Qualitätssicherung: "Leitfaden Prävention" der Krankenkassen

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, Präventionsmaßnahmen finanziell zu fördern. Um einzugrenzen, für welche Angebote unter der nahezu unübersehbaren Vielfalt an Fitness- oder Bewegungskursen man Geld ausgibt, haben die Kassen in einem „Leitfaden Prävention“ Qualitäts- und Strukturvorgaben definiert. Diese sollen sicherstellen, dass die geförderten Kurse wirklich der Gesundheit der Versicherten dienlich sind.

Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, Präventionsmaßnahmen finanziell zu fördern. Um einzugrenzen, für welche Angebote unter der nahezu unübersehbaren Vielfalt an Fitness- oder Bewegungskursen man Geld ausgibt, haben die Kassen in einem „Leitfaden Prävention“ Qualitäts- und Strukturvorgaben definiert. Diese sollen sicherstellen, dass die geförderten Kurse wirklich der Gesundheit der Versicherten dienlich sind. Letztlich bleibt die Entscheidung, welche Kurse man fördert, aber bei den einzelnen Krankenkassen – auch dann, wenn der Kurs die Vorgaben des Leitfadens erfüllt. Der Hinweis „entspricht den Leitlinien der Krankenkassen“ auf dem jeweiligen Angebotsprofil in diesem Portal bedeutet also nicht automatisch, dass die eigene Kasse diese Kosten auch bezuschusst. Jeder Versicherte sollte sich deshalb erst bei seiner Kasse informieren, bevor er ein Präventionsangebot in Anspruch nimmt.

Die Kriterien überschneiden sich zu großen Teilen mit den Vorgaben des Siegels Sport pro Gesundheit.

Die Kassen definieren im Leitfaden für die individuelle Prävention – also den Bereich, in dem sich die Versicherten die zu ihrem Ansprüchen passenden Angeboten selbstständig suchen - acht Schwerpunkte, die sie fördern, und zwar sortiert nach vier Hauptkategorien (Präventionsprinzipien genannt), die sich so auch in der Datenbank des Stadtplans Gesundheitsförderung wieder finden. Die jeweiligen Kategorien der Datenbank werden in der Klammer genannt.

A. Bewegungsgewohnheiten (im Portal ist das die Angebotskategorie: "Gesundheitssport und Bewegungsangebote")

- Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität

- Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme (im Portal Angebotskategorie: Prävention bei Vorerkrankungen oder Risikofaktoren)

B. Ernährung (im Portal Angebotskategorie: "Gesunde Ernährung")

- Vermeidung von Mangel- und Fehlernährung

- Vermeidung und Reduktion von Übergewicht

C. Stressmanagement (im Portal Angebotskategorie: "Entspannung und Stressbewältigung")

- Förderung von Stressbewältigungskompetenzen (Multimodales Stressmanagement)

- Förderung von Entspannung (Palliativ-regeneratives Stressmanagement)

D. Suchtmittelkonsum (im Portal Angebotskategorie: "Suchtvermeidung und -entwöhnung")

- Förderung des Nichtrauchens

- Gesundheitsgerechter Umgang mit Alkohol / Reduzierung des Alkoholkonsums

Außerdem finden sich im Leitfaden auch Vorgaben für förderfähige Präventionsangebote direkt im Lebensumfeld derjenigen, die man erreichen will, die aber aus verschiedenesten Gründen nicht in der Lage sind, die Angebote selbstsständig auszusuchen – neudeutsch: Setting genannt.

A. Gesundheitsfördernde Kindertagesstätte (im Portal Angebotskategorie: Gesundheitsfördernde Kitas und Schulen)

B. Gesundheitsfördernde Schule (im Portal Angebotskategorie: Gesundheitsfördernde Kitas und Schulen

C. Gesundheitsförderung in der Kommune / im Stadtteil (im Portal Angebotskategorie: Staatlich geförderte Gesundheitsaufklärung und Prävention)

 

Qualitätsvorgaben

Folgende Kriterien müssen die Angebote der individuellen Prävention erfüllen, um von den Krankenkassen gefördert werden zu können:

Es müssen Zielgruppen definiert sein: Die Angebote zur Reduzierung von Bewegungsmangel sollen beispielsweise für gesunde – auch ältere – Versicherte mit Bewegungsmangel, Einsteiger oder Wiedereinsteiger geeignet sein. „Bei Programmen, die sich an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren richten, sind die Eltern einzubinden“, heißt es im Leitfaden.

