Report: Netzwerk für eine bessere Hospizkultur im Heim

Ein Netzwerk Palliative Geriatrie soll den Pflegeeinrichtungen helfen, eine Kultur der Sterbebegleitung in der Einrichtung zu verankern. Bisher sind 20 Pflegeheime Berlins mit dabei. Lesen Sie, was das Netzwerk erreichen will, wer Mitglied ist und wie die Bewohner davon profitieren.

Das Sterben gehört zu einem Pflegeheim dazu, schließlich ist die Einrichtung für die meisten Bewohner die letzte Lebensstation. Doch trotzdem kommen manche Heime und Pflegekräfte mit diesen Umstand nur schwer klar, sind nicht gut darauf vorbereitet. Immer noch werden Sterbende noch schnell aus dem Heim in ein Krankenhaus verlegt oder lässt man sie aus Zeitmangel allein in ihren Betten.

Eine “nachhaltige Hospizkultur” im Heim zu fördern, das ist eines der Ziele, dem sich das neu gegründete Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin-geriatrie.de/netzwerke.html verschrieben hat. Anfang Mai 2011 startete das Projekt unter der Leitung von Dirk Müller, das zunächst auf eineinhalb Jahre angelegt ist. Es soll interessierte Pflegeheime dabei unterstützen, das Sterben der Bewohner kompetenter zu betreuen.

Gudrun Panicke-Schulz, Pflegedienstleiterin im Charlottenburger Seniorenheim Haus Malta – eines der 20 in der ersten Projektphase teilnehmenden Häuser – versteht unter Hospizkultur “eine professionelle Versorgung des Bewohners nach dessen Vorstellungen, im Heim und bis zuletzt”.

Der Sterbende soll in seinen letzten Stunden nicht in ein Krankenhaus verlegt und aus seinem bekannten sozialen Umfeld, zu dem auch die Pflegekräfte gehören, herausgerissen werden. Im Fachjargon wird das Bezugspflege genannt: Die Senioren werden von einem festen, nicht wechselnden Team betreut. Das soll verhindern, dass der Bewohner vereinsamt und ihm gleichzeitig die Angst vor unbekannten, ständig wechselnden Personen nehmen.

Das Netzwerk Palliative Geriatrie will mit Weiterbildungen und wöchentlichen Treffen den Pflegenden das nötige Fachwissen zur Betreuung von sterbenden alten Menschen vermitteln. Klar verteilte Kompetenzen und den Bewohnern fest zugeteilte Mediziner sind dabei unabdingbar.

Pflegedienstleiterin Panicke-Schulz ist vom Nutzen des Netzwerks überzeugt: “Palliativmedizinische Fortbildungen nicht nur für die Qualität der Pflege wichtig – sie erhöhen auch die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter”. Obwohl das Haus Malta bereits 2009 ein “Sterbekonzept” eingeführt hat, glaubt Panicke-Schulz, noch von dem neuen Netzwerk profitieren zu können. Sie sieht den “kollegialen Austausch” in Workshops, Seminaren und Weiterbildungen als “gegenseitige Bereicherung”.

Nach dem so genannten “20-Punkte-Check” wurden die 20 teilnehmenden Pflegeheime aus 30 Bewerbungen ausgewählt. Der Check prüft, in wie weit die Heime bereits erste Schritte in Richtung Palliativmedizin unternommen haben, welche Häuser also das aktivste Interesse an einem Austausch und Fortbildungen in dem Bereich zeigen. Im Idealfall erfüllen die Einrichtungen am Ende der Projektlaufzeit alle 20 Punkte, bieten ihren Bewohnern also eine nachhaltige Hospizkultur.

Das Netzwerk versteht sich grundsätzlich als Austauschplattform zwischen den teilnehmenden Heimen und nicht als deren Zertifizierung für besonders vorbildliche Hospizpflege. Netzwerkleiter Dirk Müller sagt: “Für die konkrete Umsetzung vor Ort sind die beteiligten Einrichtungen eigenständig verantwortlich.” Das Netzwerk biete eine verbindliche Plattform für die beteiligten Einrichtungen und könne nicht für die hier geleistete Qualität bürgen. “Wir weisen darauf hin, dass sich neben den für das Netzwerk zugelassenen Pflegeheimen auch andere Heime der Hospiz- und Palliativ Care-Kompetenz verpflichtet fühlen.”


Folgende Einrichtungen nehmen am Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin teil:

• Charlottenburg-Wilmersdorf: Haus Malta Seniorenheim am Malteser-Krankenhaus • Charlottenburg-Wilmersdorf: Elsbeth-Seidel-Haus • Friedrichshain-Kreuzberg: Pflegewohnheim Stallschreiberstraße • Lichtenberg: Pflegewohnheim Berliner Spatzen • Lichtenberg: Seniorenstift St. Antonius • Marzahn-Hellersdorf: Pflegewohnheim Am Cecilienplatz • Mitte: Haus Christophorus • Mitte: Seniorenheim Grüntal • Neukölln: Haus Simeon Diakonie Pflege Neukölln • Pankow: Seniorenstiftung Prenzlauer Berg mit den Seniorenheimen Gürtelstraße 32, Gürtelstraße 32a, Stavangerstraße 26, Haus 33 • Reinickendorf: Seniorenpflegeheim Am Kienhorstpark • Reinickendorf: Haus und Villa Friedenshöhe • Reinickendorf: Domicil Residenzstraße • Reinickendorf: Senioren Centrum Am Schäfersee • Spandau: Residenz Wasserstadt • Steglitz-Zehlendorf: Mathildenhof Seniorenzentrum • Tempelhof-Schöneberg: Seniorenzentrum an der Ullsteinstraße • Treptow-Köpenick: Stephanus-Seniorenzentrum Müggelspree • Treptow-Köpenick: Seniorenzentrum Köpenick

und außerdem

• Charlottenburg-Wilmersdorf: Wilhelm-Stift (Anmerkung: Das Heim wollte in diesem Pflegeheimportal nicht aufgelistet werden.)



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