Krankenkassen fördern mit viel Geld Präventionskurse: Wie man als Versicherter den Zuschuss erhält

Die gesetzlichen Krankenkassen fördern Präventionskurse. Doch wie kommt man an diese Angebote, wie viel Zuschuss kann ich erwarten und welche Qualitätsvorgaben gibt es?

„Schon wieder Rückenschmerzen! So kann das doch nicht weitergehen!“ Das dachte sich Bernd Hoffmann* ungefähr jeden zweiten Monat. Der 53-Jährige klagte seit Jahren über einen schmerzenden Rücken. Anfangs, so mit Mitte 40, kamen die Beschwerden einmal im Jahr. In letzter Zeit aber immer öfter und gefühlt immer schlimmer. Beim Orthopäden war der Bankangestellte schon. Der schloss eine Krankheit als Ursache für die Rückenschmerzen aus. Die Beschwerden kämen von den Verspannungen infolge des ständigen Sitzens am Schreibtisch. „Für einen gesunden Rücken soll ich mich mehr bewegen, sagte der Doktor“, erinnert sich Hoffmann.

Hätte Hoffmann früher damit begonnen, wären vielleicht nicht einmal die Rückenschmerzen aufgetreten. Doch auch jetzt noch kann er verhindern, dass den Beschwerden ernsthafte Krankheiten folgen. Denn wenn man sich vorsorglich um seinen Körper kümmert, ist man weniger anfällig für zukünftige Komplikationen. Das gilt für den Rücken wie auch für alle anderen Körperbereiche. Fachleute nennen das Prävention.

Wie nutze ich Präventionsangebote?

Nachdem die Schmerzen wieder abgeklungen waren, nahm sich Bernd Hoffmann vor, einem neuen Anfall entgegenzuwirken. Seine Frau hatte ihm doch mal was von Gesundheitskursen und Präventionsangeboten erzählt. Er griff zum Hörer und rief seine Krankenkasse an.

Alle großen Krankenkassen wie die AOK, die Techniker Krankenkasse oder die BKK VBU verfügen über ein Gesundheitstelefon, das man unter einer zentralen Nummer erreicht. Dort kann man sich über die Kurs- und Präventionsangebote informieren, die die jeweiligen Versicherungen anbieten. Alternativ kann man sie auch auf den zugehörigen Websites finden oder sich auch als Flyer oder Infobroschüre auf dem Postwege zuschicken lassen.

Bernd Hoffmann hat auf Anhieb jede Menge viel versprechende Präventionsprogramme zum Thema Ernährung und Bewegung gefunden. Darüber hinaus werden auch Kurse zur Stressbewältigung und Entspannung, zur Raucher- und Suchtentwöhnung und vielem mehr angeboten. Allein in Berlin ist das Angebot riesig. Die Datenbank des Präventionsportals hilft bei der Suche.

Wie stelle ich als Kassenpatient einen Antrag für geförderte Gesundheitskurse und andere Präventionsangebote?

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen einen Präventionsauftrag erfüllen. Dieser sieht vor, Krankheitsvorsorge und Gesundheitsförderung unabhängig von Geschlecht und sozialer Stellung zu ermöglichen. Ein einfacher Weg, um sich für einen Präventionskurs anzumelden, ist sich über das Gesundheitstelefon der jeweiligen Krankenkasse einen wohnortnahen, qualitätsgeprüften Kurs raussuchen zu lassen und sich dann bei dem Anbieter direkt anzumelden.

Man kann sich auch in Online-Datenbanken mit ein paar Klicks den individuell passenden Kurs aussuchen, gefiltert etwa nach Kriterien wie Veranstaltungsort, Startzeit, Anzahl an freien Plätzen und ähnliches. Das funktioniert zum Beispiel in der Datenbank des Präventionsportals, das kassenübergreifend die Angebote in Berlin bündelt, oder auf den Webseiten der jeweiligen Kassen.

Wie viel Zuschuss gibt es von der Kasse für die Kurse?