Andere Vorgaben gibt es für das oben genannte Prinzip „Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken“. Diese Angebote wenden sich besonders an Personen, die unter Problemen des Muskel-Skelett-Systems (besonders Rückenbeschwerden, Arthrosen, Osteoporose, Inkontinenz sowie Störungen der Motorik) leiden, unter Problemen im metabolischen Bereich (also abnormale Werte des Blutzuckers, des Blutdrucks, der Blutfette und des Gewichts), Problemen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lungenfunktion oder psychische und psychosomatische Beschwerden haben (Depressionen, Muskelverspannungen, Problemen des Magen-Darm-Traktes und andere).

Die Kurse müssen außerdem so genannte Kernziele definieren, die zu erreichen sind. Hier am Beispiel der Angebote zur Reduzierung von Bewegungsmangel erläutert, sind das unter anderem diese Ziele:

- Stärkung der physischen Gesundheitsressourcen (Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit und ähnliche)

- Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen (das sind zum Beispiel Kenntnisse über die gesundheitsfördernde Wirkung der sportlichen Betätigung)

- Verminderung von gesundheitlichen Risikofaktoren (besonders die des Herz-Kreislauf- und des Muskel-Skelettsystems)

- Bewältigung von psychosomatischen Beschwerden und Erhöhung des Wohlbefindens

- Motivation, dauerhaft gesundheitsfördernden Sport zu betreiben

Um diese Ziele zu erreichen, sollen die Programme folgende Bestandteile enthalten:

- Module zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Dehnfähigkeit und ähnlichem. Dabei soll der Kursleiter Informationen zur Belastungsdosierung geben und die korrekte Ausführung der Übungen erläutern. Dabei sollen auch motivierende Elemente zum Einsatz kommen, etwa Musik oder anfeuerndes Verhalten des Kursleiters.

- Lockerungs- und Dehnübungen

- Vermittlung theoretischen Wissens zu den gesundheitlichen Wirkungen sportlicher Betätigung

- Vermittlung von Körpererfahrung und positiven Bewegungserlebnissen in der Gruppe

- Informationen, wie mehr Bewegung in den Alltag integriert werden kann, zum Beispiel durch Treppensteigen statt Fahrstuhl oder regelmäßiges Radfahren.

Der Kursleiter muss über folgende Qualifizierungen verfügen: Fachkräfte, wie Sportwissenschaftler, Krankengymnasten, Sportlehrer oder Ärzte, die einen staatlich anerkannten Berufs- oder Studienabschluss haben. Auch Übungsleiter der Turn- und Sportverbände, die eine Fortbildung „Sport in der Prävention“ (Lizenzstufe II) haben, können kassengeförderte Kurse durchführen, sofern es sich dabei um Vereinsangebote handelt, die mit dem Siegel „Sport pro Gesundheit“ zertifiziert sind.

Organisatorische Voraussetzungen. Die Größe der Kursgruppen soll bei maximal 15 Teilnehmern liegen. Dabei sollen die Gruppen ausschließlich der benannten Zielgruppen angehören. Die Angebote umfassen grundsätzlich mindestens acht Trainingseinheiten von jeweils 45 Minuten Dauer, in der Regel im wöchentlichen Rhythmus. Maximal sollen zwölf Einheiten à 90 Minuten nicht überschritten werden.

Nicht gefördert werden können Angebote, die folgende Ausschlusskriterien aufweisen:

- Angebote des allgemeinen Freizeit- und Breitensports

- Maßnahmen zum Erlernen einer Sportart

- Einseitige körperliche Belastungen

- reine oder überwiegend gerätegestützte Angebote

- Angebote, die an die Nutzung von Geräten bestimmter Firmen gebunden sind

- Dauerangebote

- Angebote für Kinder unter sechs Jahren

Auch zu den übrigen Präventionsprinzipien definieren die Kassen in dem Leitfaden mehr oder weniger konkrete Vorgaben. Den gesamten Leitfaden können Sie hier als PDF herunterladen und nachlesen.

 

Ingo Bach

(Quelle: „Leitfaden Prävention“ des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen vom 27. August 2010)



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