Krankenkassen belohnen das Training im Fitnessstudio

Viele Kassen sehen die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio als gesundheitsfördernd und rechnen deshalb diese für ihre Prämienprogramme an. Einige Kassen kooperieren auch direkt mit Fitness-Studios und sichern ihren Versicherten damit besondere Konditionen.

Laut dem Präventions-Leitfaden des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen dürfen Mitgliedsbeiträge in Fitness-Studios von den Krankenkassen nicht im Rahmen der Gesundheitsförderung bezuschusst werden. Trotzdem sehen viele Kassen offenbar die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio als gesundheitsfördernd und rechnen deshalb diese für ihre Prämienprogramme an. Einige Kassen kooperieren auch direkt mit Fitness-Studios und sichern ihren Versicherten damit besondere Konditionen.

 

Bonusprogramme

Mehrere Kassen belohnen zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Studio mit Punkten für ihre Bonusprogramme. Hat man eine bestimmte Punktzahl erreicht, winken Prämien für die Versicherten. Dabei sind die Details der Programme sowie die Prämien von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Hier einige Beispiele:

Die Barmer Krankenkasse (rund 420 000 Versicherte in Berlin) etwa, vergibt 150 Bonuspunkte für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Zum Vergleich: eine Krebsfrüherkennungs-Untersuchung bringt 200 Punkte. Sammelt man 500 oder mehr Bonuspunkte, erhält man zum Beispiel eine digitale Waage oder einen Fahrradhelm. Bei der AOK Nordost (rund 1,8 Millionen Versicherte in Berlin) gibt es Sachprämien ab einem Punktestand von etwa 800. Die Mitgliedschaft im Fitness-Studio bringt 200 Punkte ein. 500 Punkte vergibt die DAK (rund 240 000 Versicherte in Berlin), Sachprämien fangen bei 1500 Punkten an. Dafür gibt es zum Beispiel ein Tigerenten-Badethermometer oder eine digitale Kofferwaage.

Die Innungskrankenkasse IKK (rund 62 000 Versicherte in Berlin lobt 75 Euro in bar aus, wenn man nachweist, dass man ein Jahr lang regelmäßig Sport gemacht hat. Dafür muss man ein Bonusheft beim Fitness-Studio abstempeln lassen.

Die Techniker Krankenkasse (rund 650 000 Versicherte in der Hauptstadt) hat ein dreistufiges Bonusprogramm, für das Geldbeträge in Höhe von bis zu 200 Euro ausgezahlt werden. Zwei von den maximal neun zu ereichenden Punkte können Präventionskurse sein, die unter anderem von Fitness-Studios angeboten werden.

Die BKK Siemens (rund 73.000 Versicherte in Berlin) bietet ihren Versicherten einen Bonus von zehn Euro, wenn sie Mitglied in einem Fitness-Studio sind.

Die Betriebskrankenkasse BKK VBU (rund 182 000 Versicherte in Berlin) zahlt 30 Euro an ihre Mitglieder aus, sofern sie die Kriterien des sogenannten Bonus-B Programms erfüllen. Dafür gilt es, an drei von sechs Vorsorgemaßnahmen teilzunehmen, eine davon ist eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Studio.


Präventionskurse

Paragraph 20 des Sozialgesetzbuches V schreibt den Kassen vor, Präventionskurse finanziell zu fördern. Neben Sportvereinen und gesundheitlichen Einrichtungen bieten auch einige Fitness-Studios solche Kurse an. Die Teilnahme daran ist unabhängig von einer Mitgliedschaft in dem jeweiligen Studio möglich.

Die Techniker Krankenkasse bietet außerdem eigene Gesundheitskurse an, die unter anderem bei den Fitnessketten Holmes Place und Ars Vitalis stattfinden. Die TK hat diese Kurse nach eigenen Angaben zusammen mit der Sporthochschule Köln nach wissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelt. Über die allgemein vorgeschriebenen Qualitätskriterien der üblichen Präventionskurse hinaus hat die TK eigene Standards festgesetzt. Danach müssen die Trainer eine entsprechende Einweisung in den Kurs bekommen, die Räumlichkeiten gut mit den öffentlichen Verkehrmitteln zu erreichen sein und es müssen Ansprechpartner anwesend sein, die die Anmeldung für die Kurse übernehmen. Außerdem wird darauf geachtet, dass die Trainer bereits Berufserfahrung haben. Damit die Kursteilnehmer auch nach Ablauf des Kurses vom Gelernten profitieren erhalten sie eine Informationsbroschüre mit Übungen und Gesundheitstipps. Die TK erstattet ihren Versicherten 80 Prozent der Kosten bis zu einem Betrag von 120 Euro.

 

Vergünstigungen durch Kooperationen

Eine direkte Kooperation hat die Fitness-Kette Fitness First mit der Kaufmännischen Krankenkasse (150 000 Versicherte in Berlin) und der Mobil Oil Betriebkrankenkasse (rund 4 500 Versicherte in Berlin). Die KKH bietet allen Versicherten ein 14-tägiges Gratis-Training. Erwachsene erhalten außerdem 50 Euro Rabatt bei Abschluss eines Jahresvertrags. Schüler, Azubis und Studenten unter 27 Jahren müssen monatlich zehn Euro weniger zahlen. Nach Angaben von Simon Kopelke, Pressesprecher der KKH, habe für die Kooperation mit Fitness First gesprochen, dass diese über ein flächendeckendes Filialnetz viele der Versicherten erreiche. Inhaltlichen Vorgaben für die Zusammenarbeit mit Fitness First hätte die Kasse aber nicht gemacht. Vielmehr hätte sich die Kooperation aus der bereits bestehenden Partnerschaft im Rahmen der bundesweiten KKH-Laufserie entwickelt.

Die Mobil Oil BKK gewährt ihren Mitgliedern zwei Tage kostenloses Probetraining sowie 25 Euro Rabatt auf einen Jahresvertrag bei Fitness First. Die Mobile Oil BKK kooperiert auch mit anderen Fitness-Studios, wie Fitness First, Injoy oder Fitness and Friends. Um möglichst viele Regionen abzudecken, sind die Kooperationspartner ausschließlich große Ketten.

 

Anna Ilin



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