer wieder diskutiert.

Wozu dient die Mammographie?

Brustkrebs – Mediziner sprechen vom Mammakarzinom – zählt zu der in den meisten Ländern häufigsten Krebserkrankung von Frauen, aber in seltenen Fällen können auch Männer betroffen sein. Damit es dazu nicht kommt oder Folgeerkrankungen vermieden werden, erfolgt eine radiologische Untersuchung möglichst frühzeitig. Denn je eher man den Tumor entdeckt, desto besser kann man ihn behandeln. 

Pro: Das Screening-Programm kann Menschenleben retten. Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist die Brustkrebsfrüherkennung - gemessen an vorherrschenden Qualitätsstandards und genutzter Medizintechnik - noch nie so gut gewesen wie heute.

Contra: Das Screening-Programm kann bei falsch bewerteten Befunden die entsprechenden Patientinnen in Todesangst versetzen.

Wie wird die Untersuchung vorbereitet?

In Deutschland erhalten Frauen zwischen 50 und 69 jedes zweite Jahr zur Vorsorge-untersuchung eine schriftliche Einladung. Darin wird ein Termin für die Röntgenuntersuchung angeboten, die in einer so genannten Screening-Einheit durchgeführt wird. Dem Brief liegt eine Broschüre bei, in der die wichtigsten Informationen zur Untersuchung stehen. Ob man mitmachen möchte, entscheidet jede Frau für sich.

Pro: Für das Programm besteht keine Teilnahmepflicht. Es soll vielmehr ein Angebot als eine Last sein. Ein persönliches Anschreiben sorgt für eine höhere Beteiligungsquote als zum Beispiel öffentliche Werbung.

Contra: Die Einladungen für jede Patientin müssen termingerecht verschickt werden. Das ist mit einem hohen logistischen Aufwand verbunden.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Als teilnehmende Patientin füllt man beim erstmaligen Besuch einen Fragebogen, um persönliche Daten und mögliche Vorerkrankungen zu erfassen. Dabei ist medizinisch besonders relevant, ob Brustkrebserkrankungen bei Familienmitgliedern der Patientin bekannt sind. Alle Angaben sind wie bei jedem anderen Arztbesuch streng vertraulich und unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.

Anschließend führt eine Röntgenassistentin die Mammographie durch. Hierbei erstellt sie je zwei Aufnahmen aus zwei oder gegebenenfalls auch mehreren Richtungen von den Brüsten der Patientin, die zwischen einen Objekttisch und eine Plexiglasplatte gedrückt werden. Das empfinden einige Patientinnen als unangenehm, ist aber notwendig, um die Strahlendosis gering zu halten. Außerdem wird so die Brustregion bestmöglich abgebildet. Die Untersuchung soll in den ersten zehn Tagen des Menstruationszyklus erfolgen, denn dann ist das Brustgewebe weniger dicht und kann besser analysiert werden. Außerdem ist dann die Kompression der Brust weniger unangenehm.

Pro: Die Untersuchung an sich bedarf keiner aufwendigen Vorbereitung von Seiten der Patientinnen. Sie dauert mit gut 20 Minuten relativ kurz. Die Strahlendosis ist verhältnismäßig gering und Experten gehen davon aus, dass der Nutzen des Screenings die Risiken der Strahlen bei weitem überwiegt.

Contra: Als Nebenwirkungen sind Schmerzen bei der Untersuchung oder ein Ergebnis, dass trotz auffälligem Befund in weiteren Abklärungen keine Krebserkrankung nachgewiesen werden kann, bekannt. Weiterhin werden Befunde zum Teil überdiagnostiziert, also erhalten Frauen eine Therapie für eine nicht zwangsweise behandlungsbedürftige Erkrankung

Wie wird die Untersuchung ausgewertet?

Die Aufnahmen werden in den folgenden Tagen sorgfältig begutachtet und bewertet. Dabei liegen sie zwei verschiedenen Ärzten vor, die sie unabhängig voneinander analysieren. Halten sie einen Befund für auffällig, werden weitere Spezialisten befragt. Man versucht, die Befunde so schnell wie möglich auszuwerten, da die Zeit des Wartens für die Patientinnen belastend sein kann. Im Idealfall sollte der Brief mit dem Ergebnis innerhalb von sieben Werktagen nach der Untersuchung zugestellt sein.

In den meisten Fällen sind die Befunde unauffällig, sodass die Patientinnen in zwei Jahren die nächste Einladung zur Mammographie erhalten. Aber Folgendes darf man nicht vergessen: Trotz des hohen Qualitätsstandards und aller Behutsamkeit beim Untersuchungsverfahren kann ein bösartiger Tumor in der Mammographie nicht sichtbar sein. Tückischerweise kann er auch erst in den beiden Jahren bis zur nächsten Untersuchung wachsen. In seltenen Fällen kann ein Tumor sogar von beiden Fachärzten übersehen werden. Jede Frau sollte sich einen medizinischen Rat einholen, wenn ihr Veränderungen in der Brust auffallen – selbstverständlich auch schon, wenn die zwei Jahre bis zur nächsten Mammographie noch nicht vorbei sind. Dazu zählen zum Beispiel tastbare Verhärtungen oder Knoten, sichtbare Verformungen oder Eindellungen, Hautveränderungen oder Einziehungen der Brustwarze, Blutungen oder andere Absonderungen aus der Brustwarze.

