Ratgeber: Was kostet ein Pflegeheimplatz?

Wer in ein Pflegeheim zieht, muss mit erheblichen Kosten rechnen. Doch warum ist der Eigenanteil so hoch, und wie setzen sich die Preise zusammen?

Gegenwert.jpg
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Welche Kosten kommen auf Bewohner eines Pflegeheimes zu? In Berlin kostet das Einzelzimmer bei der Pflegestufe III durchschnittlich 3.219 Euro im Monat. In Brandenburg sind die Kosten in der Regel etwas niedriger. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt festgelegte Zuschüsse entsprechend der "Pflegestufen". Beim Pflegebedürftigen bleibt also eine erkleckliche Zuzahlung hängen: Für das oben genannte Beispiel sind das 1.607 Euro Eigenanteil im Monat. Dabei gibt es große Schwankungen, die von etwa 1.200 bis über 2.000 Euro reichen. Die sogenannten Pflegeresidenzen sind besonders teuer. Schon allein dieser erhebliche Betrag sorge dafür, dass der Schritt, einen Heimplatz zu suchen, wohlüberlegt getan werde, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) und selbst Betreiber eines Heimes. 

Warum ist ein Heimplatz derart teuer?

Das sei gar nicht so viel Geld, meinen Heimbetreiber. Die Bewohner bekämen dafür die Sicherheit, dass Tag und Nacht jemand für sie zur Verfügung steht. Und neben den Kosten für die Betreuung enthalte das Entgelt auch die Ausgaben für Lebensmittel und Getränke, die Miete für den Wohnraum und dessen Reinigung.
Wer die Pflege zu Hause mit einem ambulanten Pflegedienst organisieren müsse, wer dazu noch die Miete, Strom, Heizung und Nebenkosten rechne und die Lebenshaltung, bewege sich schnell in ähnlichen Preisdimensionen, sagt BPA-Funktionär Meurer.

Warum gibt es so große Preisunterschiede bei den Heimen?

Die Preisunterschiede werden zum Beispiel von den Investitionskosten bestimmt, die man am besten mit den Modernisierungsumlagen bei der Miete vergleichen kann. Deren Höhe hängt davon ab, ob das Heim neu gebaut wurde oder kürzlich umfangreiche Modernisierungen erfolgten. Kurz gesagt: Je moderner das Pflegeheim ausgestattet ist, desto höher sind die Investitionskosten. Und die können sogar innerhalb eines Pflegeheimes schwanken, je nachdem, ob man in einem modernisierten Gebäudeteil lebt oder in einem alten, unsanierten. 

Preisunterschiede ergeben sich auch daraus, ob das Heim Pflegekräfte ausbildet oder nicht. Hat das Haus Azubis, darf es dafür eine Ausbildungsumlage von den Bewohnern kassieren. Dazu kommen dann noch zum Teil erhebliche Zuschläge für Einrichtungen mit Spezialisierungen wie die Betreuung von Wachkomapatienten, Beatmungspflichtigen oder von Menschen, die unter Demenz oder psychischen Erkrankungen leiden. Diese Spezialversorgung ist aufgrund eines höheren Personalschlüssels teurer und damit auch die Zuzahlung. Denn, wie gesagt, die Leistungen der Pflegekasse für die stationäre Versorgung orientieren sich nur an den Pflegestufen – auch wenn durch die jüngste Pflegereform die Leistungen der Pflegekassen für die ambulante Betreuung von Demenzerkrankten erhöht wurden.

Können die Heime ihre Preise frei festlegen?

Nein! In Berlin werden die Preise zwischen den Pflegekassen, der Senatssozialverwaltung und den Pflegeeinrichtungen beziehungsweise deren Verbänden ausgehandelt. Bei diesen Verhandlungen muss das Heim alle wirtschaftlichen Informationen und Kennzahlen des Hauses sowie Investitionsausgaben auf den Tisch legen. Dabei wird auch vereinbart, wie viele Mitarbeiter das Heim beschäftigen muss. Die Einhaltung der Vorgaben wird dann von der Heimaufsicht geprüft.
Die Einrichtung muss die Preisstruktur gegenüber den Interessenten nach folgendem Muster transparent machen: Entgelt für die Pflegeleistungen, Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Sonderposten, wie etwa die Ausbildungsumlage oder Investitionskosten.