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Krankenkassen in einem Jahr zwei Gesundheitsangebote oder Präventionsangebote bezuschussen. Die Kurskosten variieren dabei von Angebot zu Angebot, liegen jedoch in der Regel zwischen 60 Euro bis 250 Euro. Für spezielle Themen wie die Raucherentwöhnung können auch Gebühren von 400 Euro anfallen. Die gesetzlichen Kassen übernehmen hier einen Anteil von 80 bis 100 Prozent oder zahlen pauschale Zuschüsse. Der Versicherte muss die Kurskosten zunächst selbst bezahlen. Um das Geld von der Kasse erstattet zu bekommen, muss man einige Formulare einreichen, unter anderem, die normalerweise der Kursleiter bereit hält. Unter anderem ist meist ein Nachweis über die regelmäßige Teilnahme erforderlich. Nach einigen Wochen überweist die Kasse das Geld an den Versicherten.

Wie viel Zeit nehmen die Kurse in Anspruch?

Die Präventionskurse umfassen grundsätzlich acht oder mehr Einheiten von jeweils mindestens 45 Minuten Dauer, in der Regel im wöchentlichen Rhythmus. Sie sollen zwölf Termine à 90 Minuten Dauer nicht überschreiten.

Gibt es Qualitätsvorgaben für die Gestaltung der Präventionsangebote?

Für viele Kunden war lange Zeit unklar, welche Kurse als Kassenleistung gelten, da Angebote wie Babyschwimmen oder Akupunktur von bestimmten Kassen gezahlt, von anderen Kassen nicht übernommen wurden. Deshalb wurde seit 2000 nach gesetzlichen Vorgaben vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung ein Präventionsleitfaden entwickelt, der für die Krankenkassen verbindlich ist. Er hat den Zweck, die „Versicherten dabei zu unterstützen, Krankheitsrisiken frühzeitig vorzubeugen und ihre gesundheitlichen Potenziale und Ressourcen zu stärken“, heißt es in der Präambel des Leitfadens. Wichtigste Aufgabe der Präventionskurse ist, dass sie den Teilnehmern durch theoretisches und praktisches Wissen Hilfe zur Selbsthilfe geben. Die Angebote basieren auf der Eigeninitiative des Patienten und sollen die Motivation, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, stärken.

Darüber hinaus definieren die Richtlinien Qualitätsvorgaben, etwa für Räumlichkeiten, die Art der Veranstaltung sowie die Mindest- und Maximalgröße der Gruppen. Auch die Grund- oder Zusatzqualifikationen der Kursleiter sind hier festgelegt.

Für diese Regeln gelten zwar keine zentralen Vorgaben des für die Kassenaufsicht zuständigen Bundesversicherungsamtes. Aber dieses prüft, ob vorgesehene Kassenleistungen mit den rechtlichen Voraussetzungen und mit dem Präventionsleitfaden übereinstimmen.

Was gibt es für Unterschiede zwischen den Angeboten der einzelnen Krankenkassen?

Grundsätzlich gelten die einheitlichen Qualitätsvorgaben für alle Kassen gleich, wodurch die Kursangebote auch im Wesentlichen die gleichen sind. Allerdings variiert innerhalb des Wettbewerbs zwischen den einzelnen Krankenkassen das Marketing-Konzept, wie die Angebote beworben und eine Teilnahme daran belohnt werden: Einige Kassen bieten zum Beispiel Bonusprogramme an. Geht man beispielsweise regelmäßig zum Zahnarzt und zu Vorsorgeuntersuchungen oder ist man Mitglied im Sportverein, kann man dafür Punkte sammeln und sich Prämien aussuchen oder man bekommt sogar Geldbeträge erstattet. Dafür rechnen viele Kassen hier auch die Teilnahme an bestimmten Gesundheitskursen an.

Was gilt für privat Versicherte?

Für privat Versicherte bieten die Krankenversicherungen in der Regel keine direkten Präventionsangebote. Denn sie müssen im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen keinen Präventionsauftrag erfüllen. Trotzdem kann es sich lohnen, bei der eigenen privaten Krankenversicherung nachzufragen, ob es solche Angebote gibt. Denn einige Kassen zahlen freiwillig Zuschüsse.

Bernd Hoffmann hatte sich über seine Krankenkasse bei einem Aufbaukurs für die Rückenschule angemeldet. Seit vier Monaten macht ihm sein Rücken keine Probleme mehr. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Präventionsprogramm, es trägt merklich Früchte. Manchmal weiß man gar nicht, was einem alles angeboten wird.“ Er rät jedem, solch ein Angebot wahrzunehmen. Denn wie gesagt: Gesundheit ist eben die Voraussetzung für alles andere.

* Name geändert



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