Fragen und Antworten zum HIV-Test

Ein Todesurteil ist ein positiver HIV-Test schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, wer z einer Risikogruppe zählt und regelmäßig zum Test geht, tut etwas zur Prävention gegen Aids. Für sich und für andere.

Warum ist ein HIV-Test ein wichtiges Instrument der Prävention?

Es mag auf den ersten Blick nicht recht einleuchten, warum ein Labortest, mit dem eine Infektion – also eine Erkrankung - nachgewiesen wird, eine große Rolle in der Prävention, also der Verhütung von Krankheiten, spielen soll. Doch ein HIV-Test erfüllt genau diese Funktion, in zweierlei Hinsicht. In der so genannten Sekundärprävention, bei der es darum geht, das Fortschreiten einer Erkrankung zu verhindern und deren Auswirkungen zu minimieren, ist die vorbeugende Wirkung eines HIV-Tests sehr deutlich. Denn inzwischen ist den HIV-Experten klargeworden, dass eine sehr früh nach der Infektion startende medikamentöse Behandlung wichtig ist. „Um die Vorteile der heute zur Verfügung stehenden Anti-HIV-Arzneimitteln voll auszuschöpfen, müsste sich ein deutlich höherer Anteil der Menschen, die ein Risiko für eine HIV-Infektion haben, häufiger als bisher auf den Erreger testen lassen“, sagt Ulrich Marcus, HIV-Experte am Robert-Koch-Institut. Also nicht erst abwarten, bis verdächtige gesundheitliche Beschwerden auftreten!

Aufgrund der positiven Erfahrungen bei einem frühen Therapiebeginn wurden die Behandlungsempfehlungen für HIV im Jahr 2006 so geändert, dass eine Therapie möglichst bereits starten sollte, wenn die Zahl der T-Helferzellen auf 350 pro Mikroliter Blut gesunken ist. „Wenn man diese Grenze zur Grundlage nimmt, erfolgen in Deutschland die Hälfte aller HIV-Diagnosen bereits zu spät“, sagt Marcus. Denn dann ist die Infektion schon so weit vorangeschritten, dass die Zahl der Helferzellen bereits unter dieser wünschenswerten Grenze gefallen ist.

Und es gibt noch ein weiteres Argument für regelmäßige Tests. Neben dem gesundheitlichen Nutzen eines rechtzeitigen Therapiebeginns für die mit HIV infizierte Person hilft eine erfolgreiche Therapie auch, das Infektionsrisiko für die Sexualpartner eines Behandelten zu vermindern - denn wenn die Virusvermehrung durch die Medikamente weitgehend blockiert ist, kann das Virus auch nicht mehr weitergegeben werden. „Darum empfehlen die im Oktober 2013 aktualisierten Europäischen HIV Behandlungsleitlinien, mit jedem HIV-Infizierten unabhängig von seinem aktuellen Immunstatus die Vor- und Nachteile eines Behandlungsbeginns zu erörtern“, sagt Marcus.

Gibt es Empfehlungen, wie regelmäßig man sich auf HIV testen lassen sollte?

„Menschen, die selbst oder deren Partner wechselnde Sexualpartner haben, sollten sich regelmäßig auf HIV untersuchen lassen“, sagt Ulrich Marcus. Die Testfrequenz sollte sich daran orientieren, wie häufig sexuelle Kontakte ohne Kondomschutz stattfinden (zum Beispiel. alle sechs Monate, jährlich, zweijährlich). Andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Chlamydien können leichter als HIV übertragen werden, auch bei Oralverkehr, bei dem meist keine Kondome verwendet werden. „Die Untersuchungshäufigkeit auf diese Infektionen sollte sich daher in erster Linie an der Anzahl unterschiedlicher Sexualpartner orientieren, also etwa bei Personen mit häufig wechselnden Partnern nach jeweils fünf Partnern“, empfiehlt Marcus.

Warum sollte der HIV-Test von einem Beratungsgespräch begleitet werden?

In der Primärprävention, bei der es darum geht, frühzeitig vorzusorgen, dass man gar nicht erst krank wird, ist die Rolle des HIV-Test schon schwieriger zu bestimmen. Denn ein solcher Mehrwert hängt zu einem wesentlichen Teil von einem weiteren Kriterium ab: von einem Beratungsgespräch zum individuellen Risikoverhalten, das den Test begleitet. Denn nur wenn den Ratsuchenden dadurch klar werde, dass sie ihr potenziell infektionsförderndes Verhalten ändern sollten, hat der Test seinen Zweck als Präventionsinstrument erfüllt, sagt Marcus. Doch genau daran mangele es oft. „Große Befragungen haben ergeben, dass nur mit jedem dritten Menschen, der negativ auf HIV getestet wurde, explizit über seine konkreten sexuellen Risiken gesprochen wurde.“ Besonders die Ärzte, die in ihren Praxen einen HIV-Test anbieten, hätten offenbar nicht immer ausreichend Zeit für ein ausführliches Beratungsgespräch.

Besonders gut schnitten dagegen die Beratungen bei Tests ab, die die Gesundheitsämter und die Aidshilfen durchführen. „Doch von den geschätzt etwa zwei Millionen HIV-Tests pro Jahr in Deutschland finden nur rund 130 000 bei Aidshilfen oder in Gesundheitsämtern statt.“ In den Berliner Gesundheitsämtern wurden im Jahr 2012 rund 7200 HIV-Tests durchgeführt.

