Kleine Begriffskunde: Was ist Prävention?

Prävention - das ist ein eher abschreckend technokratischer Begriff für etwas, das eigentlich etwas Gutes will: Gesundheit! Deshalb hier eine kleine Begriffskunde zu diesen Fragen: Was meint Prävention? Warum ist Prävention so wichtig? Wie wirksam ist Prävention oder wie kann ich selbst präventiv für meine Gesundheit sorgen?

Kleine Begriffskunde: Was meint Prävention?

Das Wort Prävention leitet sich vom lateinischen Begriff „praevenire“ ab, das soviel bedeutet wie verhüten oder zuvorkommen. In der Medizin versteht man darunter alle Aktivitäten, die das Auftreten einer Krankheit verhindern oder deren Verlauf verzögern sollen. Sie wirkt damit Gesundheitsrisiken entgegen, die der genetischen Veranlagung entspringen, vom eigenen Verhalten oder auch von Umweltfaktoren abhängen können. Das Konzept der Prävention entwickelte sich bereits in der Sozialmedizin des 19. Jahrhunderts.

Warum ist Prävention so wichtig?

Auch wenn viele Medizin vor allem als „Reparaturbetrieb“ bei einer bestehenden Krankheit verstehen, so ist das Verhindern eines Leidens ein ebenso fundamentaler Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Denn durch Prävention bleiben Gesunde sowie potentiell Kranke gesund und bei Kranken kommen zu ihren Beschwerden keine weiteren hinzu.

Welche Formen der Prävention gibt es?

Man unterscheidet drei Formen: Die primäre Prävention richtet sich an gesunde Menschen, bei denen langfristig das Auftreten von Krankheiten verhindert werden soll. Das geschieht zum Beispiel durch die allgemeinen Gesundheits- und Fitnesskurse, die oft von Krankenkassen gefördert werden, aber auch über Impfungen. Die sekundäre Prävention bezieht sich auf Personen, bei denen gesundheitliche Risikofaktoren bestehen und bald eine Krankheit ausbrechen könnte. Das schließt unter anderem die Vorsorge- und Krebsfrüherkennungsuntersuchungen ein. Schließlich versucht man durch tertiäre Prävention bei bereits erkrankter Personen, Rückfälle oder Folgeerkrankungen bestmöglich zu begrenzen. Hierunter fällt zum Beispiel der Rehasport, der sich einer Rehabilitationsbehandlung – etwa nach einem Schlaganfall – anschließen kann, um Behinderungen in Folge der Erkrankung zu verhindern oder bereits bestehende Behinderungen abzumildern. Dazu zählen auch Vorsorgetherapien gegen Folgeerkrankungen, etwa bei insulinpflichtigen Diabetespatienten, um ein Nierenversagen infolge der Behandlung zu verhindern. Zur Tertiärprävention zählt auch das Funktionstraining, das sich an Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen richtet, um diese auf Dauer in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben zu integrieren. Ein Beispiel hierfür ist die Krankengymnastik für Muskeln und Gelenke, um deren Funktionsfähigkeit zu erhalten.

Wie wirksam ist Prävention?

Das kommt stark auf die jeweilige Situation, Durchführung und Dauer der Maßnahme sowie auf die Persönlichkeit des Menschen an. So schön die Vorstellung auch wäre, aber Prävention bietet keine Gewissheit für den Einzelnen, dass eine Krankheit niemals auftreten wird. So gibt es Nichtraucher, die verhältnismäßig früh an Lungenkrebs erkranken, und Raucher, die bis ins hohe Alter keine Lungenbeschwerden aufweisen. Aber auf die Masse der Menschen angewandt belegen Studien klar, dass Krankheiten in den Gruppen weniger häufig sind, die ihre Gesundheit aktiv fördern.

Darüber hinaus ist die Wirksamkeit der Gesundheitsvorsorge von der Zielgruppe abhängig: Statistische Auswertungen haben ergeben, dass auch Kleingruppen, in denen sich bestimmte Risikofaktoren häufen und an die sich deshalb Angebote zur Sekundärprävention richten, sehr stark davon profitieren. Wer also zum Beispiel unter einer Fettstoffwechselstörung leidet – Stichwort Cholesterin – der kann mit regelmäßigem Gesundheitssport das Risiko eines Herzinfarktes verringern. Dieser Erfolg liegt auch daran, dass sich Menschen, die bereits einen Warnschuss erhalten haben – etwa weil ihnen der Arzt nach einem Checkup sagen musste, dass durch den hohen Cholesterinwert die Gefahr eines baldigen Herzinfarkts besteht – besser für eine Teilnahme an Präventionsmaßnahmen motivieren lassen als Gesunde. Deshalb stoßen Angebote der Primärprävention auch weit weniger auf Akzeptanz in der Zielgruppe als die Angebote an Risikopatienten. Vielleicht auch deshalb, weil es an Überblick über die vielen – zum großen Teil finanziell geförderten – Angebote mangelt. Das ist schade, denn langfristig betrachtet ließen sich durch diese rechtzeitige Vorsorge viele Krankheiten vermeiden.

Wie kann ich selbst für meine Gesundheit sorgen?

Jeder kann jederzeit damit beginnen seine Gesundheit aktiv zu fördern, und das muss noch nicht einmal mit viel Arbeit oder Anstrengungen verbunden sein. Wichtig ist, dass man auf ein gesundes Verhalten achtet. Dazu gehört es, nicht zu rauchen, nicht übermäßig viel Alkohol zu trinken, auf eine gesunde Ernährung zu achten und sich regelmäßig sportlich zu betätigen. Außerdem sollte man Stress abbauen und sich ausreichend Zeit für Schlaf nehmen. Nimmt man anfangs vielleicht einige Umstellungen in Kauf, dankt der Körper dafür langfristig. Denn alle Unternehmungen, die dem Körper gut tun, sorgen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine gesunde Zukunft.