Doch trotz der Beschränkungen investieren private Betreiber gern in die Pflege. Wieso?

Weil sie Gewinne erwarten dürfen. Und so investieren nicht nur kleine Familien- oder mittelständische Betriebe, sondern inzwischen zum Teil große, deutschlandweit agierende Ketten und Aktiengesellschaften. "Wer Verantwortung für pflegebedürftige Menschen, für zahl reiche Mitarbeiter und für eine Immobilie trägt, muss auch einen Gewinn erwirtschaften", sagt BPA-Chef Meurer. Behaupten könne sich aber nur derjenige, der auch eine gute Versorgung anbiete. "Die privaten Betreiber liefern eine gute Qualität, ohne dass sie teurer sind als andere. Insofern gehören Unternehmertum und soziale Verantwortung zusammen."
Zwar sind immer noch mehr als die Hälfte der Heime in Deutschland in der Hand von freigemeinnützigen Trägern wie Kirchen oder Wohlfahrtsverbänden. Doch die privaten Träger haben bereits einen Anteil von rund 40 Prozent.

Sind hohe Preise ein Zeichen für hohe Qualität?

"Der Preis eines Pflegeheimes sagt allein noch nichts über die Qualität der Versorgung und vor allem nichts über den Geist, in dem gepflegt wird, aus", sagt BPA-Chef Meurer. Selbstverständlich ist es wichtig, sich über den Preis eines Pflegeheimes zu informieren. Dabei dürfe man aber nicht das normale Heim mit einer Spezialeinrichtung vergleichen. Genauso wichtig wie der Preis sei es aber, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen: Sind die Mitarbeiter aufmerksam und freundlich? Wie sind die Zimmer ausgestattet? Ist das Umfeld sauber und gepflegt? Ist das Haus für meine Angehörigen gut zu erreichen?

Sind die Heime angesichts der hohen Preise für hohe Pflegestufen überhaupt motiviert, so zu pflegen, dass es dem Pflegebedürftigen viel besser geht?

Bis zum Jahr 2008 galt: Wenn Bewohner weniger Hilfe benötigen, erhalten die Heime auch weniger Geld von den Pflegekassen – wurden also quasi für eine erfolgreiche Rehabilitation bestraft. "Pflegeheime investieren in aktivierende Pflege und werden dafür seit der letzten Pflegereform auch belohnt", sagt BPA-Präsident Meurer. Einrichtungen, denen es durch eine aktivierende Pflege gelinge, Betroffene so weit wieder herzustellen, dass sie einer niedrigeren Pflegestufe zugeordnet werden können, erhalten einen einmaligen Anerkennungsbetrag in Höhe von 1536 Euro. Nicht vom Bewohner, sondern von der Pflegekasse. Außerdem sei mit einer höheren Pflegestufe auch eine bessere Personalausstattung verbunden, was teuer ist. Bei mehr Bewohnern mit niedrigeren Pflegestufen kann das Heim also Personalkosten einsparen.



Artikelsuche ?

Tagesspiegel GESUND

Tagesspiegel Gesund 08 Tagesspiegel Gesund 09 Tagesspiegel Gesund 10

Fachkompetentes Praxiswissen informativ aufbereitet
Informationen zu Behandlungsmethoden und Gesundheitstrends aus Berlin und Umgebung
Von der Gesundheitsberater-Berlin-Redaktion

Aktuell am Kiosk oder direkt im
Tagesspiegel-Shop

Wir liefern Qualität

Erfahren Sie mehr darüber, wie unsere Texte entstehen, wie die Daten geprüft werden und wie sich das Portal finanziert.
Jetzt informieren.

Sie sind uns wichtig und wir freuen uns über Ihre Meinung zu unserem Portal. Welche Themen andere Leser interessierten lesen sie unter Leser fragen - die Redaktion antwortet