Hintergrund: Von Heimärzten profitieren die Bewohner - und auch die Krankenkassen

Entnervt von den sich ewig hinziehenden Verhandlungen beim Berliner Projekt, schließt die AOK nach dem Vorbild des Berliner Projektes nun auch eigene Verträge ab

Dass Heimbewohner davon profitieren, wenn ein Hausarzt sich nur um sie kümmert, ist unumstritten. Deshalb wurde die Möglichkeit, dass Pflegeheime niedergelassenen Mediziner vertraglich an sich binden können oder einen Arzt gleich ganz anstellen, auch in das Pflegereformgesetz von 2008 geschrieben. Trotzdem hat noch immer nur ein Bruchteil der 290 Berliner Pflegeheime einen Heimarzt. Denn es wird seit langer Zeit um das Honorar für die Ärzte in diesem auch “Berliner Projekt “) genannten Modell gestritten, dass die Pflegekassen an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zahlen soll.


Berliner Projekt kann fortgesetzt werden

Das erfolgreiche Berliner Projekt, in dem Heimärzte zur Versorgung von kranken und pflegebedürftigen Menschen direkt in den Heimen zur Verfügung stehen, wird fortgesetzt. Die Vertragspartner haben sich nach langen Verhandlungen auf einen neuen, unbefristeten Vertrag geeinigt, der Anfang Juli 2011 startete, teilte die AOK Nordost jetzt mit. Am Berliner Projekt beteiligten sich zurzeit die AOK Nordost, die IKK Brandenburg und Berlin, die Siemens Betriebskrankenkasse, die Bahn BKK, die Kassenärztliche Vereinigung Berlin und mehr als 40 Vertragsärztinnen und Vertragsärzte sowie die Berliner Krankenhausgesellschaft und der Verband privater Kliniken und Pflegeeinrichtungen Berlin-Brandenburg e.V., welche die teilnehmenden 32 Pflegeeinrichtungen vertreten, heißt es in der Pressemitteilung.


AOK und andere Krankenkassen bringen “care plus” auf den Weg

Entnervt von den sich ewig hinziehenden Verhandlungen hatten die AOK und andere Kassen selbst ein dem Berliner Projekt ähnliches Heimarztmodell auf den Weg gebracht: “care plus”. Vorbild sind die Bestimmungen des Berliner Projektes, aber in einigen Punkten etwas abgespeckt und auf einer anderen Vertragsgrundlage. So bleibt die besondere Form der hausärztlichen Versorgung für die Bewohner der Pflegeheime – so sie denn in einer der ausschreibenden Kassen versichert sind – erhalten. Das Heim kann also einen Arzt anstellen oder – was angesichts der Vertragsbedingungen von “care plus” wahrscheinlicher ist – einen Freiberufler vertraglich für die hausärztliche Versorgung binden. “Der Arzt muss wie beim Berliner Projekt eine 24-Stunden-Bereitschaft organisieren, wöchentliche Bewohnervisiten durchführen, muss an vierteljährlichen interdisziplinären Fallbesprechungen teilnehmen und sich natürlich regelmäßig fortbilden”, heißt es bei der AOK Nordost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern). Zwar gebe es auch bei dem Programm “care plus” Qualitätsvorgaben. Aber eine Messung verschiedenster Qualitätsindikatoren wie sie in Form von RAI-Daten, etwa für die Anzahl von Druckgeschwüren oder Stürzen beim Berliner Projekt erhoben wird, gibt es nicht. Um eine Fließbandmedizin zu vermeiden, wurde auch ein Richtwert für das Verhältnis Arzt – Bewohner definiert: ein Heimarzt sollte für maximal 30 bis 40 Patienten verantwortlich sein. Ein Richtwert, wie gesagt. Möglich also, dass mancher Arzt auch mehr Bewohner betreuen muss. Für den Mehraufwand erhält er der Arzt 500 Euro pro Jahr, bei dem Richtwert von 40 Bewohnern macht das jährlich ein Zusatzhonorar von 20 000 Euro. Vertragspartner sind aber zunächst nur die Kasse und das Pflegeheim, das durch den Vertrag verpflichtet wird, anschließend einen Vertrag mit einem Hausarzt zu schließen. Die KV ist bei dieser Konstruktion außen vor. Derzeit seien 35 Berliner Pflegeeinrichtungen “care plus”-Partner, sagt Bauer. Dabei werde es aber nicht bleiben, so der Kassenmanager. Man sei bereits im Gespräch mit weiteren Einrichtungen.




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