Hintergrund: Hausnotrufsysteme helfen, wenn man in seiner Wohnung bleiben möchte

Wenn alleinstehende Senioren trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterhin in ihrer Wohnung bleiben möchten, bietet sich ein Hausnotrufsystem an. Bei einem Sturz oder Schlaganfall kann schnell über einen Knopfdruck Hilfe angefordert werden. Dieser so genannte “Funkfinger” hängt an einem Band um den Hals und ist so jederzeit greifbar.

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Michael Bellaire / Johanniter

Wann macht ein Hausnotrufsystem Sinn?

"Ein Hausnotruf empfiehlt sich immer dann, wenn ein älterer Mensch alleine wohnt und bereits Kreislaufprobleme hatte oder eine kardiale Vorerkrankung.", sagt Rüdiger Kunz, Pressesprecher des Roten Kreuz Berlins. Zum Beispiel nach einem Sturz kann schnell Hilfe geholt werden. Für Demenzkranke ist das System allerdings nicht geeignet, da sie den Notruf ohne Notwendigkeit auslösen könnten.

Welche Anbieter gibt es in Berlin?

In Berlin bietet das Rote Kreuz (DRK), der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfallhilfe, die Volkssolidarität und der private Anbieter DSP solche Hausnotruf-Systeme an. Alle Anbieter außer dem Malteser Hilfsdienst verfügen über Notruf-Leitungsstellen direkt in Berlin, wo die Anrufe entgegen genommen werden.

Wer wird im Notfall alarmiert?

Meist werden die eigenen geschulten Mitarbeiter geschickt, bei schweren Einsätzen wird aber auch der Rettungsdienst oder die Feuerwehr alarmiert. Das Rote Kreuz hat den Anspruch, innerhalb von 15 Minuten nach dem Hilferuf vor Ort zu sein. Damit im Notfall nicht die Tür aufgebrochen werden muss, kann man seinen Wohnungssschlüssel beim Hilfsdienst hinterlegen. Dieser Schlüsselhinterlegungs-Service kostet allerdings meist extra.

Wie funktioniert die Technik?

Das Gerät wird angeschlossen wie ein Telefon, mit einer Teilnehmerstation (siehe Foto) und einem Empfangs- und Sendegerät. Zusätzlich hängt sich der Nutzer den Funkfinger um den Hals oder trägt ihn als Armband. Selbst bei Stromausfall ist das Gerät noch zehn bis 20 Stunden nutzbar.

Welche Serviceleistungen kann man erwarten?

Die Serviceleistungen der Anbieter sind sehr unterschiedlich: Manche beauftragen einen Techniker, der das Gerät installiert und den Teilnehmer in die Nutzung einweist, andere senden nur das Gerät mit einer Gebrauchsanweisung per Post. Zusätzlich wird in einem persönlichen oder telefonischen Gespräch geklärt, welche Bezugspersonen der Mitarbeiter im Notfall alarmiert. Es wird im Computersystem gespeichert, welche Medikamente der Nutzer einnimmt und welche gesundheitlichen Probleme er hat. So kommen die Helfer im Notfall nicht unvorbereitet zum Einsatz. Im Notfall reicht ein Knopfdruck, um Kontakt zur Leitstelle des jeweiligen Anbieters herzustellen. Der Mitarbeiter spricht dann über den Lautsprecher am Funkfinger mit dem Hilfebedürftigen und leitet die nötigen Maßnahmen ein: Er ruft Angehörige, Nachbarn, die eigenen Pflegekräfte oder ärztliche Hilfe. Kann sich der Anrufer nicht mehr verständigen, wird sofort die Feuerwehr oder ein Krankenwagen geschickt. Doch diese Einsätze seien "verschwindend gering", sagt Thorsten Zybell vom Malteser Hilfsdienst.

Welche Zusatzpakete gibt es?

Es gibt viele verschiedene Zusatzpakete, von der Schlüsselhinterlegung bis zur Montage eines Feuermelders. Deshalb ist es wichtig, genau nachzufragen, welches Paket zu welchem Preis für die individuellen Bedürfnisse des Nutzers passend ist. Für besonders hilfebedürftige Senioren gibt es die so genannte Tagestaste. Über sie soll sich der Nutzer täglich melden. Tut er das einmal nicht, nimmt ein Mitarbeiter des Anbieters telefonisch Kontakt auf. "In 98 Prozent der Fälle ist einfach was dazwischen gekommen und der Teilnehmer hat vergessen, Bescheid zu sagen. Es kann aber auch sein, dass der Mensch in diesen 24 Stunden einfach eingeschlafen ist. Deshalb ist die Tagestaste für Angehörige eine wichtige Sache.", sagt Rüdiger Kunz vom DRK.

Was kostet so ein System?

Die Kosten des Hausnotrufs berechnen sich je nach Leistungen, die in Anspruch genommen werden. In der Regel kosten die Installation und das Gerät einmalig um die zehn Euro, dazu monatlich um die 18 Euro. Außerdem gibt es verschiedene Zusatzpakete wie zum Beispiel die Schlüsselhinterlegung.

Können die Kosten von der Pflegekasse übernommen werden?

Für Senioren mit Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse die Grundgebühr für das Notrufsystem. Das umfasst die Installationsgebühr von zehn Euro und die monatliche Pauschale von 18 Euro. Rüdiger Kunz sagt: "Ein Hausnotrufsystem ist sicher keine Alternative zum Pflegeheim. Aber es ist eine Möglichkeit für Senioren das Wohnen bezahlbar sicher zu machen."

Worauf muss man achten?

Bei manchen Anbietern ist die Anzahl der Rettungsfahrten im Monat begrenzt und der Nutzer muss jeden weiteren Hilfseinsatz zusätzlich bezahlen. Informieren Sie sich deshalb vor Vertragsabschluss über mögliche versteckte Kosten. Fragen Sie explizit beim Anbieter nach, wie viele Rettungsfahrten im Grundpreis inbegriffen sind. "Lassen Sie sich von zwei bis drei Firmen beraten, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben. Besonders wichtig ist die persönliche Beratung durch qualifiziertes Personal", sagt Marion Schmidt von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Checkliste:

Wird der Anruf bei Notfall von geschulten Mitarbeitern des Anbieters entgegengenommen? Schickt der Anbieter im Notfall eigene ausgebildete Pflegekräfte?

Wird die Installation des Geräts von einem Techniker ausgeführt und auch in allen Räumlichkeiten (zum Beispiel im Keller) getestet?

Wird bei Vertragsabschluss ein persönliches Gespräch mit dem Nutzer geführt? Machen die Mitarbeiter dabei einen qualifizierten Eindruck?

Werden die Leistungen der Grund- und Zusatzpakete ausführlich erläutert? Wie viele Rettungsfahrten sind pro Monat inklusive?


weiterführende Links:

Checkliste der Verbraucherzentrale Sachsen

Hausnotruf-Test von Stiftung Warentest (2011)

Hausnotruf DRK Berlin Bachestr. 11 Berlin-Friedenau Telefon: (030) 600 300

Hausnotruf Malteser Berlin Alt-Lietzow 33 Berlin-Charlottenburg Telefon: (030) 348 003-0

Hausnotruf Johanniter Berlin Berner Straße 2-3 Berlin-Lichterfelde Telefon: 0800 3233 800

Hausnotruf Volkssolidarität Berlin Alfred-Jung-Straße 17 Berlin-Friedrichshain Telefon: (030) 30869228

DSP & Hausnotruf Kinzerallee 24 Berlin-Köpenick Telefon: (030) 270 15 636



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