Wer informiert über die Angebote zur Prävention?

Gesundheitsförderung ist ein wichtiges Thema, über das jeder informiert werden sollte. Deshalb klären in der Bundesrepublik Deutschland viele staatliche, private und wissenschaftliche Institutionen die Bevölkerung über Prävention und Vorsorge auf. Doch Infomaterial, Werbung und Personal kosten Geld und müssen finanziert werden. Dafür sind auf Bundesebene die gesetzliche Krankenversicherung und die Deutsche Rentenversicherung zuständig. Auch die einzelnen Bundesländer haben Programme zur Gesundheitsförderung entwickelt.

Zu den wichtigsten Einrichtungen im Präventionsbereich gehören die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V. (BVPG), die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), das Wissenschaftliche Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) und die Landesarbeitsgemeinschaften für Gesundheitsförderung und Prävention. Auf der Website „gesundheitsziele.de“ kann man die Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen, bei denen die Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle spielt, in Deutschland verfolgen.

Außerdem bieten einige Organisationen Informationsmaterial an, das sich direkt auf die Vorbeugung gegen bestimmte Krankheiten bezieht: Beispielsweise veröffentlicht die Deutsche Krebshilfe in ihrem kostenlosen „Blauen Ratgeber“ Leitlinien, wie man sich gegen verschiedene Krebsarten schützen kann.

Befolgt man die vorgestellten Ratschläge, spricht man mit seinem Arzt oder informiert sich eigenständig über Risiken für bestimmte Krankheiten, betreibt man letztlich selbst individuelle Prävention. Im Idealfall informiert man sich also nicht nur, welche Angebote gefördert werden, sondern nutzt sie auch.

Wie wird gefördert?

Wichtigstes Element der Gesundheitsförderung ist zunächst die Erkenntnis, dass diese notwendig ist. Deutschlands Bevölkerung wird schließlich in den kommenden Jahrzehnten immer älter. Wichtig ist es also, dass das Gesundheitswesen entsprechende Weichen stellt, damit auch die alternde Bevölkerung gesund bleibt. Prävention ist erst langfristig wirksam, hier wird also in die gesunde Zukunft investiert. „Gerade in einer Gesellschaft des längeren Lebens werden Gesundheitsförderung und Prävention in jedem Lebensalter wichtiger denn je“, sagte Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). „Wir wollen junge und ältere Menschen gleichermaßen dafür begeistern, möglichst gesund zu leben.“ Deshalb wurde im Juni 2013 das „Gesetz zur Förderung der Prävention“ im Bundestag beschlossen. Grundkonzept war dabei, mehr Menschen als jemals zuvor qualitätsgesicherte Gesundheitsförderungsangebote und Präventionsleistungen anbieten zu können. Das Gesetz ist jedoch kurz vor den Bundestagswahlen am 22. September 2013 im Bundesrat gescheitert und wurde so ein Opfer des Wahlkampfes. Nun muss es für ein Präventionsgesetz einen neuen Anlauf geben. Aber Experten gehen davon aus, dass die wichtigsten Punkte erhalten bleiben werden und die neue Regierung bisher ausgearbeitete Inhalte in neue Konzepte einfließen lassen wird.

Eine andere wichtige Stellschraube der Präventionsförderung ist – nicht überraschend – das dafür zur Verfügung stehende Geld. Mit dem Präventionsgesetz sollten ab 2014 die jährlichen Ausgaben der Krankenkassen dafür pro Versicherten von drei Euro auf sieben Euro angehoben werden. Auf den ersten Blick wirkt das nicht sonderlich viel, aber bei der Masse der Versicherten handelt es sich um enorme Summen für die Kassen. Sie hätten sich auf insgesamt knapp 500 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Allerdings haben auch früher schon Krankenkassen wie zum Beispiel die AOK Nordost, die BKK VBU und die Techniker Krankenkasse nach eigenen Angaben freiwillig höhere Präventionsausgaben pro Versicherten gezahlt, als gesetzlich vorgeschriebenen wurde – allerdings nicht soviel, wie im Gesetzentwurf gefordert. Und eine solche kräftige Erhöhung ist wohl auf freiwilligem Wege nicht zu erwarten. Schon allein deshalb, weil sich sonst die Krankenkassen einen Wettbewerbsnachteil einhandeln, weil sie sich zum Beispiel dann keine imageträchtigen Beitragsrückzahlungen leisten könnten.

Wie kommt man als Nutzer an diese Förderung?

Die Gesundheitsförderung soll den Nutzer im beruflichen wie im privaten Bereich erreichen. Möchte man an Gesundheitskursen teilnehmen, wendet man sich am besten per Telefon oder Internet an seine Krankenkasse. Über die Berliner Angebote und Anbieter informieren wir Sie auch in unserer umfangreichen Datenbank.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, solche Leistungen auch in Betrieben anzubieten. Ziel ist es dabei, Gesundheitsressourcen im Unternehmen aufzubauen und eine arbeitnehmerfreundlichere Vereinbarkeit von Privatleben, Familie und Beruf zu ermöglichen.

Viele Arztpraxen stellen Beratungs- und Aufklärungsmaterial zum Thema Prävention bereit. Und schließlich sind auch Gespräche mit dem Hausarzt empfehlenswert, besonders bei einem erhöhtem Risiko für das Auftreten einer Krankheit – zum Beispiel, weil schon Familienangehörige daran erkrankt sind oder eine Vorsorgeuntersuchung Gesundheitsgefahren offenbarte.



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