Gesundheitssport für Männer: Trainieren fürs Ego

"Atmen Sie tief ein und aus, entspannen Sie sich. Nun setzen Sie sich auf und begeben sich in den Kopfstand. Konzentrieren Sie sich auf die Atmung. Sie müssen sich wohlfühlen bei dieser Yogaübung, es geht um Gleichgewicht, geistige Stärke und innere Klarheit." Eigentlich eine schöne Sache. Trotzdem mögen Männer keinen Gesundheitssport. Ihnen muss man mehr bieten, um sie für den Sport zu gewinnen.

Atmen Sie tief ein und aus, entspannen Sie sich. Nun setzen Sie sich auf und begeben sich in den Kopfstand. Konzentrieren Sie sich auf die Atmung. Sie müssen sich wohlfühlen bei dieser Yogaübung, es geht um Gleichgewicht, geistige Stärke und innere Klarheit. Eigentlich eine schöne Sache. Trotzdem mögen Männer keinen Gesundheitssport.

Dabei hätten sie es nötig: Männer leben statistisch 6,7 Jahre kürzer als Frauen. Zwar machen sie Sport wie verrückt, könnte man sagen. In den Berliner Sportvereinen sind mehr als zwei Drittel der Mitglieder Männer. Sie bilden Laufgruppen, spielen Fußball oder Tennis mit Leuten, die sie kennen - sie messen sich miteinander. „Männern geht es beim Sport um Wettbewerb und darum, sich abzureagieren“, sagt Dietmar Bothe, Sprecher des Landessportbunds Berlin (LSB). Und sobald die Vereine mit Gesundheitsmotiven werben, suchen sie das Weite. So verliert die Branche eine Zielgruppe, die noch nicht ausreichend erfasst wird von den Sportanbietern.

Hier können Betreiber von Sportangeboten ansetzen, um mehr Männer in ihre Yoga- oder Rückenkurse zu bekommen. Der Bedarf ist da in der Hauptstadt: „Der Faktor Sport stellt für die Berliner Wirtschaft einen zunehmend bedeutsamen Wirtschaftszweig dar“, heißt es bei der IHK Berlin. Laut der Studie Sportwirtschaft in Berlin der IHK Berlin und des LSB sind in Berlin etwa 13 000 bis 15 000 Beschäftigte in der Sportwirtschaft, in Vereinen und Verbänden tätig. Dies entspricht rund einem Prozent der Berliner Erwerbstätigen, der Umsatz der Branche liegt bei etwa einer Milliarde Euro.

Fazit der IHK: Durch das sich ändernde Freizeit- und Gesundheitsverhalten der Verbraucher ergebe sich für den Sportsektor eine positive Wachstumsaussicht. Nicht nur Sportstudios oder Personaltrainer profitieren davon, auch der Handel und die Hersteller von Sportgeräten. „Das Geschäftsfeld entwickelt sich gerade, der Bedarf am Markt ist da“, heißt es bei der IHK Berlin. Man beobachte eine steigende Nachfrage beim Ausbildungsberuf Sport- und Fitnesskaufmann. Außerdem ist Berlin im internationalen Sportstädte-Ranking auf Platz zwei, in Deutschland auf Platz eins. Rund 600 000 Berliner sind in den mehr als 2000 Sportvereinen aktiv.

Es bringt nichts, Männern die gesundheitlichen Vorteile des Sports zu beschreiben. Sie wollen Wettbewerb.

Wollen kommerzielle Anbieter die Männer der Stadt auch in ihre Wellness-Angebote bekommen, müssen sie jedoch ihre Strategie ändern. Es bringt gar nichts, Männern von ihren gesundheitlichen Vorteilen zu erzählen, die sie durch ihren Zugang zu Sport haben. „Auch Wörter wie präventiv oder Vorsorge sollten fehlen, wenn man Männer gewinnen will“, weiß Gertrud Höhler, Publizistin und Beraterin für Wirtschaft und Politik sowie Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des LSB. Denn Männer suchten ein stärkeres Ego und eine trainierte Erscheinung mit gut entwickelter Muskelmasse. Es gehe ihnen um ihr Erfolgsprofil. „Breitensport“ sei in Männerohren ein Angebot für Leute, die nichts mehr erreichen wollen, sagt Gertrud Höhler. Der Begriff Gesundheitssport erinnere sie an Krankheit, doch was sie wollten, sind Leistungschancen, Konkurrenz, Fitness-Programme. Wer Männern also Gesundheitssport verkaufen will, sollte ihnen Fakten liefern: Beim Laufen wird die Durchblutung des Gehirns gesteigert, also macht es intelligenter. Geistige Fitness ist untrennbar von körperlicher Fitness – Sport macht erfolgreich. Es gehe um das Siegerimage im Büro, sagt Höhler.

Das hat auch der älteste Sportverein Berlins beobachtet, die Turngemeinde in Berlin 1848 e.V.. Als die Abteilung Fitness- und Gesundheitssport eingerichtet wurde, schreckte das die vorher dominierenden Männer eher ab. Dafür kommen jetzt mehr Frauen, um Kopfstand zu machen. Ist schließlich gut für die Gesundheit.

 

Saskia Wieneit



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