Welche HIV-Testverfahren gibt es?

Der Test dient der Diagnose, ob eine Infektion mit dem Aids-Erreger vorliegt. Bei den meisten Testverfahren geht es um den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger im Blut. Diese entstehen als Abwehrreaktion des Organismus und bilden sich bis etwa drei Monate nach der Infektion. Deshalb ist der Test auch erst dann aussagekräftig. Es gibt auch Tests, die das Virus direkt nachweisen können und die deshalb auch in einem früheren Stadium ansprechen. Doch diese sind im Vergleich zum Antikörper-Test viel teurer und dienen eher der Bestimmung der Virenzahl im Blut (sogenannte Virenlast) von Infizierten

Wann sollte man einen Test machen?

Wenn man in einer Risikosituation war, sollte man sich testen lassen, rät die Deutsche AIDS-Hilfe. Viele Ärzte sind der Meinung, dass man regelmäßig einen Test durchführen sollte. So kann die Therapie gegen den Erreger zu einem optimalen Zeitpunkt beginnen, was den Ausbruch von Aids um Jahre verzögern kann. Und gleichzeitig ist ein gute behandelter HIV Positiver, bei dem die Viren unter die Nachweisgrenze gedrückt wurden, weit weniger infektiös.

Wie lange dauert es, bis man das Testergebnis erfährt?

In der Regel benötigt das Labor drei bis fünf Tage für die Analyse. In dieser Zeit findet im Falle eines positiven Ergebnisses auch der Bestätigungstest statt.

Geht es nicht auch schneller?

Für viele Menschen ist besonders diese bange Wartezeit im Ungewissen ein Graus. Inzwischen gibt es auch einen Schnelltest, dessen Ergebnis bereits nach einer halben Stunde vorliegt. Er wird unter anderem von vielen Ärzten und der Aids-Hilfe angeboten und kostet bei Ärzten um die 30 Euro, in ausgewählten Beratungsstellen um die 15 Euro.

Allerdings: Bei einem positiven Ergebnis muss es auch hier einen Bestätigungstest geben – und der dauert dann ebenso lange wie der normale Labortest.

Hinzu kommen anonyme HIV-Schnelltests, die von vier freien Trägern - die Berliner Aids-Hilfe, die Schwulenberatung Berlin und die beiden Vereine Mann-O-Meter und Fixpunkt – angeboten werden. Hier liegt das Testergebnis bereits nach rund einer halben Stunde vor. Dieses sehr niedrigschwellige Angebot – hingehen, anonym beraten lassen, Testergebnis erhalten – kommt gut an. So wurden zwischen September 2011 und November 2012 rund 3900 HIV-Schnelltests durchgeführt.

Aids-Hilfe und auch Ärzte raten von per Internet käuflichen HIV-Schnelltests für zu Hause ab, da sie bei falscher Handhabung leicht falsche Ergebnisse liefern könnten.

Sollte man sich anonym testen lassen?

Ein anonymer Test könne laut der Deutschen AIDS-Hilfe wichtig sein, wenn es um spätere Versicherungsabschlüsse geht. Denn ein HIV-Test beim Hausarzt werde bei der Krankenkasse aktenkundig – nicht aber dessen Ergebnis. Aber spätestens wenn eine medikamentöse Therapie beginnt, weiß die Kasse sowieso, was los ist.

Wo kann ich anonym einen HIV-Test durchführen lassen?

Die Berliner Aids-Hilfe, das Projekt Pluspunkt der Schwulenberatung Berlin, die Beratung für Männer Mann-O-Meter e.V., die Suchtberatungsstelle Fixpunkt e.V. sowie die Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung an vier Gesundheitsämter in den Berliner Bezirken bieten anonyme HIV-Tests an (Kosten 10 Euro, Schnelltest 15 Euro, bei sozialer Notlage auch kostenlos). Die Kontaktdaten und Adressen finden Sie in der Angebotssuche des Portals (Stichworte: sexuelle Gesundheit), die Angebote für anonyme HIV-Tests und -Schnelltests finden Sie in der Angebotssuche (Angebotskategorie: Medizinische Vorsorge und Früherkennung, Angebotsthema: HIV-Tests und Aids-Prävention).

 

Ingo Bach



Artikelsuche ?

Passende Datenbankabfrage

Hier finden Sie alle Angebote für kostenlose HIV-Tests in Berlin.

Tagesspiegel GESUND

Tagesspiegel Gesund 08 Tagesspiegel Gesund 09 Tagesspiegel Gesund 10

Fachkompetentes Praxiswissen informativ aufbereitet
Informationen zu Behandlungsmethoden und Gesundheitstrends aus Berlin und Umgebung
Von der Gesundheitsberater-Berlin-Redaktion

Aktuell am Kiosk oder direkt im
Tagesspiegel-Shop

Wir liefern Qualität

Erfahren Sie mehr darüber, wie unsere Texte entstehen, wie die Daten geprüft werden und wie sich das Portal finanziert.
Jetzt informieren.

Sie sind uns wichtig und wir freuen uns über Ihre Meinung zu unserem Portal. Welche Themen andere Leser interessierten lesen sie unter Leser fragen - die Redaktion antwortet