Pro: Die Auswertung erfolgt nicht nur durch eine Person. Die Experten, die die Befunde auswerten, sind speziell geschult und verfügen über eine langjährige Erfahrung.

Contra: Trotz hoch auflösender technischer Bildgebung und langjähriger Erfahrung der Begutachter sind Fehleinschätzungen oder übersehene Tumore möglich. Laut Experten wird jeder fünfte Brustkrebs durch die Vorsorgeuntersuchung nicht gefunden.

Wer ist befugt, das Mammograpie-Screening durchzuführen?

Nur besonders fortgebildete und erfahrene Ärzte dürfen eine Screening-Einheit leiten. Sie führen in der Regel die Untersuchung nicht persönlich durch, werten aber die Befunde aus und schreiten bei allen Fällen ein, die einer Behandlung bedürfen. Eine Mammographieaufnahme zu machen gehört – wie jede andere Röntgenuntersuchung – zu den Aufgaben von medizinischen Röntgen-Fachkräften. Sie müssen sich durch Schulungen und Fortbildungen besonders qualifizieren, um im Screening-Programm mitarbeiten zu können. Für medizinische Fragen, die die Röntgenassistentinnen nicht beantworten können, haben die Patientinnen noch Gelegenheit zu einem ärztlichen Gespräch.

Pro: Die Untersuchung wird von hoch spezialisierten Fachkräften durchgeführt.

Contra: Es ist keine Seltenheit, dass die Patientinnen vor Ort keinen persönlichen Kontakt zu den behandelnden Ärzten erhalten. Das lässt Klagen der Patientinnen entstehen, sich nicht ausreichend empathisch behandelt vorzukommen. Außerdem werden nicht einmal bei kritischen Befunden die behandelnden Frauenärzte regelmäßig eingebunden. Das führt zu einer Teilnehmerate von 50 Prozent und erreicht damit nicht die notwendige Rate von 70 bis 80 Prozent, die ein gesundheitspolitisch erfolgreiches Screening ausmacht.

Welchen Nutzen kann man aus dem Mammographie-Screening ziehen?

2002 wurde das Mammographie-Screening-Programm in Deutschland eingeführt, seit 2009 ist es bundesweit mit 96 Screening-Einheiten flächendeckend etabliert. Statistiken zufolge kann man von 200 untersuchten Frauen, die man über 20 Jahre jedes zweite Jahr mittels Mammographie untersucht, bei 13 Patientinnen Brustkrebs diagnostizieren. Von ihnen sterben drei an Brustkrebs, zehn können vor dem Tod bewahrt werden. Ohne Frage kann man diesen Frauen also durch die Früherkennung das Leben retten. Dass weniger Menschen an dem Krebs sterben, wird auch an dem geringeren Sterberisiko erkennbar. Nach Angaben der Geschäftsstelle der Kooperationsgemeinschaft Mammografie kann durch diese sinkende Brustkrebssterblichkeit in Deutschland - auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet - bis zu 2000 Frauen im Jahr das Leben gerettet werden.

Problemtisch hingegen ist es, dass das Screening generell zu einer deutlichen Zunahme der Fallzahlen – berechnet  auf 100 000 Einwohner – führt. Dann werden Tumoren bekämpft, die eigentlich gar keine sind, oder vermutete Befunde therapiert, die unbehandelt keine lebensgefährdenden Komplikationen bergen. Das heißt konkret, dass Frauen unnötig bestrahlt werden oder die Brust amputiert bekommen.

Pro: Durch das Screening streben weniger Frauen an Brustkrebs als zuvor – auch im internationalen Vergleich.

Contra: Gesundheitswissenschaftler an der Universität Hamburg gehen davon aus, dass fünf von 1000 Frauen durch Fehldiagnosen aufwendigen und belastenden medizinischen Verfahren unterzogen werden, obwohl dafür gar kein Anlass besteht.

Fazit

Ob man das Mammographie-Screening schließlich empfehlen oder davon abraten sollte, bleibt nach wie vor schwer zu beantworten. In jedem Fall ist es ratsam, vor dem Besuch in der Screening-Einheit mit dem behandelnden Haus- und Frauenarzt zu sprechen und nach einer kompetenten Stellungnahme zu fragen - besonders dann, wenn durch die Familiengeschichte ein erhöhtes Risiko für eine Krebserkrankung möglich ist.Letztendlich steht es jeder Frau frei zu entscheiden, ob sie an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen möchte - wichtig ist dabei nur zu wissen, welche Punkte für und wider dieses Angebot sprechen.

 

Leonard Hillmann



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