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Ratgeber: Fragen und Antworten zum Umzug in ein Heim

Foto: Kitty Kleist-Heinrich

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Wer zum Pflegefall wird, braucht Beratung. Ist der Umzug ins Heim wirklich nötig? Wer hilft dabei, das alles vorzubereiten? Und wer zahlt die Rundum-Versorgung?


Ab wann gilt man als pflegebedürftig?

Im Pflegeversicherungsgesetz wird als pflegebedürftig eingestuft, wer täglich länger als 90 Minuten auf unmittelbare Hilfe angewiesen ist. Mehr als die Hälfte dieser Zeit muss auf die Grundpflege – also Unterstützung bei der Körperpflege und beim Essen – entfallen. 2013 tritt das Pflegeneuausrichtungsgesetz in kraft. Danach haben nun auch Demenzerkrankte, die bisher bei der auf körperliche Defizite ausgerichteten Definition von Pflegebedürftigkeit durchs Raster fielen, Anspruch auf Pflegegeld (120 Euro) oder Sachleistungen (bis zu 225 Euro). Wenn man einen Antrag auf die Leistungen der Pflegeversicherung bei seiner Pflegekasse (diese ist die Krankenkasse, bei der man versichert ist) stellt, kommt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) zu dem Pflegebedürftigen und prüft, wie viel Hilfe nötig ist. Laut Gesetz muss die Begutachtung und Entscheidung über die Pflegestufe binnen fünf Wochen erfolgen.


Wer entscheidet, wann jemand in ein Heim kommt?

Solange man keinem gesetzlichen Vormund zugeordnet wurde oder freiwillig jemandem eine Betreuungsvollmacht gegeben hat, kann jeder Mensch selbst bestimmen, ob und wann er in ein Pflegeheim ziehen möchte. Die Entscheidung kann in der Regel nicht von Angehörigen oder Ärzten getroffen werden. Wird der Betroffene vom Sozialamt unterstützt, benötigt er für die Aufnahme in ein Pflegeheim die Zusage der Kostenübernahme durch das Sozialamt. Die ambulante, häusliche Versorgung wird der stationären Pflege im Heim vorgezogen, sowohl vom Amt als auch von den Pflegekassen. Und das entspricht auch den Wünschen der meisten Senioren. Kaum jemand möchte in ein Heim ziehen, auch wenn es vielen nach gelungenem Einzug besser geht.


Kann man sich dem Umzug ins Heim verweigern?

Wenn jemand nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen möchte, kann er dies in jedem Fall ablehnen, auch wenn die Entscheidung für seine Angehörigen schwer zu akzeptieren sein könnte. Ausnahmen gelten nur, wenn der Betroffene unter Betreuung steht und ein Amtsgericht den Umzug angeordnet hat. Im so genannten Aufenthaltsbestimmungsrecht wird geregelt, inwiefern ein Sorgeberechtigter den Wohnort eines Bedürftigen bestimmen kann. Dabei kann ein Betreuer mit einer richterlichen Verfügung für den bedürftigen Menschen Mietverträge kündigen und eine neue Unterbringung anordnen. Wer durch das Sozialamt oder einen Betreuer aufgefordert wird, in ein Heim zu ziehen, kann sich an das Vormundschaftsgericht wenden und Widerspruch einlegen.


Wer zahlt den Heimplatz?

Wenn die Pflegekasse die vollstationäre Versorgung bewilligt hat, bezahlt sie die Kosten der Pflege bis zu einem bestimmten Höchstbetrag, der von der Pflegestufe abhängt. Bei Pflegestufe III sind dies 1550 Euro im Monat. Die gesamten Kosten sind allerdings weit höher als die Zahlungen der Pflegekassen. Betroffene müssen also zuzahlen. Reicht das eigene Einkommen und Vermögen dazu nicht aus, übernimmt das Sozialamt die restlichen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Es prüft aber auch, ob die nächsten Angehörigen ihre Verwandten finanziell unterstützen können – und beachtet dabei einen Freibetrag. Reicht der Eigenanteil der Partner und Kinder nicht aus, wird das fehlende Geld vom Sozialamt übernommen (siehe Report: Gepflegte Armut).


