Qualitätssicherung: DIN-Norm für Fitnessstudios

Seit März 2013 soll eine neue DIN-Norm Verbrauchern die Wahl eines neuen Fitnessstudios erleichtern. Bisher sind nur wenige Studios zertifiziert. Doch das soll sich 2014 ändern.

Seit Jahren wächst die Fitnessbranche kräftig. Rund acht Millionen Deutsche trainieren in mehr als 7000 Studios. Bisher ist der Markt für Laien unübersichtlich. Neukunden können ohne ein ausführliches Probetraining kaum über das Angebot eines Fitnessstudios entscheiden.

Seit März 2013 möchte das Deutsche Institut für Normierung Kunden die Auswahl eines Studios erleichtern. Das Siegel DIN 33961 garantiere ein Mindestmaß an „Sicherheit und Qualität hinsichtlich Studioausstattung und –management“, heißt es beim Institut.

Fitnessstudiobetreiber aber auch Prüfinstitute, der Verbraucherschutz und Behörden waren an der Ausarbeitung der Norm, die einen freiwilligen Standard darstellt, beteiligt. Wie viele Selbstregulierungen trifft sich auch die DIN-Norm auf dem kleinsten Nenner, das räumt auch Matthias Lompa, Experte beim TÜV-Rheinland ein. „DIN-Normen dürfen nicht Markt verzerrend wirken“, sagt Lompa. Würden die Vorgaben zu hoch gehängt, würden schwächere Anbieter ausgeschlossen. „Wir haben in einer Umfrage ermittelt, welche Ausstattung mindestens in einem Fitnessstudio vorhanden sein muss.“ Das Ergebnis: Hanteln und Kraftmaschinen. Saunen, Solarien oder Schwimmbecken gehörten nicht dazu. Deshalb enthält DIN-Norm auch nur Standards für Kraftmaschinen.

Außerdem regelt die neue Norm nur das, was noch geregelt werden müsse. Kundenverträge und Allgemeine Geschäftsbedingungen seien beispielsweise bereits im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt und würden daher nicht geprüft.

Lompa verbindet mit dem neuen Siegel aber auch eine Hoffnung: Bisher kooperierten Krankenkassen immer nur regional mit einzelnen Anbietern. Das soll sich nun ändern. „Die Branche versucht erstmals ein breitgestütztes einheitliches Auftreten hinzubekommen.“ Bundesweite oder zumindest überregionale Kooperationen könnten so erleichtert werden.

 

Die wichtigsten Regelungen der DIN-Norm im Überblick:

Gerätegestütztes Krafttraining

Trainingsgeräte müssen den Kunden freizugänglich sein, auch bei gleichzeitiger Nutzung aller Geräte.

Vor dem ersten Training sollte jedem Neukunden ein so genanntes Eingangsgespräch angeboten werden, das anhand eines standardisierten Fragebogens dokumentiert wird. Neben der sportlichen Erfahrung und den Trainingszielen, sollte eine gesundheitliche Risikoabklärung mindestens folgende Fragen klären:

  • Befindet sich der Kunde in ärztlicher Behandlung?
  • Nimmt der Kunde Medikamente ein?
  • Gibt es Atemwegserkrankungen?
  • Liegt ein Harz-Kreislauf-Risiko vor?
  • Wie fit ist der Bewegungsapparat?
  • Ist der Sporttreibende ein Trainingsneueinsteiger?

Trainer und Kunde erarbeiten anhand der Trainingsziele einen schriftlichen Trainingsplan, der mindestens alle drei Monate mit einem Trainer aktualisiert werden kann.

Trainingseinsteiger müssen in die Übungen und Geräte eingewiesen werden. Dafür sollte sich ein Trainer mindestens eine Stunde Zeit nehmen.

Mindestens alle drei Monate sollte der Kunde seinen Trainingsfortschritt mit einem Trainer überprüfen können. Eine Stunde sollte dafür mindestens zur Verfügung stehen. 

