Ratgeber: Wie eine Patientenverfügung formuliert werden sollte

Seit dem 1. September 2009 gilt in Deutschland ein Gesetz zu Patientenverfügungen. Was beim Ausfüllen dieser Willenserklärungen zu beachten ist, erfahren Sie hier.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich

Schriftform:

Patientenverfügungen gelten nur, wenn sie schriftlich verfasst wurden. Jedoch können sie mündlich widerrufen werden. Ein schwieriger Zustand, da der Wille des Patienten dadurch für den behandelnden Arzt möglicherweise nur schwer nachvollziehbar ist.

Gültigkeit:

Die Willenserklärung gilt zeitlich unbegrenzt – es sei denn, der Verfasser schränkt die Geltungsdauer ausdrücklich ein. Eine Patientenverfügung muss nicht in regelmäßigen Abständen erneuert werden. Doch denkt ein 50-jähriger Familienvater genauso über den Tod, wie er es als Student tat? Eine regelmäßige Bestätigung der Verfügung sollte deshalb im Gesetz verankert werden, fordern Fachleute wie der Münchner Rechtsanwalt Klaus Ulsenheimer.

Vor dem 1. September 2009 verfasste Patientenverfügungen gelten weiterhin. Jedoch sollte man die Gesetzesänderung zum Anlass nehmen um seine Erklärung zu überarbeiten. Orientierung bieten Textbausteine des Bundesministeriums für Justiz. Angekreuzte Vordrucke sind selten ausreichend und sollten durch ein möglichst konkretes Schreiben ergänzt oder ersetzt werden.

Aufbewahrungsort: Angehörige und Ärzte sollten über den Aufbewahrungsort der Patientenverfügung informiert werden.

Aktualisierung:

Unabhängig vom Gesetzgeber kann man selbstverständlich auch heute bereits seine Patientenverfügung regelmäßig aktualisieren. Einige Experten raten jedoch davon ab: Erneuert man alle zwei Jahre seine Erklärung, vergisst dies dann jedoch eine Weile, bringt man damit unter Umständen Angehörige und Ärzte in Erklärungsnot: Gilt der formulierte Wille noch oder bedeutet die ausgebliebene Aktualisierung, dass die Verfügung unwirksam ist?

Genauigkeit:

Einerseits sollte eine Willenserklärung möglichst genau den Fall beschreiben, über den entschieden werden soll. “Sollte ein menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich sein …”, ist eine zu allgemeine Formulierung. Erklärt man, nach einem Schlaganfall nicht künstlich ernährt werden zu wollen, sagt dies nichts über die Behandlung nach einem schweren Verkehrsunfall aus.

Andererseits sollte eine Verfügung auch offen genug sein, um eine Vielzahl von Fällen abzudecken. Anwälte, Ärzte und Wohlfahrtsverbände helfen, diesen Spagat zu meistern. Experten kritisieren jedoch, dass viele Ärzte dafür nicht genügend qualifiziert sind. Zudem übernehmen die Krankenkassen noch immer nicht die anfallenden Beratungskosten – immerhin bis zu 235 Euro.



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