Qualitätssicherung: Geprüfte Präventionsangebote

Kriterien, mit denen man die Qualität von Angeboten der Gesundheitsförderung vergleichen könnte, gibt es bisher nicht. Stattdessen gibt es Zertifikate und Leitfäden, die gewisse Strukturvorgaben definieren. Wir stellen die wichtigsten vor, die auch in die Datenbank des Stadtplans Gesundheitsförderung eingeflossen sind.

Kriterien, mit denen man die Qualität von Angeboten der Gesundheitsförderung vergleichen könnte, gibt es bisher nicht. Stattdessen gibt es Zertifikate und Leitfäden, die gewisse Strukturvorgaben definieren. Wir stellen die wichtigsten vor, die auch in die Datenbank des Stadtplans Gesundheitsförderung eingeflossen sind.

CSU-Chef Horst Seehofer war auch als Bundesgesundheitsminister nicht um - sagen wir - stammtischverständliche Bemerkungen verlegen. Gesundheitsförderung nannte er – verärgert über die dort verzeichneten Kostensteigerungen Mitte der 90er Jahre – schon mal Bauchtanzgruppen auf Kassenkosten. Nun muss man dieses Votum nicht teilen, aber in der Tat ist das Angebot an Prävention sehr vielfältig – und noch immer fehlt es an einer übergreifenden verbindlichen Qualitätssicherung für diese Angebote, wie es sie zum Beispiel für die Krankenhäuser in Deutschland schon lange gibt. Eine Beurteilung der Qualität oder gar ein Qualitätsvergleich anhand solch harter Kriterien wie Wirksamkeit der Kurse ist nicht möglich, was selbst die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung (BVPG), ein Dachverband von Unternehmen der Gesundheitsförderung, beklagt. „Angaben zur Wirksamkeit der Angebote oder auch zu Mängeln fehlen bisher leider“, sagt zum Beispiel die Vizegeschäftsführerin des BVPG, Beate Grossmann. Es gebe kein Institut, das Qualitätskriterien in der Prävention entwickele, sagte Grossmann auf einer Fachkonferenz im Oktober 2013.

Allerdings existieren zumindest Orientierungshilfen für das, was man von einem gesundheitsfördernden Angebot erwarten darf. Das sind vor allem Anerkennungs- oder Zertifizierungsverfahren, in denen diejenigen, die die Angebote bezahlen (sogenannte Kostenträger) Mindeststandards an Ausstattung, Gruppengröße und Qualifikation der Übungsleiter definieren.

So haben die Gesetzlichen Krankenkassen einen Gemeinsamen Leitfaden Prävention erarbeitet, denn die Kassen sind gesetzlich verpflichtet, Präventionsmaßnahmen finanziell zu fördern. Um einzugrenzen, welche Angebote unter der nahezu unübersehbaren Vielfalt an Fitness- oder Bewegungskursen dafür in Frage kommen, wurden Qualitäts- und Strukturvorgaben definiert.

Dieser Leitfaden überschneidet sich zu großen Teilen mit den Vorgaben des Siegels Sport pro Gesundheit, den der Deutschen Olympischen Sportbund in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer entwickelt hat, um Kriterien für einen gesundheitsfördernden Sport zu definieren. Das Siegel gibt den Anbietern die Möglichkeit zu zeigen, dass sie diese Kriterien erfüllen.

Spezielle Vereinbarungen gibt es für besondere Zielgruppen, wie zum Beispiel bei Angeboten für Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen. Für sie gibt es den Rehasport und so genannte Funktionstrainings. Diese Angebote müssen ein Anerkennungsverfahren durchlaufen, in dem auch sie nachweisen müssen, dass sie bestimmte organisatorische und strukturelle Vorgaben erfüllen. Für beide gilt eine Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining, die Krankenkassen, Rentenversicherung und weiteren Rehabilitationsträger, sowie die Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Behindertensportverband und Selbsthilfeverbände geschlossen haben. Diese Rahmenvereinbarung definiert zum Beispiel, was ein Funktionstraining ist, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit die Rehaträger die Kosten dafür übernehmen, wer Funktionstrainings für wie lange verschreiben kann und welche Zielgruppen angesprochen werden sollen.

Konkretere Qualitätsvorgaben gibt es für medizinische Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, zum Beispiel von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen für die Darmspiegelungen zur Krebsvorsorge. Hier werden den Ärzten, die diese Untersuchung durchführen wollen, Auflagen zum Beispiel für die Hygienemaßnahmen oder zur Mindestanzahl von Untersuchungen gemacht und diese auch regelmäßig kontrolliert.

Und schließlich ist auch die öffentliche Förderung ein Hinweis auf die Qualität von Präventionsanbietern. Denn um diese Förderung zu erhalten, unterwerfen sich diese Anbieter staatlichen Qualitätsvorgaben und –prüfungen.

Ingo Bach



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