Welche Pflichten haben die Angehörigen?

Häufig fühlen sich Angehörige verpflichtet, ihre Verwandten zu pflegen. Viele ältere Senioren wiederum erwarten, von ihren Kindern betreut zu werden. Dazu können Familienangehörige jedoch nicht gezwungen werden. Gesetzlich können Verwandte jedoch zu Unterhaltszahlungen herangezogen werden, wenn ein pflegebedürftiger Angehöriger in einem Heim lebt und über keine ausreichenden finanziellen Reserven verfügt. Ob Verwandte für ihre bedürftigen Angehörigen zahlen müssen, hängt, wie oben schon geschildert, von ihrem Einkommen ab. Häufig wird Kindern, die sich weigern für ihre Eltern aufzukommen, Geld vom Einkommen abgezogen.


Lohnt sich eine private Zusatzversicherung, um eine etwaige Finanzlücke zu schließen?

Die meisten Menschen erwarten von ihrer gesetzlichen Pflegeversicherung ausreichend Hilfe im Pflegefall. Diese ist jedoch keine Voll- sondern nur eine Art Teilkaskoversicherung, da sie nur einen Anteil der tatsächlichen Pflegekosten übernimmt. Deshalb schließen immer mehr Menschen eine private Pflegezusatzversicherung ab. Bei Vertragsabschluss spielen Alter und Gesundheit eine Rolle. So kann sich etwa ein 40-Jähriger für 30 Euro pro Monat für ein monatliches Pflegegeld von rund 1800 Euro versichern. 2010 gab es bereits über 1 700 000 Pflegezusatzversicherungspolicen, teilt der Verband der privaten Krankenversicherung mit. Zwei Jahre zuvor waren das noch knapp 400 000 weniger. Verbraucherschützer raten eher zu einer inflationsresistenten Versicherung über Pflegesachleistungen, da diese einen Pflegedienst finanziert, anstatt Bargeld auszuschütten. (siehe auch Kosten und Finanzierung: Lückenschlussverkauf).


Wozu braucht man eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht ermächtigt man einen Vertrauten, für einen zu handeln, falls man nicht mehr in der Lage ist, wichtige Entscheidungen zu treffen. Die Vollmacht kann sich auf medizinische Eingriffe, finanzielle Angelegenheiten oder den Einzug in ein Pflegeheim beziehen. Um der Vorsorgevollmacht Durchsetzungskraft zu verleihen, sollte sie notariell beglaubigt sein. Eine Vorsorgevollmacht ist nur rechtswirksam, wenn der Unterzeichner bei der Beurkundung über seinen freien Willen verfügte, also geschäftsfähig war. Regelmäßig sollte man überprüfen, ob die Aussagen noch den persönlichen Wünschen entsprechen. Die Aktualisierungen sollte ein Zeuge unterschreiben, etwa den Wunsch, kein eigenes Konto mehr führen zu wollen.


Ist eine Betreuungsverfügung sinnvoll?

Wer infolge eines Unfalls, einer Krankheit oder einer Behinderung nicht für sich selbst sorgen kann, aber keine Vorsorgevollmacht hat, ist unter Umständen auf einen gesetzlichen Betreuer angewiesen. Bei einer Betreuungsverfügung muss der Unterzeichner nicht geschäftsfähig sein. Die darin geäußerten Wünsche sind dennoch verbindlich, eine schriftliche Betreuungsverfügung wird von Vormundschaftsgerichten anerkannt. Durch die Verfügung können im Krankheitsfalle mehrere Vertraute für den Pflegebedürftigen tätig werden und etwa die Wohnung des Betroffenen auflösen, Bankgeschäfte regeln und über eine Einweisung in ein Pflegeheim verfügen.


Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung hält den Willen des Verfassers fest, für den Fall, dass er diesen selbst nicht mehr äußern kann. Seit September 2009 gibt es erstmals verbindliche Regelungen für die Gültigkeit von Patientenverfügungen. Weitere Infos: Patientenverfügung – Erklärter Wille.