Die DIN-Norm schreibt mindestens 16 separate Trainingsstationen vor, an denen die Kunden in 19 unterschiedliche Bewegungsrichtungen trainieren können. Beispielsweise muss für das Abwärtsziehen entweder eine vertikale Rückenzugmaschine oder ein vertikaler Lat-Zug im Studio aufgestellt sein.

 

Hygiene

Die Hygienevorschriften lassen dem Betreiber recht freie Hand. „Trainingsräumlichkeiten sind regelmäßig im Ermessen des Betreibers zu reinigen“ heißt es in der Norm. Wie oft regelmäßig ist, bleibt weitestgehend unklar. Immerhin müssen Fußboden, Sanitär- und Barfußbereiche einmal pro Tag gereinigt werden. Im Falle einer TÜV-Prüfung wird nach Putzprotokollen kontrolliert.

 

Kundenvertrag

Obwohl die DIN-Norm einige unverbindliche Vorschläge formuliert, müssen sich die Kundenvertäge lediglich im Rahmen des Bürgerlichen Gesetzbuchs bewegen. „Es sind keine weiteren, über die gesetzlichen hinausgehenden Bestimmungen einzuhalten“, heißt es in der Norm etwas umständlich formuliert.

Folgende freiwillige Bestimmungen schlägt die Norm vor:

  • „Die Kündigungsfrist ist von der Laufzeit des Vertrages abhängig. Bei einer Laufzeit von 24 Monaten beträgt sie zwei Monate. Bei einer Laufzeit von 12 Monaten beträgt sie 6 Wochen.“
  • „Im Kundenvertrag sollte eine Probezeit von mindestens 7 Tagen vereinbart werden. Bei einer Kündigung während der Probezeit kann der Beitrag anteilig eingefordert werden (gesetzlich gibt es keine Verpflichtung zur Gewährung einer Probezeit).“
  • „Die automatische Vertragsverlängerung nach Ablauf der Erstlaufzeit darf nicht länger als 50 % der Erstlaufzeit bei 24 Monaten und 100 % bei kürzeren Laufzeiten sein.“

 

Notfallmanagement

Jederzeit muss ein medizinischer Ersthelfer und ein Brandschutzhelfer im Studio anwesend sein.

Bei medizischen Notfällen müssen Ersthelfer spätestens nach einer Minute Hilfe leisten können.

 

Qualifikation der Trainer

Fitnessstudio-Trainer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und dürfen maximal 20 Trainierende gleichzeitig beaufsichtigen. Müssen die Trainer nebenbei noch putzen, den Empfangsbereich betreuen oder ist das Studio schlecht überschaubar, steigt der Personalschlüssel.

Außerdem verlangt die Norm ein Mindestmaß an Qualifikation: Stufe 2 des Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Trainer für Geräte gestütztes Krafttraining oder Herz-Kreislauf-Training der DQR-Stufe 2 können den Sporttreibenden mit einem „grundlegenden Fachwissen“ unter die Arme greifen: Sportmedizinische Grundlagen wie Kenntnisse der Beschaffenheit des Bewegungssystems des Menschen, der Skelettmuskulatur oder des Herz-Kreislauf-Systems werden vorausgesetzt. Auch Grundlagen der Trainingslehre im Krafttraining und der bedarfsgerechten Ernährung werden erwartet.

Knapp ein Drittel aller Arbeitsstunden im Studio müssen mindestens von Trainern der DRQ-Stufe 3 geleistet werden. An sie stellt der Deutsche Qualifikationsrahmen etwas höhere Anforderungen, nämlich „Erweitertes Fachwissen“ beispielsweise über physiologische und biomechanische Aspekte des Krafttrainings. Folgende Fragen sollten die Trainer beantworten können: Wie passt sich der Körper dem Krafttraining an? Welche mechanischen Belastungen und Drehmomente entstehen durch das Krafttraining? Oder welche Muskelfasertypen gibt es?



Frieder Piazena



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