Ratgeber: Private Pflegeversicherung

Die staatliche Pflegepflichtversicherung wird nicht ausreichen. Eine private Vorsorge soll vor unbezahlbaren Pflegekosten schützen. Doch eine Pflegezusatzversicherung lohnt sich nicht für jeden

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Pflege ist teuer. Über zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es hierzulande. Um sie zu versorgen, zahlt jeder Bürger in die Pflegekasse ein. Diese zahlt dann abhängig vom Bedarf einen Maximalbetrag von 1 612 Euro (Pflegestufe III) beziehungsweise 1 995 Euro (Härtefall) monatlich. Ein Heimplatz kann allerdings über 4 000 Euro kosten. Das Geld aus der Pflegekasse reicht also nicht aus – die Differenz müssen die Bedürftigen oder ihre Angehörigen zahlen, nur in bestimmten Fällen springt das Sozialamt ein. Künftig werden die Kosten weiter steigen, in der alternden Gesellschaft werden immer weniger Berufstätige für immer mehr Pflegebedürftige aufkommen müssen.


Kann es der "Pflege-Bahr" richten?

Um die Lücke zwischen den Leistungen der Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten zu schließen, wurden bisher rund zwei Millionen private Pflegezusatzversicherungen abgeschlossen. Und es sollen noch mehr werden: Ab 2013 fördert der Staat die private Vorsorge mit dem nach dem FDP-Gesundheitsminister benannten "Pflege-Bahr". Den Zuschuss in Höhe von monatlich fünf Euro erhält, wer sein Pflegerisiko nach festen Kriterien zusätzlich absichert. Eine obere Altersgrenze ist nicht vorgesehen, ebenso wenig wie eine Gesundheitsprüfung. Auch sollen die Versicherer keinen Bewerber mehr ablehnen dürfen. Vor allem bei älteren Menschen mit Vorerkrankungen ist das bislang nämlich gar nicht unüblich. Denn das Risiko, dass diese bald zu teuren Pflegefällen werden, ist den Versicherungsunternehmen schlicht zu hoch.
Allgemein richtet sich die Höhe der Beiträge nach Alter und Gesundheitszustand des Versicherten: Wer älter als 60 Jahre ist, hat meist ein höheres Krankheitsrisiko, der Monatsbeitrag fällt entsprechend höher aus. Auch das Geschlecht spielte bisher eine wichtige Rolle: Da Frauen oft länger leben und deshalb länger Pflege brauchen, verlangten Versicherer von ihnen bis zu 30 Prozent mehr Geld. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs verstoßen solche ungleichen Tarife jedoch gegen das Diskriminierungsverbot. Ab dem 21. Dezember 2012 dürfen Versicherer daher nur noch geschlechtsneutrale Tarife anbieten. Bereits bestehende Verträge bleiben davon aber unberührt.

 

Nicht jeder profitiert von einer Pflegezusatzversicherung

Vor dem Abschluss einer Pflegezusatzversicherung sollte man sich genau über die Angebote informieren. "Viele sind bei diesem Thema sehr unsicher", sagt Dörte Elß von der Berliner Verbraucherzentrale. Meist berät sie ältere Menschen; viele wollen sich zusätzlich versichern, um ihre Kinder im Pflegefall finanziell nicht zu belasten.
Dennoch rät Elß nicht jedem zu einer Zusatzversicherung. So zahlen zwar junge, gesunde Menschen günstige Beiträge, doch müssten sie diese bis zum Pflegealter, also womöglich 50 Jahre lang, entrichten. Doch wer irgendwann dringend Geld braucht und deshalb die Zahlung unterbricht, hat umsonst eingezahlt – die Versicherung greift dann nicht.

 

Individuelle Beratung ist wichtig

Bei den Zusatzversicherungen werden zwei Modelle unterschieden: Zum einen die Pflegekostenversicherung, die kein Bargeld ausschüttet, sondern einen Teil der Betreuungskosten bezahlt. Meist werden jedoch nur gesetzliche Standardleistungen übernommen. Auch eine Förderung durch den "Pflege-Bahr" ist bei einer Pflegekostenversicherung nicht möglich. Die gibt es nur bei einer sogenannten Tagegeldversicherung, die im Pflegefall eine vorher vereinbarte Summe an den Versicherten auszahlt. Diese muss bei der höchsten Pflegestufe mindestens 600 Euro monatlich betragen, damit man den Zuschuss vom Staat bekommt. Über das Geld kann der Versicherte dann frei verfügen und es zum Beispiel pflegenden Angehörigen zur Verfügung stellen. 

Bevor man sich für eine Versicherung entscheidet, rät Dörte Elß von der Verbraucherzentrale folgendes: "Grundsätzlich sollte man zunächst den eigenen Finanz- und Pflegebedarf ermitteln." Danach erst sei es sinnvoll, Probeanträge bei verschiedenen Anbietern zu stellen. Immer wichtig ist dabei: eine individuelle Beratung zu nutzen. Auf die haben mit dem Pflegeversicherungsgesetz von 2009 alle Pflegebedürftigen sowie deren Angehörige einen Anspruch – und zwar kostenlos.


Beratungsangebote rund um die Finanzierung der Pflege finden sie in unserem Portal. 



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