Was ist zu beachten, wenn der Umzug in ein Pflegeheim bevorsteht?

Spätestens drei Monate vor Einzug in die Pflegeeinrichtung sollte der Mietvertrag für die Wohnung schriftlich gekündigt werden. Kulanterweise kann der Vermieter in solch einem Falle einer kürzeren Kündigungsfrist zustimmen, aber ein Recht darauf gibt es nicht. Die Auflösung der Wohnung muss möglicherweise vom Vormundschaftsgericht genehmigt werden. Bitten Sie den Vermieter um schriftliche Bestätigung des Kündigungstermins. Prüfen Sie, welche Möbel, Bilder, Pflanzen in das Heim mitgenommen werden dürfen. Nach dem Umzug empfiehlt es sich für Betreuer und Angehörige, in der alten Wohnung nach Wertsachen zu suchen. Es passiert immer wieder, dass unter dem Bett oder im Keller Schmuck oder Sparbücher auftauchen. Die Sachen, die nicht ins Heim mitgenommen werden, können an gemeinnützige Vereine verschenkt werden, die sich auch um das Abholen kümmern. Schließlich muss mit dem Vermieter ein Termin zur Wohnungsabgabe und Kautionserstattung vereinbart werden. Zuletzt müssen Strom, Gas und Telefonanschluss abgemeldet werden. Auch ein Nachsendeauftrag für die Post an die neue Anschrift sollte nicht vergessen werden.


Wie bereite ich den Tag des Einzugs in ein Heim vor?

Wer nicht nach einem Notfall in ein Pflegeheim kommt, hat meist ausreichend Zeit, sich vorzubereiten. „Am besten, man trifft eine Verabredung mit der Heimleitung über den Einzugstermin“, sagt Gabriele Tammen-Parr von der Beratungsstelle „Pflege in Not“. Wer vormittags einzieht, kann mit einer größeren Anzahl anwesender Mitarbeiter rechnen. Angehörige oder Betreuer sollten die Ankunft für den Pflegebedürftigen mit ein paar Gesten etwas erleichtern, rät Tammen- Parr. „Ein paar Blumen sollten zur Begrüßung im Zimmer stehen.“ Zahnbürste, Medikamente, vielleicht Süßigkeiten für den ersten Tag sollten mitgebracht werden. Der Pflegedienstleitung müssen liebgewonnene Rituale rechtzeitig mitgeteilt werden. Wer etwa jeden Abend die Fernsehnachrichten verfolgen möchte, kann das vor dem Einzug mit dem Haus sicher absprechen.


Was tun bei Pflegemängeln?

Wenn ein Bewohner oder seine Angehörigen Mängel bei der Pflege feststellen, sollten diese sich an die Heimleitung wenden. Verbessert sich die Versorgung nicht, sind die Heimaufsicht, die Krankenversicherung oder das Sozialamt der Ansprechpartner. Pflegemängel- Klassiker sind Druckgeschwüre vom langen Liegen sein oder auch Sturzverletzungen. Pflegemängel können zu Schadensersatzansprüchen führen, soweit sie schuldhaft durch das Personal verursacht wurden. Oft werden Pflegemängel jedoch nicht erkannt oder die Betroffenen scheuen eine gerichtliche Auseinandersetzung. Achtung: Doch solche Probleme lassen sich auch mit guter Pflege nicht immer ausschließen.


Wann kann man ein Pflegeheim wechseln?

Wer bis zum dritten Werktag eines Monats schriftlich kündigt, kann zum Ende des gleichen Monats ausziehen. Wer gleich in den ersten Tagen wieder ausziehen möchte, dem rät Tammen-Parr, zwei Wochen abzuwarten. Oft werden die unbekannte Umgebung und die neuen Mitbewohner schnell vertrauter. In Heime, die man in die engere Wahl gezogen hat, sollte man vorher ohnehin zur Probe übernachtet haben. Viele Häuser bieten diese Möglichkeit an.


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Ingo Bach, Hannes Heine und Frieder Piazena

Artikel zuletzt aktualisiert am: 25.01.2013

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