Verträge mit Fitnessstudios: Worauf Sie achten sollten

Oft lauern im Kleingedruckten die Fallstricke. Bernd Ruschinzik, Rechtsexperte der Berliner Verbraucherzentrale, erklärt worauf Sie beim Abschluss eines Vertrages mit einem Fitnessstudio achten sollten.

 

Welche Vertragslaufzeiten sind erlaubt?

Einige Fitnessstudios bieten verbraucherfreundliche Einmonatsverträge an. Erlaubt sind jedoch auch Erstlaufzeiten von einem Jahr oder sogar zwei Jahren. In jedem Falle sollten Sie Ihren zukünftigen Anbieter in einem ausführlichen Probetraining testen. Worauf Sie achten sollten erfahren Sie hier.

 

Welche Kündigungsfristen sind erlaubt?

Die Kündigungsfrist zum Ende der Mindestvertragslaufzeit darf 14 Tage bis maximal drei Monate betragen. Einige Studios bieten eine kundenfreundliche Frist von einem Monat an. Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die eine Kündigung per Einschreiben fordern oder gesetzliche Kündigungsfristen überschreiten, sind nicht wirksam, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

 

Außerordentliche Kündigung: Wann darf ich fristlos kündigen?

Verbraucher können laut Bürgerlichen Gesetzbuch immer dann kündigen, wenn ein „wichtiger Grund“ vorliegt. Doch was ein solcher wichtiger Grund ist, daran scheiden sich oft die Geister. Der Rechtsexperte der Berliner Verbraucherzentrale Bernd Ruschinzik spricht von einer „schillernden Rechtssprechung“. Während einige Amtsgerichte zum Beispiel den Umzug des Kunden als außerordentlichen Kündigungsgrund anerkannt haben, lehnten andere Gerichte den Adresswechsel als Begründung ab.

Unumstritten seien jedoch dauerhafte Erkrankungen als vorzeitiger Kündigungsgrund. Das Fitnessstudio könne in letzterem Falle ein ärztliches Attest fordern, das die dauerhafte Sportunfähigkeit bescheinigt. Die konkrete Art der Erkrankung müsse das Attest nicht nennen, informiert die Verbraucherzentrale.

Vorzeitig kündigen kann ein Kunde auch dann, wenn das Studio umzieht oder seinen vertraglichen Pflichten nicht nachkommt, wenn beispielsweise das Schwimmbecken längere Zeit trocken gelegt ist, Trainingsgeräte nicht funktionieren oder nachträglich die Öffnungszeiten verkürzt werden. Wichtig: Bevor Sie kündigen, müssen Sie dem Studiobetreiber Gelegenheit geben, den beanstandeten Missstand zu beheben.

 

Muss ich bei längerer Krankheit oder Schwangerschaft trotzdem meinen Mitgliedsbeitrag zahlen?

Nein. Bei Erkrankungen oder Schwangerschaft können sie Ihren Vertrag ruhen lassen. Sie müssen während dieser Pause keine Mitgliedsbeiträge zahlen, die Vertragslaufzeit verlängert sich jedoch um die jeweilige Dauer der Auszeit. Wichtig ist, das Fitnessstudio so früh wie möglich zu informieren und auf Verlangen ein ärztliches Attest vorzulegen.

Kunden, die einen Urlaub planen, haben kein automatisches Anrecht auf eine Pause. Einige Betreiber bieten jedoch als Service beitragsfreie Trainingspausen ohne besondere Nachweise an.

 

Wer haftet bei Verletzungen und Diebstahl?

Einige Anbieter versuchen ihre Haftung für Schäden, die dem Kunden durch Diebstahl oder Verletzungen entstehen, in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stark einzuschränken. Doch Klauseln, die die Haftung generell auf „Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit“ begrenzen, seien unwirksam. „Der Studiobetreiber hat dem Kunden gegenüber gewisse Fürsorgepflichten“, sagt der Verbraucherschützer Ruschinzik. Verletzt sich der Sportreibende beispielsweise an schlecht gewarteten Geräten, haftet der Studiobetreiber. Fremden müsse der Zugang zu den Spinten der Trainierenden verwehrt werden – sonst kann das Studio im Falle eines Diebstahls zur Kasse gebeten werden.

Doch auch der Sporttreibende müsse für sich selbst Verantwortung tragen. „Wer auf einem Betonboden eine Judorolle macht und sich dabei verletzt, ist selbst schuld“, mahnt Ruschinzik. Und wer Wertsachen gar nicht erst ins Studio nimmt oder im beaufsichtigten Schließfach deponiert, ist auf der sicheren Seite.

 

An wen kann ich mich wenden wenn es Vertragsstreitigkeiten gibt?

Die Verbraucherzentrale mahnt Fitnessstudios bei unzulässigen Vertragspassagen ab und leistet „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt der Rechtsexperte Ruschinzik. Die Organisation prüft den Vertrag zwischen Kunden und Fitnessstudio auf unzulässige Klauseln und berät, ob eine Klage erfolgreich sein könnte. Einen Rechtsanwalt können und dürfen die Verbraucherschützer jedoch nicht ersetzen.

 

Frieder Piazena



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Kontakt

Die Verbraucherzentrale Berlin informiert online über Klauseln und Kleingedrucktes in Verträgen mit Fitnessstudios. Außerdem beraten die Verbraucherschützer auch individuell per E-Mail.

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