Hintergrund: Die private Pflegezusatzversicherung, ein Lückenschlussverkauf

Pflege ist teuer. Eine private Vorsorge soll vor unbezahlbaren Pflegekosten schützen.

Pflege ist teuer. Über zwei Millionen Pflegebedürftige gibt es hierzulande. Um sie zu versorgen, zahlt jeder Bürger in die Pflegekasse ein. Diese zahlt dann abhängig vom Bedarf einen Maximalbetrag von 1995 Euro. Da ein Heimplatz bis zu 3500 Euro kostet, reicht das Geld aus der Pflegekasse aber nicht – die Differenz müssen die Bedürftigen oder ihre Angehörigen zahlen. Künftig werden die Kosten weiter steigen, für immer mehr Pflegebedürftige wird die alternde Gesellschaft aufkommen müssen. Um diese Lücke zu schließen, wurden rund 1,4 Millionen Verträge für eine private Pflegezusatzversicherungen abgeschlossen.

Entscheidend: Alter, Gesundheit und Geschlecht

Die Höhe des monatlichen Betrages hängt dabei nicht nur davon ab, in welcher Form man Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen will. Entscheidend ist Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand des Versicherten. Man sollte sich deshalb genau über die Angebote informieren. "Viele sind bei diesem Thema sehr unbedarft", sagt Dörte Elß von der Berliner Verbraucherzentrale. Meist berät sie ältere Menschen; viele wollen sich zusätzlich versichern, um ihre Kinder im Pflegefall finanziell nicht zu belasten. Dennoch rät Elß nicht jedem zu einer Zusatzversicherung. Zwar zahlen junge, gesunde Menschen günstige Beiträge, doch müssten sie bis zum Pflegealter womöglich 50 Jahre lang monatlich bis zu 30 Euro entrichten. Doch wer irgendwann dringend Geld braucht, und die Zahlung unterbricht, hat umsonst eingezahlt – die Versicherung greift dann nicht. Wer hingegen älter als 60 Jahre ist, hat meist ein höheres Krankheitsrisiko, der Monatsbeitrag fällt entsprechend höher aus. Einem 65-Jährigen kann es passieren, dass ihn niemand versichert: Zu hoch die Gefahr für die Unternehmen, dass er bald zum teuren Pflegefall wird. Da Frauen oft länger leben und deshalb länger Pflege brauchen, verlangen Versicherer von ihnen höhere Beiträge: Wer erst als Rentnerin einsteigt, zahlt monatlich bis zu 170 Euro.

Pflegekostenversicherung oder Tagesgeldversicherung?

Zwei Modelle werden unterschieden: Verbraucherschützer raten eher zu einer Pflegekostenversicherung, die inflationssicher ist, weil sie kein Bargeld ausschüttet, sondern einen Teil der Betreuungskosten bezahlt. Meist werden jedoch nur gesetzliche Standardleistungen übernommen. Tagesgeldversicherungen zahlen im Pflegefall hingegen bis zu 1500 Euro monatlich an den Versicherten, über die er frei verfügen kann. Der Vorteil: Man kann das Geld Angehörigen zur Verfügung stellen. Dörte Elß rät: "Grundsätzlich Probeanträge bei verschiedenen Anbietern stellen." Im Januar 2009 trat ein neues Pflegeversicherungsgesetz in Kraft. Seitdem haben alle Pflegebedürftigen und deren Angehörige einen Anspruch auf eine individuelle und kostenlose Beratung.



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